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"Gut," erwiderte John langsam, ihm war der ploetzliche Wechsel der Emotionen auf dem Gesicht des Mannes nicht entgangen.

"Vielleicht sollten wir uns dann zunaechst einmal vorstellen... also, mein Name ist John Sheppard, und das sind Teyla Emmagan, Ronon Dex und Rodney McKay."

 

"Und ich bin Kodukan, der Oberrste derr Shei'Dan," entgegnete der Hohepriester.

In diesem Moment betraten vier weitere Gestalten aus einem versteckten Seitengang heraus die Halle. Sie waren aehnlich gekleidet und geschmueckt wie Kodukan, doch im Gegensatz zu diesem trugen sie keinen goldenen Ring auf ihren kahlen Koepfen.

Wortlos nahmen sie vor ihren Sitzen Aufstellung und schauten fast teilnahmslos auf Sheppard und sein Team.

 

"Nun gut, John Sheppard, sprrich... was fuehrrt Euch zu uns?" fragte Kodukan mit einem einschmeichelnden Laecheln, das aber seine Augen nicht erreichte.

 

"Ha! Das haben Dir Deine Goetter wohl noch nicht verraten," fluesterte Rodney so leise, dass nur John es hoeren konnte. Und obwohl dieser dem Kanadier fuer diesen Kommentar am liebsten auf den Fuss getreten waere, musste er ihm im Stillen Recht geben. Diese Priester schienen doch nicht ganz so allwissend, wie sie es vorgaben zu sein.

 

"Wir wuerden gerne von Euch mehr ueber dieses Tor am Fuss des Donnerberges erfahren. Das, von dem es heisst, es waere der Durchgang in die naechste Welt. Koennt Ihr uns sagen, was es damit auf sich hat und wo genau wir es finden koennen?"

 

Der Mann in dem roten Gewand kniff ueberrascht die Augen zusammen und in seinem abschaetzenden Blick lag etwas Lauerndes.

 

"Weshalb moechtet Ihrr das wissen?"

 

"Nun ja, es ist so... wir sind mehr oder weniger aus Versehen auf Eurer Welt gelandet. Und wir glauben, dass dieses Tor es uns ermoeglicht, wieder in unsere Welt zurueckzukehren," antwortete Sheppard.

 

"Niemals zuvorr hat jemand ausserrhalb des Fuenferrrates ein Blick auf die geheime Karrte geworrfen, die den Weg dorthin weist. Doch auch noch nie sind mir solche Wesen, wie Ihrr es seid, begegnet. Ich werrde mich mit meinen Orrdensbrruederrn zurrueckziehen und die Goetterr bezueglich Eurres Anliegens um Rrat frragen," erklaerte Kodukan. "Warrtet hierr," setzte er noch hinzu, bevor er sich mit einer schnellen Drehung, die man ihm so gar nicht zugetraut haette, umwandte und in dem kleinen Seitengang verschwand. Die vier anderen Priester folgten ihm schweigend.

 

"Na, das lief doch schonmal ganz gut," meinte John gleichmuetig und liess sich auf einer der Treppenstufen, die zu dem Podest der Hohepriester fuehrten, nieder.

 

"Ich weiss nicht so recht," entgegnete Ronon. "Fuer meinen Geschmack hat er fast schon zu wenige Fragen gestellt."

 

"Das meine ich auch," pflichtete Rodney ihm bei. "Ich haette zumindest erwartet, dass er fragt, von welcher Welt wir kommen oder wie wir ueberhaupt hierher gelangt sind. Also, Sie koennen sagen, was Sie wollen, aber irgendwas stimmt mit dem Kerl nicht."

 

"Regt sich da Ihr siebter Sinn, McKay?" fragte John schmunzelnd. "Aber bevor Sie jetzt gleich wieder aus der Haut fahren... ich gebe Ihnen vollkommen Recht!" fuegte er schnell hinzu. "Mir kam diese Versammlung auch sehr merkwuerdig vor. Wir sollten auf jeden Fall auf der Hut sein. Aber fuer den Moment bleibt uns wohl nicht anderes uebrig als erst einmal abzuwarten."

Daraufhin wandte er sich an Mulak und meinte:

 

"Also, mein Freund, wie waere es, wenn Du uns in der Zwischenzeit mal erzaehlen wuerdest, was Du eigentlich verbrochen hast. Die Reaktion dieses Priesters hat mir doch ein wenig zu Denken gegeben."

 

Der Eingeborene schaute kurz nervoes zu der Wache, die noch immer am Eingang des Tempels stand. Dann seufzte er leise auf und begann zu erzaehlen.

 

"Ich habe Euch gesagt, dass ich die Goetterr errzuerrnt hatte, doch das warr so vielleicht nicht ganz rrichtig. Die Wahrrheit ist, dass die Prriester, die Shei'Dan, behauptet haben, dass es so gewesen waerre. Aberr ich glaube nicht darran. Verrsteht mich nicht falsch, ich glaube an unserre Goetterr, aberr ich habe meine Zweifel, dass diese Prriesterr tatsaechlich die Macht haben, mit ihnen zu rreden."

 

Diese Aussage des Jungen verursachte einiges Stirnrunzeln bei den Menschen. Offensichtlich war Mulak doch zu mehr eigenstaendigem Denken faehig, als es nach aussen hin den Anschein hatte.

 

"Ihrr muesst wissen, damals diente ich in diesem Tempel. Ich habe gesehen, wie sie vorgehen, um ihrre Ziele, angeblich die Ziele der Goetterr, zu errreichen. Die Shei'Dan unterrdrruecken das Volk, sie saugen es foerrmlich aus. Fast all ihrre Ertrrage aus den Errnten muessen die Leute hierr den Goetterrn opfern. Ich habe mich immerr wiederr gefrragt, ob die Goetterr tatsaechlich all diese Nahrrung wirrklich benoetigen. Und eines Tages, nachdem man den Goetterrn wiederr ein Opferr gebrracht hatte, bin ich den Prriesterrn gefolgt, um zu sehen, was mit den Opferrgaben geschieht. Doch bevorr ich es herrausfinden konnte, hat man mich entdeckt. Die Prriesterr wurrden sehrr zorrnig und sagten, dass die Goetterr diesen Verrrat harrt bestrrafen wuerrden. Doch sie liessen mirr die Wahl in die Verrbannung zu gehen. Und das habe ich getan. Sie nahmen mirr mein Horrn und brrachten mich bis ueberr das Gebirrge. Tagelang bin ich herrumgeirrrt, bis ich am Ende auf das Dorrf gestossen bin, wo Ihrr mich gefunden habt."

 

"Lass mich raten... und auch dort musstest Du Deine Nase in Sachen stecken, die Dich nichts angehen," hakte McKay spitzfindig nach und erntete damit gleich mehrere boese Seitenblicke, doch Mulak senkte nur zustimmend den Kopf.

 

"Mach Dir nichts draus," meinte Sheppard freundlich. "Ich kenne mindestens einen Menschen, der das auch ganz hervorragend kann... Ausserdem gehoert in meinen Augen eine ganze Menge Mut und Willensstaerke dazu, ein bestehendes System zu hinterfragen, so wie Du es getan hast."

Und als der junge Mann daraufhin wieder aufschaute, laechelte er erleichtert.

 

 

Etwa zwei Stunden mussten sie warten, bevor die Hohepriester zurueckkehrten. Wieder bauten sie sich vor ihren Sitzen auf, wobei diesmal einer der Priester einen grossen hoelzernen Kasten trug.

Kodukan trat bis an den Treppenabsatz vor und begann mit vor Inbrunst triefender Stimme zu sprechen:

 

"Die Goetterr warren so gnaedig, sich Eurrerr Ansinnen anzuhoerren. Und sie sind zu dem Entschluss gekommen, dass Ihrr Euch den Weg zu dem Torr auf derr geheimen Karrte ansehen duerrft, wenn Ihrr zuvorr beweist, dass Ihrr dessen auch wuerrdig seid."

 

"Und das bedeutet...?" fragte Sheppard nach.

 

"Dass bedeutet, John Shepparrd, dass sich derr Anfuehrrerr Eurrerr Grruppe dem Test derr Goetterr unterziehen wird," erwiderte der Priester mit einem undurchschaubaren Laecheln.

Ploetzlich hoerte John Mulak neben sich bestuerzt ausrufen:

 

"Aberr das...."

 

"Schweig!" wie ein scharfes Schwert schnitt dieses Wort den Einwand des Jungen ab.

"Es ist schon Beleidigung genug fuerr unserre Goetterr, Dich in diesen heiligen Hallen zu sehen, also errweise ihnen zumindest den noetigen Rrespekt, in dem Du Deine Zunge im Zaum haelst," fuegte Kodukan mit gefaehrlich klingender Stimme hinzu.

 

Sheppard wandte sich ueberrascht zu dem Jungen um und fing dessen eindringlich flehenden Blick auf. Irgendetwas an diesem Test schien in helle Aufregung versetzt zu haben. Auch Ronon, Teyla und Rodney schauten sich irritiert an. Was war das nur fuer ein obskurer Test?

 

"Und was muesste ich dabei tun?" wollte John daraufhin wissen, wobei er gleichzeitig zu verstehen gab, dass, wenn ueberhaupt einer von ihnen sich dieser Pruefung unterwerfen wuerde, er derjenige sein wuerde.  

 

"Oh, das ist einfach," meinte der Hohepriester, "...Du musst lediglich Deine Hand in diese Lade legen," und zeigte dabei auf den Kasten, den sie mitgebracht hatten.

 

"Und was dann?" Sheppards Stimme hatte einen leicht genervten Unterton angenommen. Er hasste es, dem Mann jedes Detail einzeln aus der Nase ziehen zu muessen.

 

"Das erklaere ich Dir, sobald Du es getan hast," entgegnete dieser hintergruendig.

 

"Ich nehme mal nicht an, dass es eine Alternative gibt, oder?" hakte McKay mit einem nervoesen Blick auf den Holzkasten nach. 

 

"Natuerrlich gibt es die, Rrodney McKay," erwiderte Kodukan kalt laechelnd. "Die Alterrnative waerre, dass Ihrr unverrrichteterr Dinge wiederr von dannen ziehen muesstet. Allerrdings wuerrden wir in diesem Fall den Verraeterr hierrbehalten und ihm seine gerrechte Strrafe zuteil werrden lassen. So will es das Gesetz derr Goetterr."

 

Sheppard war sich sicher, dass dieses Gesetz genau in dem Moment, in dem er es ausgesprochen hatte, entstanden war. Dennoch konnte er sich einer perfiden Bewunderung fuer den Alten nicht erwehren. Er war schlau, das musste man ihm lassen. Er hatte schnell erkannt, dass sie Mulak nie in dessen Haenden zuruecklassen wuerden.

John liess den Blick ueber sein Team wandern, das ihn verunsichert anschaute. Er spuerte foermlich, wie sich Ronons Koerper immer mehr anspannte. Doch sollte eine gewaltsame Flucht jemals eine Option gewesen sein, sich aus dieser Lage zu befreien, so wurde diese spaetestens jetzt zunichte gemacht, als er bemerkte, wie etwa zwanzig mit Speeren bewaffnete Wachen im Eingangsbereich Aufstellung nahmen.

Fast unmerklich schuettelte John den Kopf und sah seine Freunde eindringlich an, nichts Unueberlegtes zu tun.

 

"Na schoen," sagte er daraufhin, "... ich werde diesen Test machen."

 

Kodukan gab dem Priester mit dem Kasten einen Wink, dieser trat vor und oeffnete eine Klappe auf der Oberseite. Dann hielt er Sheppard die Kiste entgegen. Zoegerlich ging John auf den Mann zu, und mit einem letzten unsicheren Blick in Richtung seiner Freunde steckte er die Hand in die Oeffnung.

Zunaechst fuehlte er nichts. Doch dann beruehrte etwas sacht seine Finger und im naechsten Moment durchfuhr ihn ein scharfer, stechender Schmerz, als sich etwas einem spitzen Dolch gleich in seinen Handruecken bohrte.

 

"Ahhh! Verdammt!"

Reflexartig zog er seine Hand wieder aus der Lade und blickte irritiert auf den feinen Blutstropfen, der oberhalb seiner Mittelhandknochen herausquoll. Die Einstichstelle brannte wie Feuer.

"Was zum Teufel war das?" herrschte er den Priester an. Dieser laechelte nur kurz selbstzufrieden und erklaerte dann, ohne wirklich auf dessen Frage einzugehen:

 

"Jetzt, John Shepparrd, beginnt derr eigentliche Teil Deinerr Prruefung. Solltest Du die naechsten 24 Stunden ueberrleben, haben Dich die Goetterr als wuerrdig errachtet, und Dirr wirrd es errlaubt sein, einen Blick auf die geheime Karrte zu werfen."

 

John glaubte regelrecht zu spueren, wie sich das Gift des Wesens, das ihn gestochen hatte, rasendschnell in seinem Koerper ausbreitete. Ein Kribbeln wie tausend kleine Ameisen rann durch seine Gefaesse und er hoerte das Blut in seinen Ohren rauschen. Sein Herz schlug schmerzhaft schnell in seiner Brust, und noch waehrend Kodukan die letzten Worte sprach, verengte sich sein Gesichtsfeld. Es war, als fielen bedrohlich schwarze Schatten aus allen Richtungen gleichzeitig ueber ihn her. Ihm blieb ein letzter Blick in die schockierten Gesichter seiner Gefaehrten, bevor er bewusstlos zusammenbrach. Er spuerte schon nicht mehr, wie er auf dem Boden aufschlug.

 

Die drei Atlanter und Mulak beobachteten fassungslos das Geschehen, das sich innerhalb von nur wenigen Sekunden vor ihren Augen abspielte.

 

"Was hast Du Ihm angetan, Du verdammter Hundesohn?" knurrte Ronon und wollte sich auf den Priester stuerzen, doch Teyla hielt ihn zurueck.

 

"Ronon! Nicht!" bat sie ihn eindringlich und hatte dabei alle Muehe, den vor Zorn bebenden Satedaner zurueckzuhalten. Rodney hingegen war mit zwei schnellen Schritten bei dem Colonel und fuehlte dessen Puls. Halbwegs erleichtert stellte er fest, dass dieser kraeftig und regelmaessig war, wenn auch etwas zu schnell. Er schaute zu dem Priester hoch und presste nicht weniger wuetend hervor:

 

"Du hast gewusst, dass das passieren wuerde. Was in aller Welt hat ihn da gestochen?"

 

"Natuerrlich, Rrodney McKay. Derr Stich des Olu'Drran, was soviel bedeutet wie "Goettlicherr Prrueferr" ist ein Bestandteil des Testes," erwiderte dieser mit einem fast haemischen Laecheln. "Meine Wachen werrden Euch nun zu einerr Unterrkunft brringen, in derr Ihrr bis morrgen verweilen koennt. Dann werrden wirr weiterrsehen."

Mit diesen Worten wandte er sich um und verliess zusammen mit den anderen Priestern die Halle.

 

Hilflos sahen ihm Rodney und die anderen hinterher. Dann trat eine der Wachen an sie heran und bedeutete ihnen, ihm zu folgen.

Ronon zog seinen bewusstloesen Freund hoch und legte ihn sich kurzerhand ueber die rechte Schulter. Der Wachmann fuehrte sie in einen Anbau des Tempels, der lediglich aus zwei nahezu quadratischen Raeumen mit meheren Liegen darin bestand. Durch einige kleine in Kopfhoehe eingelassene Oeffnungen fielen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Eine Tuer, die man haette abschliessen koennen, gab es nicht. Doch an eine Flucht dachte in diesem Moment ohnehin keiner von ihnen, zumal zwei Wachposten vor dem Eingang Stellung bezogen hatten.

Im Augenblick sorgten sie sich nur um Sheppard, dessen Zustand sich offensichtlich zusehends verschlechterte. Am Anfang hatten sie noch geglaubt, dass er lediglich das Bewusstsein verloren hatte, doch nun begann sein Koerper zu zittern und seine Augaepfel bewegten sich unruhig hinter seinen geschlossenen Lidern. Ausserdem bekam er Fieber, wie Teyla besorgt feststellen musste, als sie ihm die Hand auf die Stirn legte.

 

"Er braucht Fluessigkeit. Hat einer von Euch noch Wasser?" fragte sie.

 

McKay reichte ihr seine halbvolle Feldflasche, und Teyla versuchte behutsam, dem Colonel ein paar Tropfen einzufloessen.

 

"Das wird nicht reichen," meinte sie wenig spaeter mit leicht zitternder Stimme. "Sein Fieber steigt zu schnell an. Ich brauche mehr Wasser, um ihn zu kuehlen und damit das Fieber zu senken."

 

Rodney sah sie fuer einen Moment stumm an, dann nickte er und rief in Richtung der Wachen:

 

"Hey, Ihr da draussen!"

 

Nur Sekunden spaeter erschien einer der Maenner im Eingang und sah ihn fragend an.

 

"Haettet Ihr wohl die Guete, uns wenigstens etwas Wasser fuer unseren Freund zu bringen?" erkundigte er sich herausfordernd.

 

"Fuerr Euerr Wohl wirrd soeben gesorrgt," entgegnete der Wachmann, und fuer einen Augenblick glaubte Rodney auf dessen Gesicht einen Ausdruck aus ehrlicher Anteilnahme, aber auch Trauer ablesen zu koennen, bevor er sich wieder auf seinen Posten vor dem Eingang zurueckzog.

Und tatsaechlich betraten nach ein paar Minuten zwei Einheimische ihre Unterkunft. Der eine trug ein hoelzernes Tablett mit Fruechten, der andere einen grossen Krug mit Wasser. Beides stellten sie in der Mitte des Raumes ab und verschwanden ohne ein Wort wieder.

Sofort begann Teyla damit, mit ihren Messer ein paar Stoffbahnen aus einer der Liegen herauszutrennen. Diese traenkte sie in dem Wasser und verteilte sie auf der Stirn und den Waden des Colonels. Mehr konnte sie im Moment nicht tun. Ein Ausdruck tiefer Besorgnis umwoelbte ihr Gesicht, als sie auf den vor Fieberschueben geschuettelten Koerper ihres Freundes hinab sah. Selbst auf die Entfernung fuehlte sie foermlich die Hitze, die von ihm ausging.

 

Inzwischen war es Nacht geworden und nur der diffuse Schein der beiden Monde, der durch die kleinen Fensteroeffnungen fiel, erhellte ihr Quartier ein wenig. Ronon, der die ganze Zeit ueber nur stumm dagestanden hatte, wandte sich nun an Mulak.

 

"Du hast es gewusst, nicht wahr?" fragte er mit muehevoll unterdrueckter Wut in der Stimme. "Du hast gewusst, was passieren wuerde?

 

"Ja... nein... ich wusste es nicht dirrekt," erwiderte dieser verunsichert. "Die Prriesterr verlangen diesen Test nicht sehrr oft. Und immerr wenn sie es taten, wurrde ich hinaus geschickt. Das Einzige, was ich weiss, ist, dass noch nie jemand diese Prruefung ueberrlebt hat... " schloss er mit einem Seufzen ab.

 

"Und warum hast Du dann, verdammt nochmal, nichts gesagt?" schrie er den Jungen an.

 

"Ronon! Lassen Sie es gut sein!" mischte McKay sich ein. "Das hilft jetzt auch nichts mehr. Viel wichtiger ist doch... gibt es ein Heilmittel gegen das Gift von dem Vieh, das ihn gestochen hat?"

Hoffnungsvoll sah er den Jungen an. Doch bevor dieser antworten konnte, unterbrach ein lautes Aufstoehnen die Stille. Ronon, Teyla und Rodney fuhren entsetzt herum und sahen, wie sich Sheppards Koerper erst schmerzerfuellt aufbaeumte und dann wieder regungslos in sich zusammensackte.  

Sofort war Teyla bei ihm, fuehlte seinen Puls und ueberpruefte die Atmung.

 

"Es geht ihm immer schlechter. Wenn wir nicht bald etwas tun, ueberlebt er noch nicht einmal die Nacht."

 

"Ok, Mulak, gibt es..." McKay hatte sich bei diesen Worten wieder umgedreht, musste nun aber ueberrascht feststellen, dass der Eingeborene nicht mehr da war.

"Was...? Wo ist er? Wie ist er hier rausgekommen?

 

"Oh, dieser kleine Bastard!" fluchte Ronon. "Wenn ich den in die Finger bekomme..."

 

Rodney hingegen schuettelte nur traurig den Kopf. Das hatte er nicht erwartet, nicht nach all dem, was John Sheppard fuer den Jungen getan hatte.

Doch fuer den Moment war es muessig, sich darueber Gedanken zu machen. Sie konnten nichts anderes tun als zu warten und zu hoffen, dass der Colonel stark genug sein wuerde.

 

Sie beschlossen, sich die Nacht ueber in der Ueberwachung ihres Freundes abzuwechseln, so dass der Rest wenigstens ein paar Stunden Ruhe bekommen wuerde.

 

McKay wollte Teyla gerade abloesen, nachdem er in den letzten Stunden vergeblich versucht hatte, etwas zu schlafen, als sie beide ein Geraeusch aus Richtung des Fensters hoerten. Ploetzlich sahen sie gegen den schwachen Schein der Monde, wie in der Oeffnung eine Gestalt erschien.

Es war Mulak, der sich durch den kleinen Durchlass hindurchzwaengte. Nun wussten sie auch, wie er zuvor verschwinden konnte.

 

"Wo zum Teufel hast Du gesteckt?" fauchte der Kanadier ihn an.

 

"Ich habe Medizin besorrgt," antwortete dieser eifrig und hielt Rodney einen Zweig mit Beeren entgegen. "Der Vaterr meines Vaterrs war ein Heiler. Err erzaehlte mirr einmal von diesen Frruechten, die an derr Stadtmauerr gedeihen. Rroh verrzehrrt bedeuten sie den Tod, aberr wenn man einen Sud aus dem Saft verrmischt mit Wasserr herrstellt, soll dieserr eine Vielzahl von Giften bekaempfen. Ich hoffe, dass wirr ihm damit helfen koennen."

 

Fuer einen Augenblick schauten Teyla und Rodney verwundert auf den Zweig, den ihnen der Eingeborene entgegen hielt. Sie mussten sich eingestehen, dass sie wohl etwas vorschnell ueber Mulak geurteilt hatten. Dass er nicht, wie sie vermutet hatten, das Weite gesucht hatte, sondern stattdessen ein nicht geringes Risiko eingegangen war, um diese Beeren zu besorgen.

 

"Du bist Dir hoffentlich sicher, was die Wirkung dieser Fruechte angeht... " meinte Ronon, der inzwischen ebenfalls erwacht war, skeptisch. "Denn wenn nicht...!" er liess seine Drohung unvollendet im Raum stehen, denn er wusste, dass sein Gegenueber es verstanden hatte.

 

"Ich denke, uns bleibt gar keine andere Moeglichkeit, als es auszuprobieren," meinte Teyla leise und sah zu John hinueber. Sie hatten ihm mittlerweile auch das Hemd ausgezogen, um seinem Koerper etwas Kuehlung zu verschaffen. Doch selbst im fahlen Licht der Nacht konnte man erkennen, wie seine Brust im Fieberschweiss glaenzte. Seine Atmung ging flach und stossweise. Und immer wieder durchlief ein Zittern seinen gestressten Koerper.

 

Die Athosianerin nahm Mulak den Zweig ab und begann die Beeren herunter zu pfluecken. Dann wickelte sie diese in ein Stueck Stoff und presste sie aus. Den gewonnenen Saft, der durch das Tuch auch gleich ein wenig gefiltert wurde, liess sie in Rodneys Feldflasche troepfeln.

McKay hatte sich unterdessen in den hinteren Raum zurueckgezogen, wo er hoffte, dass das kleine Feuer, dass er entzuenden wollte, nicht so sehr auffallen wuerde. Der junge Eingeborene war ihm gefolgt und beobachtete neugierig, wie der Kanadier kurzerhand die Beine von einer der Liegen abbrach, um diese als Brennmaterial zu nutzen.

Rodney nahm sein Feuerzeug aus der Weste und liess es aufflammen. Er bemerkte nicht, wie Mulak erschrocken zurueckwich.

In dem blassen Zwielicht sah es fuer den Eingeborenen so aus, als haette seine Hand Feuer gefangen.

Der Kanadier seufzte kurz genervt auf, als er bemerkte, dass die Flamme wieder verloschen war und entzuendete sie erneut. Doch kurz darauf erlosch sie abermals.

 

"Nun komm schon, du Mistding! Gib jetzt ja nicht Deinen Geist auf!" murmelte er und schuettelte das Feuerzeug ein paar Mal, bevor er es wieder entzuendete. Aber auch jetzt hielt der Zauber nur fuer wenige Sekunden.

"Das gibt es doch nicht!"

Er schuettelte es noch einmal und wagte einen neuen Versuch, doch diesmal schaute er dabei zufaellig in Mulaks Richtung. Und seine Augen weiteten sich vor fassungsloser Verblueffung, als er sah, wie der Junge die Flamme, kurz nachdem er sie entzuendet hatte, wieder ausblies.

 

"Hey, bist Du irre? Was soll das?" fragte er entgeistert.

 

"Deine... Deine... Hand! Sie brrennt!" erwiderte der Junge verunsichert.

 

"Was?"

Unglaeubig starrte Rodney ihn an. Was zum Teufel sollte das bedeuten?

Doch dann begann er langsam zu begreifen und er konnte nicht umhin, Mulak ein wenig schadenfroh anzugrinsen, aber er setzte erklaerend hinzu:

 

"Nein, Du Dummkopf! Das ist ein Feuerzeug. Wir benutzen es, um Feuer zu machen. Siehst Du...?" und entzuendete es erneut, wobei er sofort seine andere Hand schuetzend vor die Flamme hielt. "Das ist nur das kleine Ding hier, das brennt. Nicht meine Hand! Alles klar? Darf ich jetzt endlich weitermachen?"

 

Mulak schien noch nicht so recht ueberzeugt zu sein, doch er unterliess jetzt weitere Loeschversuche seinerseits und beschraenkte sich darauf, Rodneys Tun wachsam zu beobachten.

Wenige Minuten spaeter erhellte ein nettes, kleines Feuer den Raum. Teyla brachte den ausgepressten Saft der Beeren, den sie mit etwas Wasser aus dem Krug verduennt hatte.

Vorsichtig erhitzten sie das Gebraeu, bis der Dampf ihnen zeigte, dass es kochte. Ein seltsam saeuerlicher Geruch breitete sich in ihrer Unterkunft aus und McKay verzog angewidert das Gesicht.

 

"Ich kann fuer Sheppard nur hoffen, dass es besser schmeckt als es riecht," meinte er.

 

Als der Sud soweit abgekuehlt war, dass man ihn trinken konnte, setzte sich Teyla an das obere Ende von Johns Liege, hob seinen Kopf auf ihren Oberschenkel und begann damit, ihm den uebelriechenden Saft einzufloessen. Als sie fertig war, stand sie auf und sagte mit unsicherer Stimme:

 

"Jetzt koennen wir wohl nur noch abwarten und hoffen, dass es wirkt."

 

~~~

Nur sehr widerwillig gab der zaehe, schwarze Sumpf der Bewusstlosigkeit seinen Geist wieder frei, doch nach einigen qualvollen Minuten des Kampfes erwachte John Sheppard langsam.

Und das Erste, das er bewusst wahrnahm, war der wirklich ekelerregende Geschmack, der seinen ganzen Mundraum einschliesslich des Rachens einzunehmen schien. Er versuchte krampfhaft zu schlucken, um dieses Empfinden loszuwerden, doch ungluecklicherweise war sein Mund derart ausgedoerrt, dass ihm das nicht gelingen wollte.

Das naechste, was er registrierte, war das Dreohnen in seinem Kopf. Es fuehlte sich an, als waere dort eine Hundertschaft von Bauarbeitern mit ihren Presslufthammern am Werke, die offensichtlich versuchten auch noch die letzten Erinnerungen an das, was geschehen war, zu zerstoeren.

Er wollte seine rechte Hand heben, um sich damit ueber die Augen zu fahren, aber merkwuerdigerweise spuerte er diese nicht. Sie war wie betaeubt.

Was zum Teufel war nur mit ihm los?

Und als er endlich die Kraft fand, seine Augen einen Spaltbreit zu oeffnen und den Blick auf seine Hand zu richten, bemerkte er erschrocken, dass diese entzuendlich rot angeschwollen war. Zudem sah er eine kleine, schon verschorfte Verletzung, von der der Entzuendungsherd ausging.

Auf einmal keimte eine Erinnerung in seinem Bewusstsein auf. Eine Erinnerung an einen Stich. Und Schmerz. Und wo eben noch die gaehnende Leere eines schwarzen Loches geherrscht hatte, stroemten jetzt mit beangstigender Intensitaet die Erinnerungen auf ihn ein. Eine Stadt am Fluss, ein Mann in einem flammend roten Gewand, eine Holzkiste... der Test! Ploetzlich war alles wieder da.

 

Dieser verschlagende Hohepriester hatte ihn praktisch zu dieser ominoesen Pruefung gezwungen, indem er gedroht hatte, Mulak zu toeten. Denn nichts anderes hatte seine Aussage, dem Jungen seine gerechte Strafe zuteil werden zu lassen, beinhaltet.

Abermals sah er das selbstzufriedene Laecheln des Priesters vor seinem geistigen Auge, nachdem ihn dieses Vieh in der Kiste gestochen hatte. Doch soweit er sich erinnerte, hatte Kodukan auch gesagt, dass er den Test bestanden haette, sollte er die naechsten 24 Stunden ueberleben.

Aber hatte er das? Hatte er ueberlebt? Und auch wenn er sich ziemlich sicher war, dass sich wirkliches Leben anders anfuehlte, so atmete er doch in diesem Moment und auch sein Herz schlug noch in seiner Brust. Also konnte er wohl davon ausgehen, dass er nicht in einem obskuren Totenreich weilte, sondern sich noch immer unter den Lebenden befand.

Aber wieso war es dann so entsetzlich still hier?

Er versuchte, sich aufzurichten, doch ein gewisser Druck auf seiner linken Schulter und auf seinen Beinen verhinderte das seltsamerweise.

Er oeffnete seine Augen ein wenig mehr und erkannte, dass McKay am Fussende seiner Liege am Boden, den Oberkoerper ueber seine Beine gebettet, sass und schlief. Den Druck auf seine Schulter hingegen verursachte Teyla, die in ganz aehnlicher Position da lag.

Ronon und Mulak schliefen auf dem Boden direkt neben ihm.

John blinzelte verwundert, als er auf seine schlafenden Freunde sah, die sich mehr oder weniger um ihn gescharrt hatten. Dem hellen Sonnenschein nach zu urteilen, der durch die Tuer- und Fensteroeffnungen fiel, musste es schon fast Mittag sein.

Wieso war denn noch keiner von ihnen wach?

 

"Ha..hallo?!"

Seine Stimme war nicht mehr als ein gefluestertes Kraechzen. Und als niemand darauf reagierte, versuchte er es etwas lauter. Doch dass dies keine seiner besten Ideen gewesen war, bemerkte er schnell, als ihn daraufhin ein heftiger Hustenanfall durchschuettelte. Das einzig Positive an dieser Aktion war wohl, dass seine Freunde ploetzlich hellwach waren.

 

"Oh, Colonel... Sie sind wach!" hoerte er Teyla neben sich rufen. "Das... das ist..." anscheinend fehlten ihr die Worte. Doch das holte McKay jetzt schnellstens nach.

 

"Sheppard... du meine Guete... wir haben wirklich geglaubt, wir haetten Sie verloren. Aber dann kam Mulak mit den Beeren... dieser verdammte Sud hat wohl tatsaechlich geholfen, auch wenn ich ein wenig Probleme beim Feuermachen hatte.... unser junger Freund hatte naemlich keine Ahnung, was ein Feuerzeug ist, und..."

 

"Rodney!" fluesterte John heiser.

 

"Was...? Oh ja, sicher.... wie geht es Ihnen ueberhaupt?"

 

"Weiss nicht... mein Hals...trocken....Wasser...." kraechzte Sheppard kaum verstaendlich.

 

Ronon, der ihn bis jetzt nur erleichtert grinsend angestarrt hatte, drehte sich um und kam wenige Sekunden spaeter mit dem Krug zurueck, den er John entgegenhielt.

 

"Was soll das werden?" fragte McKay kopfschuettelnd. "Soll er daraus etwa trinken? Geben Sie schon her!"

Er griff sich den Krug, fuellte die Feldflasche wieder auf und reichte sie John.

Dieser trank gierig ein paar Schlucke, verzog dann aber angewidert das Gesicht und fragte irritiert:

 

"Was ist das?"

 

"Oh, da muss wohl noch etwas von dem Gebraeu drin gewesen sein," meinte Rodney mit einem schiefen Grinsen. "Anscheinend schmeckt es tatsaechlich noch schlechter als es riecht..."

 

"Was fuer ein Gebraeu?" hakte Sheppard misstrauisch nach. Auch wenn diese Fluessigkeit widerlich geschmeckt hatte, so hatte sie zumindest dazu beigetragen, seine Stimme wieder ihren Dienst aufnehmen zu lassen.

 

Daraufhin berichteten sie ihm abwechselnd, was sich seit seinem Zusammenbruch zugetragen hatte. Als sie fertig waren, sah John sie fast ein wenig unglaeubig an.

Er haette nie geahnt, dass es so knapp gewesen war. Wieso nur hatten es all diese beissenden und stechenden Kreaturen dieser Galaxis immer auf ihn abgesehen?

Dann blieb sein Blick an dem Eingeborenen haengen.

 

"Somit habe ich Dir wohl mein Leben zu verdanken," meinte er ernst.

Doch Mulak, dem diese Aufmerksamkeit sichtlich unangenehm war, laechelte ihn nur kurz an und schaute dann verlegen auf den Boden.

 

"Ok, Leute, dann waeren da jetzt nur noch zwei Dinge, bevor wir Kodukan einen erneuten Besuch abstatten... Erstens, gibt es noch irgendetwas zu essen? Ich verhungere! ... und zweitens, wer von Euch hat sich mein Hemd unter den Nagel gerissen?" fragte er scherzhaft, denn ihm war gerade klar geworden, warum es ihm eigentlich schon die ganze Zeit so froestelte. Und ausserdem schickte es sich wohl nicht, halbnackt in einem Tempel zu erscheinen.

Erleichtert grinsend, dass es dem Colonel tatsaechlich wieder gut ging, beeilten sich seine Freunde, seinen Wuenschen nachzukommen. Teyla brachte ihm sein Shirt, und Rodney reichte ihm das Tablett mit den Fruechten, allerdings nicht ohne selbst noch einmal zugegriffen zu haben. Nun, nachdem die Sorgen fuer den Moment ueberwunden waren, meldete sich auch sein Appetit in gewohnter Weise zurueck.

 

Als sie sich alle etwas gestaerkt und frisch gemacht hatten, rief McKay nach den Wachen, dass sie nun bereit waeren, wieder vor den Hohepriester zu treten.

Die Wache, die sie schon am Abend zuvor in ihr Quartier gebracht hatte, starrte Sheppard an, als wuerde er einen Geist sehen. Und vermutlich dachte er auch genau etwas in dieser Art, nach allem, was Mulak ihnen ueber die Ueberlebensrate dieser Pruefung erzaehlt hatte.

Und John grinste ihn ueberschwenglich an, als sie die Unterkunft in Richtung Tempel verliessen.

 

"Ein wunderschoener Tag heute, nicht wahr?"

Doch der Mann antwortete nicht, sondern starrte ihn nur weiter fassungslos an.

 

Aber als sie nur wenig spaeter den Tempel betraten, verflog seine Froehlichkeit nur allzu schnell. Denn in dem Moment, als Sheppard in das Gesicht des Hohepriesters schaute und dort nur einen Ausdruck aus grenzenloser Ueberraschung gepaart mit abgrundtiefem Hass entdeckte, wurde ihm bewusst, dass Kodukan niemals damit gerechnet hatte, ihn lebend wiederzusehen. Er ging sogar soweit zu sagen, dass dieser ganze gottverdammte Test nichts weiter war, als das verachtenswerte Vorgehen, sich unangenehmer Bittsteller zu entledigen. Dieser Mann hatte niemals vorgehabt, sie einen Blick auf diese ominoese Karte werfen zu lassen, dessen war er sich nun sicher.

Doch trotz besseren Wissens sagte er:

 

"Wie Du siehst lebe ich noch. Das bedeutet dann ja wohl soviel wie 'Pruefung bestanden', oder was meinst Du? Wir wuerden dann gerne erfahren, wie wir zu diesem Tor gelangen."

 

Und obwohl sich der Priester wieder sehr schnell unter Kontrolle gehabt hatte, merkte man ihm nur zu deutlich an, wie es noch immer unter der Oberflaeche brodelte. Und John konnte foermlich sehen, wie es hinter dessen Stirn arbeitete.

tbc

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