chayiana (chayiana) wrote,
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Soechen, da eine ganz liebe Freundin (yup, du bist gemeint, Sandra!! *gg*)  von mir sich unbedingt meine FF durchlesen will, werde ich doch mal schnell die restliche Teile posten... ;o)


Hier also der 3. Teil meiner FF "Deathtraps"...


Eine knappe halbe Stunde spaeter waren sie wieder aufgebrochen und marschierten weiter am Ufer entlang. Doch blieben sie jetzt naeher zusammen und schauten immer wieder wachsam in den Himmel, aber die vogelaehnlichen Geschoepfe liessen sich nicht mehr blicken.

'Vielleicht kommen sie auch immer nur kurz vor der Daemmerung heraus?' ueberlegte Sheppard im Stillen.

 

Gegen Mittag, sofern sie das nach ihrem eingeschraenkten Zeitgefuehl sagen konnten, machten sie eine kurze Rast. Gesprochen wurde wenig, jeder von ihnen hing seinen eigenen mutlosen Gedanken nach.

 

Bis zum Nachmittag hatte sich das Aussehen ihrer Umgebung nur wenig geaendert, allerdings konnten sie nun in der Ferne, fast vollstaendig von tiefhaengenden Wolken verdeckt, ein maechtiges Gebirge ausmachen, das sich ueber den gesamten Horizont zu erstrecken schien. 

 

"Ich bezweifele langsam, dass wir hier ueberhaupt auf irgendwelche Menschen oder wenigstens menschenaehnliche Wesen stossen werden," meinte McKay duester. "Wir sind hier ganz alleine... allein mit vielen fuerchterlichen Monstern, die alle nur das Eine im Sinn haben... uns zu fressen!"

 

"Ach ja? Und was ist dann das da vorne?" fragte Ronon unvermittelt und zeigte auf eine Rauchsaeule, die sich etwa einen Kilometer vor ihnen in den Himmel schraubte.

 

"Sehen Sie, Rodney? Wir sind doch nicht alleine... zumindest sieht es ganz danach aus, als wenn dort schon jemand das Abendessen vorbereitet. Und da dieser Jemand ja nicht wissen kann, dass wir kommen, stehen wir sicherlich auch nicht auf seinem Speiseplan," meinte Sheppard leicht ironisch. "Sie und Ihre ewige Schwarzmalerei!" fuegte er dann noch schmunzelnd hinzu und klopfte seinem Freund freundschaftlich auf die Schulter.

Aufgemuntert, durch den Gedanken an ein Abendessen mit Menschen, die ihnen womoeglich auch noch helfen konnten, laechelte McKay zurueck.

 

Schon bald konnten sie vor sich ein Dorf ausmachen. Es war umgeben von einem hohen Schutzwall aus Baumstaemmen, dessen oberer Rand in einer Reihe von spitz zulaufenden Aesten endete, vermutlich als Verteidigungsmassnahme gegen diese Voegel.

 

"Wir sollten uns das vielleicht besser erstmal von dort oben anschauen," meinte Teyla umsichtig und zeigte auf einen seichten mit dichten Straeuchern bewachsenen Huegel zu ihrer Linken, der sich etwa fuenfzig Meter vor dem eigentlichen Eingang in die Siedlung erhob.

John murmelte leise etwas von Schwarzseherei, doch dann musste auch er zugeben, dass es wohl wirklich das Beste war, sich erstmal einen Ueberblick zu verschaffen. Vor allem, wenn man bedachte, auf was fuer abstruse Gefahren sie hier schon gestossen waren.

Und so erklommen sie die kleine Erhebung und beobachteten, hinter Bueschen versteckt, das Treiben im Dorf. Nun konnten sie auch erkennen, dass die primitiven Behausungen ebenfalls aus aufrecht nebeneinander stehenden Holzstaemmen gefertigt worden waren, die Daecher hingegen bestanden aus mehreren Lagen riesiger Farnwedel oder aehnlichem, waren aber ebenfalls mit diesen dolchartigen Aesten bestueckt.

 

Die Einheimischen an sich waren menschenaehnlich. Sie waren allesamt von kleinerer Statur und trugen lediglich einen Lendenschurz aus Tierhaeuten. Ihr Koerper mit den schmalen, sehnigen Armen und Beinen war von einer dunkelbraunen, ledrigen Haut ueberzogen, die, je nachdem wie das Licht darauf fiel, gruenlich oder blaeulich schimmerte. Aehnliches galt auch fuer ihre haarlosen Koepfe und Gesichter, die ebenfalls menschlich aussahen, wenn man mal von der merkwuerdigen Hornplatte an ihrem Kinn absah. Wie ein abgeflachter Zylinder sass sie direkt unterhalb des Mundes. Und keiner von ihnen konnte sich zu diesem Zeitpunkt auch nur annaehrend ihre Funktion erklaeren, sofern sie denn ueberhaupt eine hatte.

 

Etwa dreissig oder vierzig dieser Dorfbewohner hatten sich nun um einen Mann versammelt, der im Gegensatz zu den anderen ein Cape aus Tierfell trug und zudem noch mit einer Reihe von Ketten um Hals, Hand- und Fussgelenken behaengt war. Die Elemente dieser Ketten erinnerten verdaechtig an Tierknochen oder Zaehne. Wahrscheinlich handelte es sich hierbei um den Dorfaeltesten oder einen Schamanen. In seinem Ruecken loderte ein grosses Feuer, dessen Rauch sie zuvor wahrgenommen hatten. Und neben ihm befand sich eine Grube, deren Grund irgendwie verschwommen wirkte, gerade so, als wuerde er in staendiger Bewegung sein.

 

In diesem Moment hob dieser Schamane die Arme in Richtung Himmel und stimmte einen monotonen, gutturalen Gesang an. Fast wie in Ekstase wiegte er seinen Koerper dabei hin und her, waehrend er seinen seltsamen Singsang immer lauter werden liess. Nun stimmten auch die Umstehenden in den Gesang mit ein, zuerst nur leise murmelnd, doch bald schwoll auch dieser immer mehr an.

 

"Du meine Guete! Was haben die vor?" fragte Teyla verwirrt.

 

Sie reichte ihr Fernglas, durch das sie das Geschehen auf dem Dorfplatz beobachtet hatte, an Sheppard weiter.

Als er hindurch schaute, sah er, wie gerade zwei der Bewohner ein ziegenartiges Tier, dessen Beine mit Lianen zusammengebunden waren, herbei trugen und dann in die eigenartige Grube warfen. Der Gesang, der sich bis zu diesem Zeitpunkt immer weiter gesteigert hatte, verstummte schlagartig. Alle starrten gebannt auf die Mulde.

Ploetzlich begann es in ihr zu wimmeln. Hunderte von duennen, schleimigen Tentakeln reckten sich empor, ergriffen das Tier, das jetzt erbaermlich jammernde Laute ausstiess, und zogen es in den Schlund. Nur wenige Augenblicke spaeter spuckte das Etwas in der Grube die Lianen, mit denen das Geschoepf gefesselt gewesen war, wieder aus.

Scheinbar mochte dieses ekelerregende Wesen keine Gemuesebeilage.

 

John nahm das Fernglas von den Augen und verzog angewidert das Gesicht, als Rodney ihn unvermittelt anstiess und aufgeregt fluesterte:

 

"Sheppard, sehen Sie doch!"

 

Und dieser zuckte zusammen, als er sah, dass die Dorfbewohner jetzt einen sich heftig wehrenden Mann, der ebenfalls an Haenden und Fuessen gefesselt war, auf das Loch zuschleiften.

 

"Ich fuerchte, das eben war wohl nur die Vorspeise. Und dieser da soll nun der Hauptgang werden," wisperte er ahnungsvoll, dann sprang er ploetzlich auf und meinte:

 

"Wir werden ihn retten!" und erntete daraufhin drei erstaunte Gesichter.

 

"Meinen Sie, dass das eine so gute Idee ist?" erwiderte McKay zweifelnd. "Ich moechte eigentlich nicht als Nachtisch enden."

 

"Ueberlegen Sie doch mal... wenn wir dem Jungen da unten das Leben retten, ist er uns hoffentlich so dankbar, dass er uns ein paar Informationen ueber diese Welt gibt und uns bestenfalls sogar als Fuehrer dient," ueberlegte Sheppard laut. "Und ausserdem, egal, was der arme Teufel getan hat, ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand ein solches Schicksal verdient hat. Sie etwa?" fuegte er hinzu und sah Rodney eindringlich an.

 

Ronon und Teyla nickten bestaetigend und nach einer kurzen Bedenkzeit tat es ihnen McKay nach, obwohl sein Blick dabei skeptisch blieb.

 

"Und was hatten Sie geplant?" fragte Ronon.

 

"Nun, ich dachte, dass der Rums einer Handgranate bei denen da unten fuer ausreichend Verwirrung sorgen sollte. Ausserdem koennen wir zusaetzlich ein paar Patronen ins Feuer werfen, das knallt ganz ordentlich und erschreckt sie hoffentlich so sehr, dass sie uns nicht allzu viel Gegenwehr liefern werden. Und in dem allgemeinen Chaos schnappen wir uns dann den Mann und verschwinden wieder."

 

"Ein bisschen Gegenwehr wuerde aber vielleicht auch schon reichen, um Ihren schoenen Plan zunichte zu machen," gab McKay aengstlich zu bedenken.

 

"Ach, Rodney, nun seien Sie mal nicht so pessimistisch," erwiderte Sheppard. "Also, Sie und Teyla schnappen sich den Gefangenen, waehrend Ronon und ich uns um die Ablenkung kuemmern. Alles klar?"

 

"Wir sollten uns beeilen," warf Teyla ein und zeigte auf die Meute, die wieder angefangen hatte zu singen. Und wenn man von dem letzten Intervall ausging, blieben ihnen nur noch hoechstens drei Minuten, bis der Mann in die Grube geworfen wurde.

 

Sheppard nahm eines seiner Ersatzmagazine aus der Weste, enfernte blitzschnell die darin enthaltenen Kugeln und reichte Ronon ein paar davon.

"Ach, und noch etwas... ich will keine Toten! Zumindest nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden laesst," sagte er bestimmt und schaute dabei den Satedaner an. "Wir wissen noch viel zu wenig ueber diese Welt und sollten uns deshalb nicht gleich zu Anfang Feinde machen."

Ronon senkte kurz seinen Kopf zum Zeichen, dass er verstanden hatte.

 

"Dann los!"

 

Und gebueckt liefen sie auf das Dorf zu. Sie naeherten sich dem Tor von der Seite, um nicht vorzeitig bemerkt zu werden. Als sie es erreicht hatten, gab Sheppard Teyla und Rodney ein Zeichen, noch einen Moment zu warten, dann schlich er zusammen mit Ronon, die primitiven Huetten als Deckung nutzend, auf den Dorfplatz zu.

Im Schatten der letzten Behausung entfernte John den Splint aus einer der Handgranaten, zaehlte in Gedanken bis drei und warf sie dann auf die gegenueberliegende Seite des Platzes, weit genug von den versammelten Bewohnern entfernt, um keinen von ihnen zu verletzen.

 

Fuer die Einheimischen voellig unerwartet uebertoente ploetzlich die laute Explosion der Granate ihre Gesaenge. Und wie sich das Team erhofft hatte, herrschte nun das totale Chaos. Die Wesen liefen verwirrt und schreiend durcheinander, und tatsaechlich schien keiner von ihnen auf McKay und die Athosianerin zu achten, die auf den gefesselten Mann zurannten.

 

Und auch Sheppard hastete nun mit Ronon an seiner Seite auf die Grube zu. Sie warfen ihre Patronen in die Flammen, und Sekunden spaeter vergroesserte das entstehende Feuerwerk das allgemeine Touwabou noch. Ein zufriedenes Laecheln huschte ueber Johns Gesicht, sein Plan schien tatsaechlich zu funktionieren.

 

Unterdessen kniete der Gefangene zitternd und mit vor Angst geweiteten Augen am Rand der Grube. Entsetzt und verstaendnislos starrte er auf das Geschehen. Er konnte sich nicht erklaeren, was hier passierte. Vorsichtig versuchte er, von der Mulde weg zu robben.

Er konnte in diesem Moment nicht sagen, wovor er sich eigentlich mehr fuerchtete. Davor, doch noch von einem seiner Artgenossen im Vorbeilaufen in das Loch gestossen zu werden, oder vor diesen furchterregenden Fremden in ihrer seltsamen Kleidung, die Luft zum Explodieren brachten und dem Feuer ihren Willen aufzwaengen konnten.

Und auf einmal waren zwei dieser Wesen an seiner Seite, zerschnitten seine Fesseln und nahmen ihn in ihre Mitte. Schockiert und eingeschuechtert liess er sie gewaehren.

 

Ploetzlich schrie die Frau einem der anderen zu:

 

"John! Vorsicht!"

 

Sheppard fuhr herum und bemerkte erschrocken, dass wohl einige der Bewohner ihren anfaenglichen Schock ueberwunden hatten und nun zu Speeren griffen, die Ronons nicht ganz unaehnlich waren. Ohne lange nachzudenken, stuermte er auf die Angreifer zu. Er wich mehreren geworfenen Speeren geschickt aus und schickte einige von den Schuetzen mit gezielten Fausthieben ins Land der Traeume. Ronon hingegen hatte sein Schwert gezogen und schlug nun mit der flachen Seite der Klinge gleichfalls auf sie ein.

Bald schon liess die Gegenwehr nach, anscheinend waren die Einheimischen einsichtig geworden, denn sie zogen sich zurueck. John drehte sich um und registrierte, dass McKay, Teyla und der junge Mann schon fast den Ausgang des Dorfes erreicht hatten. Er gab Ronon ein Zeichen, sich ebenfalls zurueckzuziehen, als er ploetzlich aus den Augenwinkeln eine Gestalt bemerkte, die sich im Schatten einer Huette in der Naehe des Tores aufhielt. Es war der Schamane. Und dieser zielte just in diesem Augenblick mit einem Speer auf das fluechtende Trio.

 

"Rodney! Teyla!" bruellte er warnend, doch es war zu spaet. Der Speer befand sich bereits in der Luft. Entsetzt verfolgte John mit den Augen den Weg, den das Geschoss nahm.

Es flog direkt auf den Kanadier zu, welcher allerdings genau in diesem Moment stolperte, was ihm sicherlich das Leben rettete. Denn statt seinen Ruecken zu durchbohren, streifte der Speer nur dessen linken Arm und blieb dann zitternd im Boden stecken. Rodney schrie vor Schmerz und Ueberraschung auf und drohte nun erst recht das Gleichgewicht zu verlieren. Doch da waren Ronon und John schon heran. Sie nahmen den Wissenschaftler in ihre Mitte und schleiften ihn nicht gerade sanft mit sich fort.

 

"Ich wusste, dass das ein schlechter Plan ist," klagte Rodney mit gequaelter Stimme, waehrend er die Hand auf seinen linken Oberarm presste.

 

"Nicht jetzt, McKay!" knurrte Sheppard, doch dabei schaute er seinen Feund besorgt an.

Eine Menge Blut quoll aus der Wunde unter dessen Handflaeche hervor.

 

Sie hetzten noch einige hundert Meter am Ufer des Flusses entlang, wobei sie immer wieder schnelle Blicke zurueckwarfen, doch offenbar folgten ihnen die Dorfbewohner nicht. Und Sheppard glaubte auch den Grund dafuer zu erkennen, als er am Himmel eine dunkle, wirbelnde Wolke bemerkte, die sich ihnen rasant naeherte.

 

"Schnell! In den Wald!" rief er den anderen auf den Schwarm deutend zu. Sie brachen nach links weg und liefen etliche Schritte in den Wald hinein, bevor sie sich im Schutz dreier eng zusammen stehender Baeume erschoepft auf den Boden fallen liessen. Nur Ronon war stehengeblieben und baute sich nun, sein Schwert in der Hand, vor ihnen auf, um sie im Notfall verteidigen zu koennen. Doch das schien gar nicht noetig, denn weder die Dorfbewohner noch diese vogelartigen Wesen verfolgten sie erfreulicherweise.

 

Der junge Eingeborene hockte, seine Beine fest mit den Armen umklammert, an einem der Baeume und starrte die Fremden verstoert und mit weit aufgerissenen Augen an. Dies mussten wahrhaft maechtige Wesen sein, wenn sie sich mit dem obersten Schamanen seines Dorfes anlegten. Und vor Angst bebend beobachtete er sie. Er fragte sich verzweifelt, was sie mit ihm vorhatten. Aber da er die Antwort nicht wusste, beschloss er, sich vorerst ganz still zu verhalten und ihnen keinen Grund zu liefern, ihn vielleicht doch noch zu toeten.

 

Derweil hatte Teyla damit begonnen, McKays Wunde zu versorgen.

Es war, wie sich bald herausstellte, eine tiefe, haessliche Fleischwunde, die aber zum Glueck nicht lebensbedrohlich war.

 

"Wie geht es Ihnen, Rodney?" erkundigte sich John.

 

"Hervorragend... danke... koennte nicht besser sein..." presste dieser zwischen zusammen gebissenen Zaehnen hervor. "Nett, dass Sie ueberhaupt fragen..." fuegte er voller Zynismus hinzu.

 

"Nun ja, jetzt habe ich ja auch einen Grund dafuer, nicht wahr?" erwiderte Sheppard augenzwinkernd. Dann wandte er sich dem jungen Mann zu, der noch immer zitternd neben ihm sass.

 

"Hallo! Wie geht es Dir? Hast Du einen Namen?" fragte er mit leiser Stimme, um den Jungen nicht noch mehr zu erschrecken, als sie es womoeglich schon getan hatten. Doch dessen Blick flackerte weiter unstetig zwischen ihnen hin und her, und er schwieg beharrlich.

 

"Ok, dann fang ich einfach mal an. Also, ich bin John Sheppard. Das sind Teyla Emmagan und Rodney McKay. Und der Grosse da hoert auf den Namen Ronon Dex," erklaerte er. "Und nun... verraetst Du uns auch Deinen Namen?"

 

Doch ohne auf Johns Namensfrage einzugehen, antwortete er ploetzlich mit kehlig klingender Stimme:

 

"Ihrrr seid Goetterrr!" dabei rollte er das R dermassen stark, dass John ihn im ersten Moment gar nicht verstand und seinen Gegenueber nur verwirrt ansah. Doch als dieser seine Aussage wiederholte, winkte er lachend ab und sagte:

 

"Goetter? Quatsch! Wir sind keine Goetter. Nun ja, McKay hier haelt sich wohl manchmal fuer einen... (ein kurzes, veraechtliches Schnauben erklang in seinem Ruecken)... aber wir sind keine Goetter, hoerst Du? Wir sind lediglich Reisende, die es in Eure... " er machte eine kurze Pause, wobei er sich skeptisch umsah, "... schoene Welt verschlagen hat und die leider den rechten Weg aus den Augen verloren haben. Und wir dachten, nachdem wir Dich ja nun gerettet haben, dass Du uns vielleicht helfen koenntest, ihn wiederzufinden," schloss John ab und sah den Jungen, dem man deutlich seinen inneren Kampf auf dem Gesicht ablesen konnte, aufmunternd an.

 

"Mulak. Mein Name ist Mulak," antwortete der junge Eingeborene nach einer Weile zoegernd. Er war zu dem Entschluss gekommen, dass es momentan fuer ihn das Beste waere, dieses Spiel einfach mitzuspielen. Wenn diese Goetter nicht wollten, dass man sie als solche erkannte, dann sollte ihm das recht sein. Er wusste es schliesslich bessser. Aber was auch immer der Grund fuer ihr Verhalten war, er wollte auf keinen Fall ihren Zorn erregen, indem er ihnen widersprach. Zu tief steckte die Angst in ihm, doch noch getoetet zu werden.

 

"Hey, das ist doch ein Anfang," meinte John laechelnd. "Also, Mulak, hast Du vielleicht Hunger?" fragte er und zog dabei einen Energieriegel aus der Tasche, den er ihm entgegenhielt. Abermals ertoente hinter ihm ein Geraeusch, welches sich jedoch zu einem missbilligenden Seufzen abgeschwaecht hatte. Doch auch das ignorierte John geflissentlich. In diesem Augenblick war es wichtiger, das Vertrauen des Jungen zu erringen, als Rodneys knurrenden Magen zu befriedigen.

Aber Mulak schien nicht auf sein Angebot eingehen zu wollen, denn er ruehrte sich keinen Millimeter. Daraufhin riss Sheppard den Riegel auf, biss selber ein Stueck ab und begann genuesslich zu kauen.

 

"Bist Du sicher, dass Du nicht doch ein Stueck willst? Das ist lecker," versuchte er ihn zu ueberzeugen und brach ein weiteres Stueck ab, das er dem Jungen anbot. Erst sah es so aus, als wenn er auch dieses Mal nicht darauf reagieren wuerde, doch dann schien sein Hunger oder was auch immer, die Angst zu besiegen, denn er griff langsam nach dem Riegel und schob ihn sich vorsichtig in den Mund. Und einen Moment spaeter erschien ein kleines Laecheln auf seinen Lippen.

 

"Siehst Du?" meinte John erleichtert. "Ist doch gut, nicht wahr?."

 

Und nachdem sich die allgemeine Anspannung nun etwas gelegt hatte, kam auch der Rest des Teams naeher und setzte sich zu John und Mulak. Teyla hatte McKays Arm mit einem festen Verband versorgt, und bis auf die leichte Blaesse in seinem Gesicht schien es ihm wieder recht gut zu gehen, wenn man mal von dem wehleidigen und vor Selbstmitleid triefenden Gesichtsausdruck, den er zur Schau stellte, absah.

 

Inzwischen war es Nacht geworden. Doch bevor sie es riskierten, ein Feuer zu entfachen, wollte Sheppard noch etwas wissen.

 

"Hoer mal, Mulak, diese merkwuerdigen fliegenden Kreaturen... kommen die immer nur kurz vor der Daemmerung heraus?"

 

Mit einem stummen Nicken bestaetigte dieser seine Annahme. Dabei runzelte er irritiert die Stirn. Das wusste doch nun jedes Kind. Warum wussten diese Goetter das nicht?

 

"Und Deine Leute... werden sie uns jetzt im Dunklen suchen?" fragte John weiter.

 

"Nein," erwiderte Mulak bestimmt. "Wirr verrlassen das Dorrf nicht mehrr nach Anbrruch derr Dunkelheit. Dann schickt derr Nachtgott seine Spaeher los."

 

"Was fuer Spaeher?" erkundigte sich McKay argwoehnisch.

 

"Die Legende errzaehlt, es seien furchterregende Monsterr, die einen zu Stein werrden lassen, sobald man in ihrre Augen schaut. Doch niemand weiss, ob diese Geschichte wahrr ist..."

 

"Schoen... dann koennen wir es ja wohl wagen, ein kleines Feuer zu machen," meinte Sheppard, worauf sich Teyla und Ronon wortlos erhoben, um Holz sammeln zu gehen. McKay aber schaute ihn vorwurfsvoll an.

"Und wenn jetzt diese Spaeher auftauchen?" wollte er mit aengstlicher Stimme wissen.

 

"Dann koennen Sie ja die Augen zumachen," erwiderte John trocken.

 

Nur wenig spaeter sassen sie zusammen um die Flammen herum und versuchten, Mulak weitere Informationen ueber diese Welt zu entlocken. Und obwohl er noch jedes Mal, wenn das Wort an ihn gerichtet wurde, leicht zusammenzuckte, gab er doch bereitwillig Auskunft. Zumindest ueber das wenige, das er wusste.

So erfuhren sie, dass es jenseits der Berge noch eine weitere, weitaus groessere Siedlung gab, die jedoch den Gehoernten, den Auserwaehlten, wie Mulak sie genannt hatte, vorbehalten war. Das Dorf hingegen, auf das sie gestossen war, entpuppte sich als eine Zuflucht der Verbannten. Langsam begriff Sheppard, dass diese Hornplatte auf seinem Kinn wahrscheinlich der Rest eines richtigen Horns war, das sich dort vorher befunden haben musste und als Zeichen der Verbannung entfernt worden war.

 

"Und warum warst Du da?" fragte Rodney neugierig. "Ich meine, warum wurdest Du verbannt?"

 

"Weil ich die Goetterr errzuerrnt habe," entgegnete dieser knapp, als wenn das Erklaerung genug waere. Und nach einem boesen Seitenblick von Sheppard drang McKay auch nicht weiter in ihn. Sie wollten das zerbrechliche Vertrauen, das der Junge bereit gewesen war aufzubauen, nicht gleich wieder zerstoeren, indem sie ihm vielleicht unangenehme Fragen ueber seine Vergangenheit stellten.

Ausserdem gab es wichtigere Fragen.

 

"Sag mal, Mulak, diese Legenden, von denen Du vorhin gesprochen hast, berichten die vielleicht auch von einem grossen Ring? Oder einem Tor zum Himmel oder aehnlichem?" erkundigte sich John nun fast beilaeufig.

 

"Die Alten errzaehlen manchmal von einem Torr am Fuss des Donnerrberrges. Sie sagen, es waerre derr Durrchgang zurr naechsten Welt. Aberr mehrr weiss ich nicht. Dieses Wissen besitzen nurr die Hoheprriesterr derr Auserrwaehlten."

tbc

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