chayiana (chayiana) wrote,
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Zwei Tage liefen sie nun schon durch diese karge Landschaft, oed und leer, nur hin und wieder durch ein paar Buesche oder Felsen durchbrochen, immer weiter auf das maechtige Gebirge zu, das den gesamten Horizont einzunehmen schien.

Zwei Tage, in denen praktisch keiner von ihnen gesprochen hatte, weil kein Wort das zu beschreiben vermochte, was in ihnen vorging.

Zwei Tage, in denen der Schmerz ueber den Verlust sie auffrass, sie betaeubte und zu ersticken versuchte.

Jeder von ihnen fragte sich, ob er nicht haette etwas tun koennen, es irgendwie verhindern? Am Aergsten trafen diese Fragen den jungen Mulak. Immer wieder tauchte das Bild vor ihm, als Rodney McKay sich zu ihm umgedreht hatte und ihm helfen wollte, aus seiner Starre zu erwachen. Wenn er nicht wie angewurzelt auf dem Floss sitzen geblieben waere, wuerde dieser vielleicht noch leben.

 

"Das ist alles meine Schuld," sagte er leise, als sie am Abend des zweiten Tages an ihrem kleinen Feuer sassen.

 

"Was meinst Du?" fragte Sheppard verwundert.

 

"Wenn ich nicht auf dem Floss geblieben waerre, haette err nicht auf mich gewarrtet, sonderrn waerre weiterrgelaufen. Und err wuerrde jetzt noch leben."

 

"So etwas darfst Du noch nicht einmal denken, hoerst Du?" entgegnete Teyla eindringlich. "Manche Dinge passieren einfach. Und so sehr es uns schmerzt, wir muessen das akzeptieren. Aber dass Du Dir die Schuld gibst, macht ihn auch nicht wieder lebendig. Und Rodney haette das auch nicht gewollt, glaub mir!"

 

Mulak sah sie daraufhin stumm aus grossen, waessrigen Augen an, bevor er seinen Blick erneut auf das Feuer richtete. Auch der Rest von ihnen verfiel wieder in bedrueckendes Schweigen, bis John ploetzlich leise auflachte.

Ronon und die Athosianerin sahen ihn irritiert und fragend an.

 

"Teyla, wissen Sie noch, wie Rodney sich damals diesen Antikerschutzschild angeheftet hatte? Junge, was haben wir damit nicht alles ausprobiert... " bei der Erinnerung daran, musste er unwillkuerlich noch ein wenig breiter grinsen. "Die Sache mit dem Schubser vom Balkon war ja nur die Spitze des Eisberges. Elizabeths entsetzten Gesichtsausdruck werde ich wohl nie vergessen."

 

Jetzt musste auch Teyla laecheln.

 

"Und auch schon an diesem Tag hat er uns allen das Leben gerettet," bemerkte sie nachdenklich. Ronon, der diese Geschichte nur aus Erzaehlungen her kannte, nickte zustimmend.

 

"Ja, das hat er. Rodney war wahrscheinlich der nervigste, arroganteste und egozentrischste Held, den die Welt je gesehen hat," meinte Sheppard schmunzelnd. 'Und dazu der beste Freund, den ich wohl je hatte,' fuegte er wehmuetig in Gedanken hinzu.

 

~~~

Am Nachmittag des naechsten Tages erreichten sie das Gebirge. Dunkel und drohend wuchs es vor ihnen in den Himmel. Tiefe Schluchten wechselten sich mit kaum bezwingbaren, zerkluefteten Gipfeln ab. Messerscharfe Felsnadeln brachen ueberall hervor und hinterliessen zu ihren Seiten tiefe Schatten. Alles an diesen Bergen wirkte einschuechternd und unnahbar, fast boesartig, als wenn das tausend Jahre alte Gestein jeden Wanderer davon abhalten wollte, sein Innerstes zu betreten.

Doch davon durften sie sich jetzt nicht entmutigen lassen. Irgendwo hier gab es vermutlich die einzige Moeglichkeit, wieder in ihre eigene Welt zurueckzukehren.

 

Und tatsaechlich hatten sie anhand der Karte schon bald den verborgenen Zugang gefunden, der zu dem geheimnisumwitterten Tor fuehren sollte. Nun wuerden sie also erfahren, ob es hier ein Stargate gab und ob Rodneys Tod am Ende doch noch einen Sinn gehabt hatte.

Mit vor Anspannung trockenem Mund und dem dumpfen Gefuehl einen Fehler zu machen, naeherten sich Sheppard und die anderen dem Eingang, der wie ein natuerlich gewachsener Tunnel vor ihnen lag, als Mulak ploetzlich innehielt.

 

"Was wirrd denn jetzt aus mirr?" fragte er unsicher.

 

Ueberrascht drehte John sich um.

 

"Ich war der Meinung, du wuerdest uns begleiten? Versteh mich nicht falsch, aber ich glaube, dass diese Welt wirklich nicht der richtige Ort fuer Dich ist."

 

"Ihrr... Ihrr wollt mich tatsaechlich mitnehmen... in Eurre Welt?" die Erleichterung in seiner Stimme war deutlich zu hoeren.

 

"Sicher. Wir lassen unsere Freunde nicht zurueck."

Doch kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, fuehlte er, wie sich der Schmerz einem gluehendheissem Dolch gleich in sein Herz bohrte. Diese Aussage, obwohl sie das beinhaltete, woran er sein Leben lang geglaubt hatte, klang nun falsch und hoehnisch.

Rodney hatten sie zurueckgelassen. Und wie, um sich selbst zu ueberzeugen, setzte er leise hinzu:

"Zumindest, wenn es in unserer Macht liegt."

 

Daraufhin drangen sie in den Berg ein. Der Gang, dem sie folgten, zog sich schnurgerade in den Fels hinein und war gute drei Meter breit und ebenso hoch. Kein Laut war hier zu hoeren, nur das leise Echo ihrer Schritte hallte von den Waenden wider.

Doch je weiter sie in den Berg vordrangen, desto ebenmaessiger wurde das Gestein um sie herum. Bald schon waren sie sich sicher, dass dieser Teil des Tunnels kuenstlichen Ursprungs sein musste.

Und noch etwas anderes keimte in Sheppards Bewusstsein auf. Eine Erinnerung, begleitet von einer dunklen Ahnung, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte.

Mit jedem Schritt wurden die Waende glatter, bis sie fast wie poliert wirkten. Und auch die Seiten begradigten sich immer mehr, so dass der Tunnel schliesslich wie ein aus dem Fels herausgestanzter Quader anmutete, der in dem fluoreszierenden Licht gruenlich schimmerte.

 

"Sheppard, ich weiss ja nicht wie es Ihnen geht, aber mich erinnert das alles hier irgendwie an..." weiter kam Ronon nicht, denn genau in diesem Moment oeffneten sich ueber ihren Koepfen mehrere Klappen, die eine Vielzahl an stacheligen Kugeln entliessen, die auf sie zugeschwebt kamen.

 

"Verdammt! Das glaub ich einfach nicht," murmelte John fassungslos. "Was zum Teufel geht hier vor?"

 

Doch jeder weitere Erklaerungsversuch ging in dem kurzen Schmerz und der darauffolgenden Dunkelheit unter, als sie von den betaeubenden Stacheln der Kugeln getroffen wurden.

 

~~~

Diesmal war es kein langsames Hinuebergleiten in die bewusste Welt, kein allmaehliches Auftauchen aus dem klebrigen Sumpf der Besinnungslosigkeit. Dieses Mal war John Sheppard mit einem Schlag wach. Mit einem unterdrueckten Keuchen riss er die Augen auf und blickte sich leicht desorientiert um.

Er lag in einem schalenfoermigen Untersuchungsstuhl. Seine Haende und Fussgelenke wurden von metallischen Buegeln gehalten, so dass er sich nur sehr eingeschraenkt bewegen konnte, geschweige denn aufstehen. Ueberall an seinem Koerper waren winzig kleine Elektroden an langen Kabeln angebracht, die sich genau in diesem Moment wie von Zauberhand loesten und in die Wand hinter ihm zurueckglitten.

Der Raum, in dem er sich befand, glich in seiner Form dem Inneren eines Wuerfels. Es gab keinerlei Gegenstaende ausser dem Stuhl, auf dem er festgeschnallt war. Kalte, sterile auf Hochglanz polierte Waende draengten sich um ihn.

'Wo zur Hoelle bin ich hier?' fragte er sich irritiert. 'Und wo sind die anderen?'

 

Und wie als wuerde der Raum auf seine unausgesprochene Frage reagieren, klappten ploetzlich seine Fesseln auf und verschwanden in den Lehnen seines Stuhls. Gleichzeitig oeffnete sich leise zischend eine verborgene Tuer und gab John die Sicht auf einen dahinterliegenden Gang frei. Misstrauisch erhob er sich und trat in den Gang hinaus. Auch dieser bestand aus Metall und war in seiner Beschaffenheit nahezu unnatuerlich perfekt. Er hatte gerade ein paar Schritte zurueckgelegt, als sich die Tuer hinter ihm wieder schloss, waehrend sich weiter vorne die naechste oeffnete.

 

"Ok, ok, ich hab verstanden," sagte er leise zu sich selbst. Wer auch immer dahinter stecken mochte, liess ihm gar keine andere Moeglichkeit, als der vorgegebenen Richtung zu folgen.

Er erreichte einen weiteren Raum, der diesmal einen fuenfeckigen Grundriss hatte und ebenfalls vollkommen leer war. Doch kaum hatte er ihn betreten, oeffneten sich unvermittelt drei weitere Tueren. Zoegerlich und offensichtlich ebenso verunsichert wie er selbst traten nacheinander Teyla, Ronon und.... McKay heraus.

 

"Rodney!" rief John unglaeubig aus und starrte den Kanadier entgeistert an.

Auch auf Ronon und Teylas Gesichtern zeichnete sich grenzenlose Verwirrung ab, als sie ihren totgeglaubten Freund erblickten. Unwillkuerlich suchte Sheppard nach der fuerchterlichen Verletzung, die der Speer verursacht hatte, doch Rodneys Jacke und Shirt waren makellos, ebenso wie seine eigene Kleidung, die er nur noch als bessere Fetzen in Erinnerung hatte.

 

"Verdammt, was ist hier eigentlich los?" fragte nun auch Rodney nicht weniger verstoert als der Rest von ihnen und tastete dabei seinen Bauch ab, als wenn er sich selbst von seiner Unversehrheit ueberzeugen muesste.

 

"Rodney, Sie... Sie... leben..." stotterte John zutiefst erleichtert.

 

"Nun ja, zumindest fuehlt es sich so an," erwiderte dieser unsicher.

 

Ploetzlich trat Ronon einen Schritt vor, riss den Wissenschaftler an sich und drueckte ihn herzlich.

Voellig ueberrascht von dieser Reaktion, murmelte Rodney an dessen Brustkorb gepresst:

"Ja, ja, ist ja schon gut," und machte sich etwas verlegen wieder von ihm los, doch schon im naechsten Moment fiel ihm Teyla um den Hals.

 

"Oh, Rodney, wir dachten, wir haetten Sie verloren," meinte sie uebergluecklich und konnte nicht verhindern, dass ihr die Freudentraenen ueber das Gesicht liefen.

 

"Hey, hey, hey, Leute, ich wusste ja gar nicht, dass Ihr so an mir haengt," versuchte Rodney auch diesen peinlichen Augenblick zu ueberbruecken und schielte dabei zu Sheppard hin, der ihn nur mit einem verflucht breiten Grinsen ansah.

Und McKay grinste stumm zurueck.

 

Und als wenn jemand entscheiden haette, dass es nun genug der Wiedersehnsfreude sein musste, oeffnete sich ploetzlich die letzte Tuer. Ihnen war allen in diesem Moment bewusst, dass die Aufloesung dieses ganzen Verwirrspiels naeher zu ruecken schien.

Entschlossen betraten sie den Tunnel, der sie direkt in eine grosse Halle brachte, die sie an eine ueberdimensionale Computerzentrale erinnerte. Ueberall blinkten Laempchen in allen erdenkbaren Farben und ein bestaendiges Summen erfuellte die Luft. Und auch hier erhellte dieses merkwuerdige Fluoreszieren wie ueberall in dem Komplex den Raum.

 

"Rodney?" Sheppard schaute seinen Freund fragend an.

 

"Na sicher, kaum bin ich von den Toten auferstanden, muss ich schon wieder die Raetsel des Universums loesen, oder was?"

 

John kam es gar nicht in den Sinn, diese Aussage mit dem ueblichen spitzen Kommentar zu beantworten. Zu stark wog die Erleichterung, den alten McKay mit all seinen Eigenarten wieder zu haben, doch das wuerde er ihm sicher nicht auf die Nase binden.

Ausserdem tat sich in diesem Augenblick eine weitere Klappe ueber ihren Koepfen auf.

 

"Oh, nicht schon wieder," entfuhr es Ronon.

 

Doch dieses Mal kam nur eine einzige weitaus groessere Kugel herausgeschwebt.

Sie wirkte kompakt aber gleichermassen auch diffus. In ihrem Inneren schimmerte wabernder Nebel, der nun in Bewegung geriet, als dieses Ding zu sprechen begann.

 

"Willkommen," sagte es. Die Stimme dieser Kugel hatte einen leicht metallischen und irgendwie kuenstlichen Klang, als wenn sie digitalisiert worden waere, was sie vermutlich auch war.

 

"Hi," erwiderte Sheppard skeptisch. "Ich nehme doch mal stark an, dass Du hinter dieser ganzen Inszenierung steckst, nicht wahr? Dann kannst Du uns sicher auch erklaeren, was das alles soll? Was hast Du mit uns gemacht? Und wo ist ueberhaupt Mulak?" fuegte er noch hinzu, da ihm gerade aufgefallen war, dass der Junge gar nicht mehr bei ihnen war.

 

"Mulak?" sie glaubten so etwas wie eine leise Verwirrung aus der Stimme herauszuhoeren. "Aber den gibt es nicht. Er existiert nur in Euren Koepfen, so wie alles, was Ihr erlebt habt... was Ihr glaubt, erlebt zu haben," korrigierte sie sich.

 

"Wie bitte? Willst Du damit sagen, dass das alles gar nicht passiert ist?" hakte McKay entruestet nach, obwohl er tief in seinem Inneren die Antwort darauf schon kannte.

 

"Ja, Dr. McKay," entgegnete die Kugel.

"Euer gesamtes Abenteuer hat sich nur in Eurem Geist abgespielt."

 

"Und warum das alles? Macht es Dir Spass, die Menschen zu quaelen? Sie miterleben zu lassen, wie ihre Freunde sterben?" wollte nun Teyla wissen. Sie spuerte wie die Wut in ihr hochstieg, und den anderen erging es ganz aehnlich.  

 

"Nein, das ist es nicht. Ihr versteht das ganz falsch," meinte die Stimme ruhig.

 

"Wenn wir das so falsch verstehen, wie waere es dann, wenn Du uns mal aufklaeren wuerdest," bemerkte John zynisch.

 

"Aber sicher, Colonel Sheppard, dafuer bin ich ja hier."

 

"Dann schiess los. Wir sind ganz Ohr," meinte Ronon mit finsterem Blick.

 

"Also, ich bin das, was Ihr als eine KI, eine kuenstliche Intelligenz, bezeichnen wuerdet. Erschaffen von einer Gruppe der Wesen, die Ihr die Antiker nennt. Diese Antiker entwickelten mich vor etwa 10.000 Jahren, als Atlantis kurz vor dem Ende der Belagerung durch die Wraiths stand. Der Plan, die Stadt und damit diese Galaxie zu verlassen, stand damals schon fest. Doch im Gegensatz zu dem Hohen Rat, der beschlossen hatte, Atlantis fuer alle Zeiten sich selbst zu ueberlassen, wollte diese Gruppe noch einen weiteren Weg schaffen. Einen Weg, der es denjenigen ermoeglichen sollte, einen Weg in die Stadt der Antiker zu finden, die das Erbe von Atlantis in Ehren halten wuerden.

Und um das in die Tat umzusetzen, erschufen sie diesen Komplex, die Kuppel, die Ihr von aussen gesehen habt. Sie streuten Geruechte und hinterliessen Inschriften auf nahezu allen Planeten, die unter ihrem Schutz standen oder mit denen sie auf andere Weise verbunden waren. Und mit der Zeit kamen die Menschen aus allen Winkeln der Galaxie, um sich den Aufgaben, die sie hier erwarteten, zu stellen. Es waren nicht alles gute und ehrliche Menschen, viele waren nur gekommen, um sich an der sagenumwobenen Technologie von Atlantis zu vergreifen, um so ihre eigenen dunklen Plaene zu verwirklichen. Aber sehr viel mehr wollten nur die Stadt der Vorfahren, wie sie damals viele nannten, erhalten und beschuetzen, bis die rechtmaessigen Besitzer wieder auftauchen wuerden. Doch so viele es von ihnen auch versuchten, niemand hat es jemals geschafft, den Anforderungen des Programms gerecht zu werden. Doch auch wenn sie scheiterten, blieben viele auf diesem Planeten, um zu sehen, ob es irgendwann nicht doch einmal jemandem gelingen wuerde. Und so entwickelte sich auf diesem Planeten eine bunte Vielfalt verschiedener Voelker und Kulturen. Doch mit der Zeit verschwanden auch sie wieder, und dieser Planet geriet in Vergessenheit.

Aber ich wachte weiter ueber den einzigen Weg, der in dieser Galaxie in die Stadt der Vorfahren fuehrte. Viele Tausend Jahre lang kam niemand mehr und so schlummerte ich, bis meine Sensoren vor kurzer Zeit eine erneute Aktivitaet feststellten."

 

"Und das waren wohl wir," stellte John fest. Er wusste noch nicht so recht, was er von dieser Geschichte halten sollte. "Dann war das, was wir erlebt haben, eine Art Test, ob wir wuerdig waeren, diese Stadt der Antiker zu betreten und ihre Technologie zu nutzen?"

'Wieso sind die eigentlich immer alle so scharf auf irgendwelche Pruefungen?' fuegte er in Gedanken hinzu.

 

"Aber das haben wir doch schon..." versuchte McKay einzuwerfen, wurde aber von Sheppard mit einer energischen Handbewegung daran gehindert.

 

"Wir sollten uns erstmal die Geschichte zu Ende anhoeren, Rodney, bevor wir eventuelle Schwachstellen aufdecken," erklaerte er ihm mit einem eindringlichen Seitenblick.

 

"Keine Sorge, Colonel Sheppard, mir ist durchaus bewusst, dass Ihr Euch laengst in Atlantis niedergelassen habt," bemerkte die KI.

"Waehrend des Testes hatte ich Zugriff auf all Eure Erinnerungen und Gedanken in Eurem Bewusstsein. Dabei ist mir diese Tatsache natuerlich nicht verborgen geblieben. Doch ungluecklicherweise ist der Komplex und die Initialisierung des Test-Programms zum groessten Teil automatisiert, so dass ich nicht eingreifen konnte. So musstet Ihr die Aufgabe wie schon alle anderen vor Euch ebenfalls durchlaufen. Und zudem war ich zugegebenermassen neugierig, ob Ihr es schaffen wuerdet und somit Euren rechtmaessigen Anspruch auf die Stadt der Antiker behaupten koenntet."

 

"Eine neugierige KI?" hakte Rodney ironisch nach. "Wo hat man denn sowas schon mal gehoert?"

 

"Glaub mir, Dr. McKay, nach Tausenden von Jahren im Stand-by-Modus waere es Dir auch langweilig," erwiderte die Stimme, und diesmal klang sie eindeutig belustigt.

 

Daraufhin starrte der Kanadier die Kugel mit offenem Mund an, doch bevor er auch nur den Ansatz eines spitzen Kommentares dazu abgeben konnte, meinte John:

 

"Na schoen, das hoert sich ja alles ganz plausibel an, aber jetzt wuerde mich ja doch interessieren, ob wir diesen Test nun bestanden haben oder nicht?"

 

Nach einer kurzen Pause, die sich fuer das Team so anfuehlte, als ob es diese KI einfach nur spannend machen wollte, antwortete sie:

 

"Ja, das habt Ihr. Und das, wie Ihr sagen wuerdet, mit Bravour. Ihr habt Hilfsbereitschaft, Guete und Respekt vor dem Leben gezeigt, aber auch Mut, Umsicht und Opferbereitschaft. Alles Eigenschaften, die die Antiker von Ihren Nachfolgern erwarten wuerden. Ihr seid es wahrlich wuerdig, Atlantis Euer Zuhause zu nennen."

 

"Das soll dann wohl heissen, dass wir jetzt zurueckkehren koennen?" fragte John nach. Er fuehlte sich noch immer etwas benommen von dem eben Gehoerten, zumal er daran denken musste, dass ihnen gerade Rodney mit seiner Tat vermutlich die meisten Punkte in diesem Test eingebracht hatte.

"Ich fuerchte, dass die uns dort schon heftig vermissen werden," fuegte er noch hinzu.

 

"Darueber brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen, Colonel Sheppard," entgegnete die KI. "Seitdem Ihr die Kuppel betreten habt, sind lediglich drei Stunden vergangen."

 

"Nur drei Stunden?" Ronons Tonfall konnte man deutlich die Ueberraschung anmerken, doch der Rest von ihnen war nicht minder ueberrascht.

 

"Es fuehlte sich mehr wie drei endlos lange Jahre an," bemerkte McKay und uebertrieb dabei natuerlich masslos.

 

"So, und nun geht," sagte die Kugel, ohne den Einwuerfen der Beiden Beachtung zu schenken. Und wie auf einen geheimen Befehl hin oeffnete sich wieder eine Tuer am anderen Ende der Halle, durch die helles Tageslicht hineinfiel.

 

"Und was ist mit Dir?" wollte Teyla noch wissen.

 

"Meine Aufgabe hier ist erfuellt. Ich werde mich nun abschalten," erwiderte die KI, und schon im gleichen Moment begannen all die blinkenden Laempchen um sie herum zu verloeschen und die Kugel schwebte der Hallendecke entgegen, um wieder in der Vertiefung, aus der sie gekommen war, zu verschwinden.

 

"Halt! Warte... ," rief Rodney entgeistert, "... es gibt doch noch so viel, was Du uns erzaehlen koenntest! Ueber die Antiker, ueber Atlantis.... " doch es war zu spaet. Die Kugel war weg.

 

"Na toll," meinte Rodney seufzend, als sie kurze Zeit spaeter wieder auf dem Weg in Richtung Stargate waren, "... kann mir vielleicht einer von Euch erklaeren, was uns diese ganze Mission eigentlich gebracht haben soll?"

 

"Dass wir nun endlich wissen, dass wir Atlantis rechtmaessig besiedelt haben," erwiderte John nicht ohne einen Hauch von Ironie in der Stimme.

 

"Und dafuer der ganze Aufwand?" hakte er genervt nach. "Ich meine, das wussten wir doch schon vorher, oder? Ich fuer meinen Teil nenne das eine immense Verschwendung an Zeit. Zeit, die ich viel besser in meinem Labor haette nutzen koennen."

 

"Hoeren Sie auf zu jammern, McKay. Und wenn ich mich recht entsinne, war es doch Ihre Idee, hier herzukommen. Wenn Sie von Anfang an herausgefunden haetten, worum es bei dieser Sache gehen wuerde, haetten wir uns diesen kleinen Ausflug sparen koennen," zog John ihn auf, doch der Kanadier schien das gar nicht wahrzunehmen, denn er fuhr mit einem mitleiderregenden Tonfall fort:

 

"Ich bin voellig umsonst gestorben!"

 

"Aber Sie sind doch nicht gestorben," widersprach der Colonel ihm, wobei er den Wissenschaftler, der betruebt neben ihm hertrottete, schmunzelnd aus den Augenwinkeln beobachtete.

 

"Vielleicht nicht in der Realitaet, aber in dieser Simulation schon... irgendwie..."

murmelte dieser leise, doch ploetzlich schien ihm etwas einzufallen. Er blickte auf, sah Sheppard aus grossen Augen an und fragte:

 

"Haben Sie mich eigentlich vermisst?"

 

"Vermisst? Was meinen Sie damit?" wollte John scheinheilig wissen. "Wieso sollten wir Sie denn vermissen?" schob er noch hinterher und drehte sich dabei kurz zu Teyla und Ronon um, um ihnen ein vielsagendes Grinsen zu zuwerfen.

 

McKay, der diesen Blick nicht mitbekommen hatte, blieb wie angewurzelt stehen.

 

"Soll das heissen, dass Sie kein bisschen um mich getrauert haben?" rief er empoert und beeeilte sich dann, wieder zu Sheppard aufzuschliessen. "Hey, immerhin war ich der genialste Wissenschaftler in zwei Galaxien und ausserdem der Held in dieser Geschichte!"

 

"Rodney, Sie sind nicht tot!" erwiderte John gespielt genervt. Inzwischen hatte sie das Tor erreicht und Teyla begann anzuwaehlen.

 

"Aber... aber Sie muessen doch zumindest mal an... an... mich gedacht haben?" stotterte dieser bestuerzt.

 

"Na schoen, wenn es Sie gluecklich macht... Ja, wir haben eine Rodney-McKay-Gedenkminute eingelegt, und Ronon hier hat eine sehr ergreifende, traenenreiche Trauerrede gehalten. Zufrieden?" meinte John schliesslich die Augen verdrehend.

 

"Ha! Also geben Sie zu, dass ich Ihnen gefehlt habe?" fragte McKay triumphierend nach.

 

"Ja, Rodney..." bestaetigte dieser leise laechelnd.

 

"Sehen Sie? Ich wusste es. Ich wusste, dass Sie mich vermissen wuerden!"

 

Und ein erneutes, ergeben geseufztes "Ja, Rodney..." war das letzte, was man von John Sheppard hoerte, bevor das Team durch den Ereignishorizont trat und nach Atlantis zurueckkehrte. In ihr rechtmaessiges Zuhause.

 

 

(Happy-) End

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