chayiana (chayiana) wrote,
chayiana
chayiana

  • Mood:

Fanfiction - Brothers Teil 1

Erster Eintrag und auch gleich die erste FF ;o)
Wie Ihr merkt halte ich mich nicht lange mit Begruessungsreden auf... das ist irgendwie nicht so mein Ding! ;o







Titel: Brothers (Teil 1)
Kategorie: Drama, Friendship
Rating: PG-13
Spoiler fuer "Common ground"
Inhalt: nen bisschen Mystery, nen bisschen whumping und ganz viel Freundschaft (vor allem dort, wo man sie nicht erwartet)


Viel Spass beim Lesen!

 

 

Brothers

 

Es war dunkel. Eine Dunkelheit, die ihm den Atem nahm, ihn erdrueckte.
Vorsichtig tastete er sich den Gang entlang. Die grob gehauenen Steine, aus denen die Waende dieses scheinbar endlosen Tunnels bestanden, waren vieler Ortens so scharfkantig, dass er sich laengst die Handflaechen blutig geschnitten hatte. Doch er beachtete den Schmerz nicht. Er durfte es nicht. Er musste weiter.

Abermals hoerte er die Schritte. Er starrte in die Schwaerze, die sich hinter ihm erstreckte. Doch sein Blick konnte die Schatten nicht durchdringen.

Aber wie immer, wenn dem menschlichen Koerper ein Sinn genommen wurde, schaerften sich seine anderen Sinne. Und so hoerte er den leicht schlurfenden Gang des Wesens, das ihn verfolgte. Er hoerte seinen Atem, der durch die Vielzahl kleiner spitzer Zaehne hindurchzischte. Er fuehlte foermlich den Hunger des Wraiths, der dort im Dunkel lauerte. Die Gier, das Verlangen nach seiner Lebenskraft.

Und er kam naeher.

Kalte Angst legte sich wie ein eiserner Guertel um seine Brust. Sein Atem ging stossweise. Er zwang sich weiterzugehen. Irgendwo musste es einen Ausgang geben, einen Ausweg aus diesem steinernden Labyrinth.

Und so taumelte er weiter, sich immer mit den Haenden an der Wand entlang tastend, um die Orientierung nicht zu verlieren. Er spuerte, wie das Blut aus den vielen kleinen Schnittwunden klebrig an seine Armen herunterlief. Und er merkte auch, wie ihm das Atmen immer schwerer fiel. Kein Windhauch regte sich hier. Die Luft roch alt und abgestanden, sie schmeckte nach Faeulnis und Verwesung. Uebelkeit stieg in ihm hoch.

 

'Ich darf nicht aufgeben,' dachte er verzweifelt. 'Ich muss weiter. Er darf mich nicht kriegen.'

Und er draengte die bittere Galle, die bereits begonnen hatte, sich in seinem Mund zu sammeln, zurueck. Mit einem letzten Aufbaeumen trieb er sich weiter vorwaerts.

 

Doch ploetzlich stiess er auf ein Hindernis. Der Verzweiflung nahe tastete er die Wand, die sich vor ihm aufgetan hatte, ab. Einen hoffnungsvollen Moment lang glaubte er, dass er nur an eine Abzweigung geraten war. Doch es gab keinen Gang mehr. Nur Fels. Eine Sackgasse. Das Ende.

Mutlos sackte er an der Felswand zu Boden und vergrub das Gesicht in seinen Armen.

Es gab kein Entrinnen. Er war die Beute. Und der Jaeger kam immer naeher. Er hoerte ihn. Er spuerte ihn. Er roch ihn. Sein ganzes Sein war auf diese letzte Begegnung ausgerichtet.

Dann blickte er auf und sah in ein Paar schwach gluehender Augen. Die Pupillen waren schmal wie die einer Schlange. Die langen weissen Haare glaenzten in der Finsternis. Und schier grauenerregend war das Fauchen, das, durch das Echo der Felsen potenziert und vielfaeltig gebrochen, auf ihn einstroemte, als der Wraith siegessicher den rechten Arm hochriss. Und beklemmenderweise konnte er trotz der alles durchdringenden Dunkelheit um ihn herum die Einkerbung in dessen Hand ganz klar erkennen. Diese Oeffnung, mir deren Hilfe er ihm jetzt des Leben aus seinem Koerper saugen wuerde.

Es war vorbei.

Und seltsam ruhig, ja fast teilnahmslos, beobachtete er, wie die Hand des Wraiths auf ihn niederfuhr...

 

 

Keuchend fuhr John Sheppard hoch. Sein Puls jagte, sein Herz haemmerte in seiner Brust, als wolle es sie zersprengen, er zitterte am ganzen Koerper und seine dunkelbraunen Haare klebten schweissgetraenkt an seiner Stirn.

Verstoert sah er sich um. Es war noch immer dunkel. Aber wo war der steinernde Gang? Wo der Wraith? Er schaute auf seine Haende. Sie haetten zerschrammt und blutig sein muessen, aber sie waren es nicht. Nur langsam realisierte er, dass er getraeumt hatte. Ein Albtraum. Dieser Albtraum. Schon wieder.

Deprimiert schloss er die Augen und stuetzte den Kopf in seine Haende.

Wie oft schon hatte er diesen Traum gehabt? Wie oft schon hatte der Wraith ihn durch das steinernde Labyrinth gejagt? Und wie oft schon hatte er das sichere Ende kommen sehen?

Er konnte es nicht sagen, er hatte aufgehoert zu zaehlen.

Er wusste nur instinktiv, dass diese Traeume einfach zu realistisch waren, um noch normal zu sein. Fast noch schmeckte er die verfaulende Luft, hoerte er das Geifern des Wraiths...

Die Schatten in seinem Quartier wurden dichter, bedraengender. Auch schien es von Sekunde zu Sekunde stickiger zu werden...

Mit einem Ruck stand er auf, griff nach den naechstbesten Kleidungsstuecken, die er finden konnte, einer Trainingshose und dem duennen, dunkelblauen Uniformhemd, zog sich in Windeseile an und verliess fast fluchtartig sein Zimmer.

Er wollte einfach nur raus. Raus aus der Enge dieses Raumes, in dem er glaubte, ersticken zu muessen.

Ohne sich dessen recht bewusst zu sein, wandte er sich einem kleinem Balkon an der Westseite von Atlantis zu. Dort angekommen sog er begierig die klare, leicht salzig schmeckene Luft in seine Lungen.

Es war keine schoene Nacht. Der Herbst hatte auf dem Planeten Einzug gehalten. Die Sterne am naechtlichen Himmel wurden fast gaenzlich durch schwere Wolken verdeckt. Und der kalte Seewind vermischt mit einem unangenehmen Nieselregen zerrte an seinem duennen Hemd. Ihm froestelte.

Jedoch hatte diese Kaelte auch ihre gute Seite. Er fuehlte, wie sein Denken wieder klarer wurde, und wie der Wind die Schatten, die sich seiner bemaechtigt hatten, aufs offene Meer hinaus blies.

 

Und wieder stellte er sich die Fragen, die er sich nahezu jedes Mal nach einem dieser Traeume gestellt hatte.

 

'Warum wehre ich mich nicht? Warum kaempfe ich nicht um mein Leben? Warum hat der Wraith nur so ein leichtes Spiel mit mir?'

 

Und wie schon so oft zuvor musste er sich die Antwort schuldig bleiben.

Doch in einem Punkt war er sich sicher. Etwas hatte sich veraendert. Er hatte sich veraendert... seit damals.

Fuenf Wochen waren vergangen seit diesem Tag.

Seit der Genii Acastus Kolya ihn gefangen genommen hatte, um sein Leben gegen das von Ladon Radim einzutauschen.

Seit der Wraith sich an ihm genaehrt hatte und ihm fast seine gesamte Lebensenergie ausgesaugt hatte, um sie ihm letztendlich doch wieder zurueckzugeben.

Noch immer konnte er sich nicht wirklich erklaeren, wie das moeglich gewesen war.

Aber zu diesem Zeitpunkt war etwas mit ihm passiert. Etwas, das er auch bis zum heutigen Tag nicht verstand und vielleicht auch nie verstehen wuerde.

Der Gedanke an diese Ungewissheit liess ihn erschaudern und er umfasste das Gelaender des Balkons mit solch einer Kraft, dass seine Handknoechel weiss hervortraten. Es machte ihn fast wahnsinnig, dass er seiner inneren Daemonen nicht Herr werden konnte.

 

"Colonel?"

 

John Sheppard zuckte zusammen, als er unerwartet diese vertraute Stimme hinter sich hoerte, aber er drehte sich nicht um. Den Blick weiter starr auf den Ozean gerichtet, fragte er:

 

"Teyla. Was machen Sie hier?"

Seiner Stimme war die Anspannung deutlich anzumerken.

 

"Dasselbe wollte ich Sie auch fragen," erwiderte die Athosianerin irritiert.

 

"Was glauben Sie wohl? Ich habe mir nur ein wenig die Beine vertreten. Haben Sie ein Problem damit?"

Seine Antwort war sehr viel schroffer ausgefallen, als er es beabsichtigt hatte, und er konnte Teylas erschrockenen Blick foermlich im Ruecken spueren.

"Entschuldigen Sie," setzte er sogleich hinzu, waehrend er sich endlich zu ihr umdrehte. "Ich wollte nicht... " etwas hilflos brach er ab.

 

"Schon gut. Ich hatte mir gerade etwas zu trinken aus der Kueche geholt, als ich Sie auf den Balkon gehen sah," erklaerte Teyla. "Sie wirkten so..." sie zoegerte kurz, "... so abwesend. Ich wollte nur fragen, ob alles in Ordnung ist?"

 

"Natuerlich, alles bestens," antwortete John schnell, viel zu schnell, um seine Kollegin und Freundin tatsaechlich taeuschen zu koennen. "Ich brauchte wirklich nur etwas frische Luft."

'Und das ist noch nicht einmal gelogen," fuegte er im Stillen hinzu.

 

Doch ein Blick in ihr sorgenvolles Gesicht zeigte ihm, wie wenig sie ihm seine Geschichte abkaufte.

Und er spielte ernsthaft mit dem Gedanken, sich ihr anzuvertrauen. Doch was sollte er sagen? Dass er wie ein kleiner Junge, der zuviel Horrorfilme geschaut hatte, Albtraeume hatte? Dass er sich mittlerweile fast davor scheute, nachts das Licht zu loeschen? Oder sollte er ihr seine Vermutung beichten, dass er glaubte, dass Kolyas Wraith ihn irgendwie veraendert hatte? Dass er seit jenem Tag das Gefuehl hatte, als wuerde etwas Entscheidenes in seinem Leben... fehlen?

Sie wuerde das verstehen. Da war er sich sicher. Auch sie war durch die Wraiths veraendert worden. Sie hatte durch ihre Vorfahren die Gabe geerbt, mit den Wraith in geistigen Kontakt treten zu koennen. Teyla war vermutlich die Einzige, die ueberhaupt nachempfinden konnte, wie er sich augenblicklich fuehlte. Aber dennoch...

 

"John?" ihre sanfte Stimme riss ihn aus seinen Ueberlegungen.

 

Sie konnte erkennen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete, als er sie fuer einen Moment nachdenklich ansah. Doch er antwortete nur:

"Wirklich, Teyla. Es ist alles in Ordnung," dabei vermochte er es allerdings nicht, ihr direkt in die Augen zu sehen, stattdessen fixierte er einen imaginaeren Punkt hinter ihrem Kopf.

"Ich denke, ich habe jetzt genug frische Luft geschnappt. Ich werde mal wieder schlafen gehen. Gute Nacht, Teyla."

Um ein beruhigendes Laecheln bemueht, nickte er ihr zu und schlaengelte sich dann rasch an ihr vorbei, um ihr keine Chance zu geben, seinen Abgang, der schon mehr einer Flucht glich, in Frage zu stellen.

 

Verwirrt schaute Teyla John Sheppard nach, wie er in den nachtdunklen Gaengen von Atlantis verschwand. Sie spuerte genau, dass es da etwas gab, das ihn bedrueckte. Aber sie wusste auch, wie schwer es dem Colonel fiel, ueber seine Gefuehle zu reden, ob sie nun ihn selbst oder andere betrafen. Vor einiger Zeit auf der Daedalus, als sie aufgebrochen waren, um Ronon zu retten, da hatte er es versucht. Aber viel mehr als ein Versuch war nicht daraus geworden.

Und ein ungutes Gefuehl beschlich sie, als sie an den morgigen Tag dachte. Der Colonel sollte gemeinsam mit Dr. McKay und zwei jungen Marines eine Aufklaerungsmission vornehmen, waehrend sie selbst, zusammen mit Ronon, versuchen wuerde, ein weiteres Handelsabkommen mit einem ihr bekannten Volk abzuschliessen. Doch es behagte ihr unter diesen Umstaenden ueberhaupt nicht, dass das Team getrennt sein wuerde.

 

~~~

Dr. Elizabeth Weir betrat soeben den Besprechungsraum. Doch bevor sie sich setzte, liess sie kurz ihren Blick ueber die anwesenden Maenner schweifen.
Zu ihrer Rechten sassen zwei noch sehr junge Marines, Lt. Stevenson und Sgt. Parker, fuer die es die erste Offworld-Mission werden wuerde, und zu ihrer Linken die vertrauten Gesichter von Dr. Rodney McKay und Lt. Colonel John Sheppard.

Und wie es nicht anders zu erwarten war, befanden sich diese beiden Herren in einem ihrer allmorgendlichen Dispute.

 

"Rodney, wann begreifen Sie es endlich? Teyla und Ronon werden uns auf dieser Mission nicht begleiten," sagte Sheppard in diesem Moment. "Die beiden sollen nunmal ein neues Handelsabkommen treffen. Und eigentlich sollte das in ihrem Sinne sein. Schliesslich geht es um ihre geliebten Tava-Bohnen. Aber wenn Sie nicht elf Tassen Kaffee am Tag trinken wuerden, waere das wahrscheinlich gar nicht noetig."

 

"Ja, ja, geben Sie mir ruhig die Schuld, das ist ja nichts Neues. Aber Fakt ist, dass ich mich einfach wohler fuehlen wuerde, wenn sie dabei waeren!" erwiderte McKay resignierend.

 

"Hey, soll das heissen, dass Sie sich in Gegenwart dieser beiden hervorragenden Soldaten nicht sicher fuehlen? Und falls ich Sie daran erinnern darf, ich bin ja auch noch da..."

 

"Oh ja, und gerade diese Tatsache beruhigt mich ungemein," entgegnete der Kanadier voller Ironie. "Haben Sie heute rein zufaellig schonmal einen Blick in den Spiegel geworfen?"

 

Schlagartig wurde es still im Raum. Vier Augenpaare musterten den Colonel, dem die ploetzliche Aufmerksamkeit sichtlich unangenehm war. Ihm war durchaus bewusst, dass er mit den dunklen Ringen unter den Augen und den Bartstoppeln, die eigentlich schon seit zwei Tagen nach einer Rasur schrieen, nicht gerade wie das bluehende Leben wirkte.

Und um etweilige Diskussionen ueber seine Einsatzfaehigkeit vorzubeugen, beeilte er sich zu sagen:

 

"Elizabeth, bevor Sie fragen... mir geht es blendend! Ich bin lediglich letzte Nacht erst sehr spaet schlafen gegangen. Das ist alles. Teyla kann das bezeugen. Wir haben uns noch ein wenig unterhalten. Sie koennen sie ja fragen..."

 

"Leider kann ich das nicht. Teyla und Ronon sind vor ein paar Minuten aufgebrochen," erwiderte Dr. Weir. 'Und das wissen Sie ganz genau, John!' fuegte sie in Gedanken irritiert hinzu.

Sie betrachtete ihren leitenden Offfizier eingehender. Rodney hatte recht, er sah etwas mitgenommen aus. Die Schatten unter seinen Augen, der leicht fahrige Blick...

War es vielleicht wirklich besser, die Mission zu verschieben?

Auf der anderen Seite war John Sheppard als Soldat sehr pflichtbewusst und wuerde sein Team nie in Gefahr bringen, weil er sich oder seine Faehigkeiten ueberschaetzte. Und sie vertraute ihm.

 

"Ok, John, aber nach dieser Mission werden Sie sich zwei Tage freinehmen und ordentlich ausschlafen," meinte sie schliesslich.

 

"Abgemacht!" erwiderte Sheppard und schenkte ihr ein entwaffnendes Laecheln.

"Dann sollten wir jetzt mit der Missionsbesprechung beginnen," setzte er hinzu und widmete sich dem Stapel von Blaettern, der vor ihm auf dem Tisch lag.

Er bemerke den leicht zweifelnden Seitenblick nicht, mit dem Rodney ihn bedachte.

 

 

M3J-788 war laut der Datenbank der Antiker einer ihrer Aussenposten gewesen, der aber schon vor der Invasion der Wraith vor 10.000 Jahren aufgegeben worden war. Das Atlantisteam versprach sich zwar keine bahnbrechenden neuen Entdeckungen, aber die Hoffnung, eventuell ein paar fuer sie nuetzliche Dinge zu finden, liess diese Mission wertvoll genug erscheinen. Dr. McKay sollte herausfinden, ob dort vielleicht noch Technologien vorhanden waren, die sie im Kampf gegen die Wraiths einsetzen konnten.

 

Direkt nach der Einsatzbesprechung brachen die vier Maenner auf. Sie gingen zu Fuss, da sich das Tor auf der anderen Seite in einem kleinen Waldstueck befand und so den Einsatz eines Jumpers unmoeglich machte. Allerdings war es bis zu der Stelle, an der das MALP eine schwache Energiesignatur ausgemacht hatte, ein Marsch von etwa fuenf Kilometern. Und Rodneys missmutige Miene, als sie durch das Tor gingen, spiegelte exakt seine Meinung zu dieser Art von koerperlicher Bewegung wider.

 

Nachdenklich beobachtete Elizabeth Weir das Team, wie es durch den Ereignishorizont des kuenstlich geschaffenen Wurmlochs verschwand. Eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf wisperte ihr ununterbrochen zu, dass sie womoeglich einen Fehler begangen hatte, als sie Sheppard trotz ihrer Bedenken erlaubt hatte, diese Mission zu leiten.

Sie spuerte wie sich ein flaues Gefuehl in ihrem Magen auszubreiten begann...

 

 

~~~


Als das Team auf der anderen Seite das Tor durchschritt, sicherten die Marines sofort ihre Flanken. Lt. Stevenson uebernahm die rechte, Sgt. Parker ihre linke Seite. Dr. McKay folgte ihnen etwas langsamer. Er hatte bereits seinen Scanner gezueckt und studierte nun die Daten, die ihm das Geraet uebermittelte.

 

"Hey, Sheppard, das ist ja toll, es sind gar keine fuenf Kilometer, es sind nur 4,7 Kilometer bis zu unserem vermeintlichen Ziel. Da haben wir ja noch mal Glueck gehabt, nicht wahr?" meinte er in diesem fuer ihn typisch sarkastischen Tonfall. Er drehte seinen Kopf zur Seite in Erwartung, den Colonel neben sich gehen zu sehen.

Doch neben ihm war niemand.

Verwundert drehte er sich weiter um und fand John Sheppard noch immer auf dem Podest stehend, auf dem das Stargate ruhte. Dessen Gesicht hatte einen leicht verwirrten, tranceaehnlichen Ausdruck angenommen.

 

"Sheppard?" sprach McKay ihn argwoehnisch an. "Hallo? Wollen wir nicht mal los? Wenn wir uns etwas beeilen, schaffen wir es, bis zum Abendessen wieder zu Hause zu sein. Es gibt heute Salisbury Steaks, und die wollte ich eigentlich nicht verpassen..."

 

"Was...? Oh ja... sicher."

Wo auch immer der Colonel gerade mit seinen Gedanken gewesen war, Rodney war sich sicher, dass er nichts von dem, was er gesagt hatte, wirklich mitbekommen hatte. Skeptisch musterte er seinen Freund.

Und diesmal war sich John dessen wohl bewusst. Und er vermied es, den Kanadier direkt anzusehen, als er den Abmarschbefehl gab.

Was haette er ihm auch erzaehlen sollen?

Dass er, sobald er durch das Tor getreten war, das seltsame Gefuehl gehabt hatte, etwas Vertrautes zu spueren.

Dass er geglaubt hatte, eine Stimme zu hoeren, die seinen Namen rief.

Dass er fuehlte, auf diesem Planeten etwas finden zu koennen, was er schon verloren glaubte... auch wenn er nicht die geringste Ahnung hatte, um was es sich dabei eigentlich handelte.

 

Nein. Bevor er nicht wusste, was genau diese Gefuehle und Gedanken bei ihm ausloeste, wuerde er niemandem auch nur Sterbenswort davon erzaehlen. Aber er wuerde es herausfinden, das schwor er sich in diesem Moment mit einem grimmigen Nicken.

Dann schloss er zielstrebig zu den anderen auf und liess in der naechsten Stunde McKays schwatzhaftes Mundwerk ueber sich ergehen.

 

Nachdem sie am Anfang noch durch einen dichten Wald marschiert waren, wurde der Bewuchs nun immer spaerlicher und der Boden steiniger. Als die letzten Baeume zurueckwichen, sahen sie, dass sie sich am Fusse eines hohen Gebirges befanden. Die Gipfel der Berge, die ueber ihnen aufragten, waren so hoch, dass sie schon von den Wolken verdeckt wurden. Einen Augenblick lang schauten die Maenner andaechtig nach oben.

 

"Oh, und wir haben schon wieder Glueck. Wir muessen da nicht hoch," man hoerte foermlich die Erleichterung in Rodneys Stimme.

"Das, was wir suchen, befindet sich dort..." und er zeigte auf etwas, das wie der Eingang zu einer Hoehle aussah. Das tiefschwarze Loch im Fels war noch etwa fuenfzig Meter von ihnen entfernt. Und aus der Entfernung sah es fast so aus, als wenn grob gehauene Stufen zu dem Eingang emporfuehrten, der vielleicht sieben oder acht Meter ueber ihren Koepfen lag.

 

"Sehen Sie, Rodney, alles halb so schlimm," erwiderte John schmunzelnd. "Irgendwelche Lebenszeichen?"

 

"Nein," entgegnete McKay prompt, doch dann rief er ploetzlich: "Stop! Da ist doch etwas..."

 

"Was?" fragte Sheppard alamiert.

 

Der Wissenschaftler schaute erst Sheppard entsetzt an und richtete dann seinen Blick in den Himmel.

"Darts!"

Und im gleichen Moment tauchten hinter ihnen drei der Wraithjaeger ueber den Baumwipfeln auf. Erschrocken sahen sich die vier Maenner an.

 

"In der Hoehle ist nichts?" wollte John fordernd wissen.

 

Mit zitternden Haenden sah Rodney abermals auf seinen Scanner, bevor er antwortete:

"Nein!"

 

"Dann los! Stevenson, Sie als erster. Parker, Sie bleiben bei McKay. Ich uebernehme die Nachhut. Verteilt Euch etwas, dann haben sie es schwerer, uns mit dem Beamstrahl zu erwischen. Los jetzt!" noch waehrend Sheppard seine Befehle gab, nahm er schon seine P90 in Anschlag und begann auf die Angreifer zu feuern.

 

Unentwegt kurze Salven abgebend, stuermte das Team auf die rettende Hoehle zu.

Ungluecklicherweise wurde der Untergrund immer steiniger und damit auch immer unebener. Der Boden war teils mit tiefen Spalten und Rissen ueberzogen, die ihre Flucht zu einem gefaehrlichen Hindernislauf werden liessen.

 

"Achtung!" bruellte John unvermittelt, als er sah, dass einer der Darts seinen Beamstrahl aktiviert hatte und genau auf Parker und Rodney zuhielt. Ohne auch nur eine Sekunde zu zoegern, liessen sich die beiden Angesprochenen instinktiv zur Seite fallen. Der Strahl fuhr zwischen ihnen hindurch, ohne ihnen zu nahe zu kommen.

Sgt. Parker rappelte sich sofort wieder hoch, aber Rodney blieb mit schmerzverzehrten Gesicht am Boden liegen.

Als der Colonel bei ihnen angelangt war, schrie er Parker zu:

"Nun laufen Sie schon! Ich kuemmere mich um ihn!" dann wandte er sich an McKay:

"Was ist los? Ich glaube kaum, dass dies die rechte Zeit ist, um ein Mittagsschlaefchen zu halten..."

 

"Hatte ich ehrlich gesagt auch gar nicht vor," presste dieser mit einem schiefen Grinsen hervor, "aber diese kleine Felsspalte hier sah so verlockend aus."

 

Erleichtert registrierte John, dass der Kanadier noch Witze machen konnte.

"Koennen Sie aufstehen?" fragte er.

 

"Ja, ich habe mir wohl nur den Arm geprellt. Wird schon wieder," erwiderte Rodney entschlossen.

 

Sheppard half seinem Freund auf die Beine zu kommen. Dann rannten sie weiter.

Noch einmal mussten sie einem Beamstrahl ausweichen, diesmal jedoch ohne Schwierigkeiten, dann hatten sie es endlich geschafft. Die Marines warteten schon am Eingang der Hoehle auf sie. Beide schauten ihnen mit bleichen und erschrockenen Gesichtern entgegen. Wahrscheinlich hatten sie nicht im Traum daran gedacht, dass gleich ihre erste Mission so aufregend werden wuerde.

 

"Stehen Sie da nicht wie angewurzelt rum. Feuern Sie!" rief Sheppard den Marines zu. Er hatte aus dem Augenwinkel bemerkt, dass schon wieder einer der Jaeger im Anflug war. Und wie er es erwartet hatte, begann der Dart nun scharf zu schiessen, da seine Beute so gut wie ausser Reichweite war.  

 

"Das hab' ich mir gedacht. Wenn ihr uns schon nicht aussaugen koennt, dann wollt ihr uns zumindest auf herkoemmlichen Wege toeten!" knurrte John, als er Rodney recht unsanft weiter in die Hoehle bugsierte und sofort wieder kehrmachte, um den Soldaten Feuerschutz zu geben.

Waehrend die Soldaten alles aus ihren Maschinengewehren herausholten, flog der Wraithjaeger unbeirrt weiter auf sie zu. Seine Lasergeschosse schlugen dicht unter ihnen in die Felswand ein. Daraufhin korrigierte der Wraith seinen Kurs, hob die Schnauze seines Jaegers etwas an, so dass die Schuesse nun direkt in das Innere ihrer Zuflucht trafen. Die Maenner sprengten auseinander, um den toedlichen Geschuetzen auszuweichen.

 

"Rueckzug!" bruellte Sheppard. "Stevenson, Parker, vergessen Sie's! Das hat keinen Sinn!"

 

Jede noch so kleine Deckung ausnutzend wich der Colonel weiter ins Innere der Hoehle zurueck. Die beiden Marines, die noch bis zu diesem Augenblick tapfer den Eingang verteidigt hatten, liessen ebenfalls ihre Waffen sinken und wollten es ihm gerade gleichtun, als eines der Lasergeschosse den Fels oberhalb des Hoehleneingangs traf.

Ploetzlich begann das Gestein um sie herum an zu beben und zu aechzen. Zuerst loesten sich nur Staub und kleinere Kiesel, doch nur Bruchteile von Sekunden spaeter brachen riesige Felsbrocken aus der Decke heraus. Und noch ehe einer der Maenner wirklich realisierte, was geschah, stuerzte der gesamte vordere Teil der Hoehle mit einem ohrenbetaeubenden Krachen in sich zusammen.

 

Unzaehlige Tonnen Schutt begruben Parker und Stevenson unter sich.

 

Sheppard versuchte noch verzweifelt sich durch einen Sprung nach hinten vor dem toedlichen Gesteinsregen zu retten, doch auch er wurde unter einem Teil der Felsen begraben.

Dann wurde es still.

Der aufgewirbelte Staub tanzte auf den vereinzelten Sonnenstrahlen, die noch durch kleinere Loecher im Geroell ihren Weg in die Hoehle suchten. Die Umgebung erstrahlte dadurch in einem fast ueberirdisch schoenen Licht, das so gar nicht zu der schrecklichen Szenerie passen wollte.

 

Abgrundtiefes Entsetzen zeichnete sich auf Rodneys Gesicht ab, als er auf das Chaos starrte, das sich vor ihm auftat. Und nicht nur der dichte Staub nahm ihm die Luft zum Atmen, es war auch diese grauenvolle Angst, die sich seiner bemaechtigte. Das durfte nicht wahr sein. Das konnte einfach nicht real sein. Waren sie wirklich alle... tot? 

to be continued

 


Tags: stargate atlantis
Subscribe
  • Post a new comment

    Error

    Anonymous comments are disabled in this journal

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

  • 9 comments