chayiana (chayiana) wrote,
chayiana
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Bloede deutsche Sprache!!! ;o)

Nachdem ich es nun doch tatsaechlich geschafft habe, diese unglaublich tolle FF von Alipeeps zu Ende zu uebersetzen (vielen Dank nochmal an Liane fuer die unermuedliche Hilfe!!!), dachte ich mir, dass das auch hier ein Update wert waere.
Aber ich glaube kaum, dass ich das so schnell wieder machen werde. Es ist nicht, weil es keinen Spass gemacht haette (ich hatte einen Riesenspass!!!!), sondern viel mehr, weil ich hinterher (und dabei) frustriert festgestellt habe, dass die deutsche Sprache wirklich nicht fuer solche Art Geschichten geschaffen ist. Der tolle trockene Humor, den Ali da mit eingebaut hat, ist im Deutschen kaum rueberzubringen. Die deutsche Sprache laesst es einfach nicht, dass man die Dinge so kurz und praegnant beschreibt.... wir muessen immer irgendwie voellig verschlungene Saetze bauen, um auch nur im Entferntesten dieses Feeling rueberzubringen. Das ist einfach nicht fair!! *gg*

Egal, auf jeden Fall ist hier nochmal die Story in voller Laenge! Diese kleine shep-whumping-Story, die zeigt, wie man sich fuehlen kann, wenn man die Kontrolle verliert und warum gerade einem John Sheppard das solche Angst macht... 

Und an dieser Stelle will ich Euch auf jeden Fall nochmal das Original (und viele andere tolle FFs zu dem Thema) empfehlen.... guckt doch mal bei Ali vorbei! ;o) 
Alipeeps

Sheppards Worte waren undeutlich. Nicht sehr... eigentlich kaum zu bemerken, aber Rodney war Wissenschaftler und, neben allem anderem, ein auf Details bedachter Pedant, und die leichte Traegheit in Sheppards Stimme verwirrte ihn, seine Worte versickerten im Nirgendwo, als er den Colonel misstrauisch anstarrte. Der Blick, den er als Antwort bekam, war angestrengt und entsprach nicht ganz der gewohnt lockeren Leichtigkeit, die der Pilot normalerweise der Welt praesentierte. Um Himmels Willen, er sah aus, als muesse er sich heftigst konzentrieren, nur auf was, konnte Rodney einfach nicht sagen.

 

"Hey, alles in Ordnung mit Ihnen?"

 

"... b'n okay."

 

Sheppard wischte die Frage mit der ueblichen Ablehung beiseite, doch die dazugehoerende Armbewegung war irgendwie nicht richtig; sie wirkte schleppend und seltsam unkoordiniert. Rodney, der zufaelligerweise ein sehr guter Mathematiker war, begann zwei und zwei zusammen zaehlen, doch das Ergebnis gefiel ihm ganz und gar nicht. Er legte sein Tablet-PC auf die naechstbeste Ablage. Ploetzlich war die Forschungsarbeit, die eben noch wichtig genug gewesen war, um ihn kurz vor Mitternacht hierher zu fuehren und fast Sheppards Tuer einschlagen zu lassen, vergessen.

 

Es war ihm zu spaet in den Sinn gekommen, dass Sheppard um diese Zeit gewoehnlich nicht mehr wach war. Rodney war von Natur aus eine Nachteule und wenn er sich in etwas vergraben hatte, spielte seine innere Uhr gelinde gesagt etwas verrueckt.

Und haette er sich die Muehe gemacht darueber nachzudenken, was er natuerlich nicht getan hatte, als er in seiner Aufregung geradewegs hierher gehastet war, haette er wohl erwartet, Sheppard zu dieser Stunde in seinem Bett vorzufinden und dass sich dieser dann mit einigen sorgsam gewaehlten Kommentaren bei Rodney fuer die Stoerung bedankt haette.

Stattdessen war Sheppard komplett angezogen gewesen und sein Bett war noch immer perfekt nach militaerischen Standards gemacht und ausserdem hatte er kaum ein Wort gesprochen, seitdem McKay hier war.

 

Rodney hingegen hatte schon geredet, erklaert und theorisiert, kaum dass Sheppard die Tuer geoeffnet hatte, er war sofort eingetreten und hatte sich an ihm vorbeigeschoben, ganz so, als ob er erwartet worden waere. Seine Aufmerksamkeit war zu 95% auf sein Notebook und die Flut der Ideen, die er versucht hatte in Worte zu fassen, gerichtet gewesen, aber nur zu 5% auf den Empfaenger seines Redeschwalls.

Er war sich nur vage der Tatsache bewusst gewesen, dass Sheppard ihm nicht in den Raum gefolgt war, nachdem sich die Tuer wieder geschlossen hatte, sondern dort stehen geblieben war, seltsam regungslos hatte dieser nur mit den Augen verfolgt, wie Rodney durch den Raum tigerte und dabei aufgeregt seine Theorien darlegte. Seine Antworten, wenn Rodney mal Pausen eingelegt hatte, um einen Kommentar zu zulassen oder einfach nur um Luft zu holen, waren bestenfalls einsilbig... und immer ein wenig verschwommen gewesen.

Als Rodney nun sein Tablet-PC beiseite legte und seinen Freund zum ersten Mal richtig ansah, bemerkte er endlich die Blaesse in dessen Gesicht und die ungewohnt steife Koerperhaltung.

 

"Sheppard?"

 

Es brauchte einen Moment, einen viel zu langen Moment, bis Sheppard dies realisierte und auf den Umstand reagierte, dass Rodney auf eine Antwort wartete.

'Irgendetwas lauft hier ganz falsch,' befand Rodney stirnrunzelnd.

 

"Sie sehen nicht besonders gut aus. Ich werde Carson rufen..."

 

"N..nein!"

Der Widerspruch kam schleifend und undeutlich anstatt kraftvoll und befehlend. Direkt vor Rodneys Augen schien Sheppard ein wenig zur Seite zu kippen, bevor er verwirrt den Kopf schuettelte und sich mit starr konzentriertem Blick wieder aufrichtete.

"Nein. Ich brauche Carson nicht."

 

Die Worte waren nun klarer, seine Artikulation langsam und sorgfaeltig. Rodneys erhobene Hand bewegte sich jedoch nicht von dem Ohr weg, wo sich sein Head-Set befand.

 

"Ich glaube nicht..."

 

Doch noch bevor er den Satz beenden konnte, oeffnete sich die Tuer, und McKay war erleichtert, als er den besagten Doktor hereinkommen sah. Ronon tauchte drohend hinter ihm auf, als Carson rasch den Raum betrat und Sheppard mit einem tadelnen Blick fixierte. Und in Rodney keimte der Verdacht auf, dass er irgendwie nicht ganz auf dem Laufenden war, was diese Sache betraf.

 

"Colonel Sheppard, was zur Hoelle machen Sie hier?"

 

McKay war verbluefft. Nicht alleine wegen der Frage – warum in aller Welt sollte es eine Ueberraschung sein, dass Sheppard um diese Zeit in seinem Quartier war? – sondern auch wegen Carsons Ausdrucksweise. Carson konnte, wenn er in Laune war, gehoerig austeilen, aber es war sehr, sehr selten, dass der sonst so sanfte Schotte fluchte.

Sheppard hatte nicht sofort eine Antwort parat, und Rodney registrierte alamiert, dass Beckett sich jetzt ihm zuwandte.

 

"Und Sie? Ich haette wissen muessen, dass Sie hiermit etwas zu tun haben, aber ehrlich, Rodney, von Ihnen haette ich mehr Vernunft erwartet."

 

"Ich? Was habe ich denn getan?" entruestete sich Rodney unverzueglich.

 

"Ist es Ihnen nie in den Sinn gekommen, dass ich einen guten Grund gehabt haben koennte, Sheppard in der Krankenstation behalten zu wollen?"

 

"Krankenstation? Was?"

McKay begann zu spueren, dass ihm ernsthaft ein paar sehr relevante Daten fehlten, um an diesem Gespraech teilnehmen zu koennen und dies war kein Gefuehl, das er sonderlich genoss.

"Ich weiss nichts darueber, dass irgendjemand in der Krankenstation sein sollte," empoerte er sich. Doch es schien nicht so, als ob Carson seinen Entschuldigungen sehr viel Beachtung schenken wuerde. Seine Aufmerksamkeit richtete sich schon wieder auf Sheppard, der gerade, als Rodney hinschaute, erneut zu schwanken begann. 

Noch bevor irgendjemand ein Wort sagen konnte, schoss Ronons Hand vor und hielt den Colonel fest, als dieser versuchte Carsons Beruehrung zu entgehen und dabei ins Taumeln geriet.

McKay begutachtete das Geschehen und teilte Beckett dann spitz mit:

"Wenn Sie mich fragen, ist die Krankenstation jetzt genau der Ort, wo er sein sollte."

 

Carson seufzte auf und erklaerte mit einem ungeduldigen Unterton in der Stimme:

"Er war auf der Krankenstation, Rodney!"

 

"Nun, was macht er dann hier?"

 

Carson feuerte einen zutiefst genervten Blick in McKays Richtung ab, was, wie Rodney fand, einfach nicht fair war – war es sein Fehler, dass ihm niemand erzaehlte, was hier vor sich ging? – und wandte seine Aufmerksamkeit dann wieder dem zunehmend instabil aussehenden Sheppard zu, wobei er McKays wirklich sachdienliche Frage schlicht ignorierte.

 

"Na kommen Sie schon, mein Sohn, lassen Sie uns Sie hinsetzen, bevor Sie noch ganz umfallen."

 

Sheppard schien verwirrt, seine Stirn legte sich in widerspenstige Falten, jedoch liess er sich widerstrebend von Carson zu seinem Bett bringen. Ronon folgte dichtauf, die Haende ahnungsvoll erhoben, da Sheppard gefaehrlich torkelte.

Ueberrascht bemerkte Rodney, dass zwei von Ronons Fingern verbunden waren.

Hey, hatte denn jeder hier heute einen Trip zur Krankenstation gemacht, als er mal nicht hingesehen hatte? Und was um Himmels Willen war ueberhaupt mit Sheppard los?

 

Dieser bewegte sich vorsichtig, als er sich, auf Carsons Draengen hin, auf dem Bett niederliess. Er war kreidebleich und sein Gesicht zeigte den Ausdruck dieser verschlossenen, starren Verbissenheit, den Rodney nur allzu gut kannte und vor der sich, wie er vermutete, Carson zu grausen begann. Sheppards Augen hingegen glaenzten glasig und sobald er sass, bekam er schon wieder Schlagseite. Es schien, als bevorzuge er seine rechte Seite.

Beckett begann nun fuer einen Moment richtig Aufhebens um den Colonel zu machen, er zog dieses "Ich leuchte Dir mit meiner Lampe in die Augen, Kleines"-Ding durch, von dem Rodney wusste, dass Sheppard es hasste. Und noch bevor er seine Aufforderung, dass man ihm endlich erzaehlte, was vor sich ging, wiederholen konnte, richtete sich Carson auf und seine Hand wanderte zu seinem Head-Set. 

 

"Ich fordere eine Trage an, um Sie in die Krankenstation zu bringen."

 

"Nein," antwortete Sheppard schnell, wenn auch genuschelt.

 

"Colonel," Carson stiess seinen Atem mit einem frustrierten Seufzer aus, "Sie muessen auf die Krankenstation. Ich kann Sie so nicht alleine lassen, Sie muessen unter Beobachtung."

 

Sheppard schuettelte stur, leicht auf der Stelle schwankend, den Kopf.

"Mi' gehs gud."

 

"Colonel Sheppard, die Medikamente, die ich Ihnen gegeben habe, sind ziemlich stark und Ihr momentaner Zustand erlaubt es nicht, dass Sie jetzt alleine bleiben."

 

"Sie haben ihm Medikamente gegeben? Wozu?"

 

Carsons Hand schwebte noch immer ueber seinem Head-Set, und Rodneys Unterbrechung trug nicht gerade dazu bei seine Verzweiflung zu mindern.

 

"Der Colonel hat seine Interkostalmuskeln gequetscht. Es ist keine gefaehrliche Verletzung, aber sie kann aeusserst schmerzhaft sein."

 

"Wo zum Teufel sitzt ein Interkostalmuskel?" ueberlegte Rodnet laut, hob dann aber abrupt seine Hand, als Carson seinen Mund oeffnete, um die Frage zu beantworten.

"Vergessen Sie's!" meinte er hastig zu dem Arzt. "Ich will es gar nicht wissen."

 

McKay warf dem bleichen und reichlich benebelten Colonel einen pruefenden Blick zu.

Ein durch Schmerzmittel durchgeknallter Sheppard war eine interessante Perspektive, eine, mit der er - trotz der zahlreichen Krankenhausaufenthalte von Colonel Kamikaze hier - noch nie konfrontiert gewesen war.

Carson hatte immer die ach so ruehmliche Toleranz gegen Schmerzen von Sheppard propagiert (was, wenn man Rodney fragte, wieder nur einer von seinen Schullehrertricks war, um die Disziplin in der Station zu wahren: "Nehmen Sie sich ein Beispiel an dem Colonel! Er beschwert sich nicht und erwartet auch keine Aufmerksamkeit oder Medikamente. Lasst uns alle brave Kinder wie Colonel Sheppard hier sein!") und, wenn er die Wahl hatte, zog es der gute Sheppard immer vor keine Schmerzmittel nehmen zu wollen. Und sollte er mal nicht die Wahl haben, dann war es normalerweise nur deswegen, weil sein Leben an einem seidenen Faden hing und er schlichtweg in ueberhaupt keiner Verfassung war zu bestimmen, welche Medikation er bekam.

Aber was auch immer ein Interkostalmuskel war, es musste hoellisch schmerzen, dass Carson ihn tatsaechlich unter Drogen hatte setzen duerfen.

 

Rodneys Aufmerksamkeit wanderte zurueck zu Ronons bandagierten Fingern und er warf den beiden Macho-Idioten einen abschaetzenden Blick zu.

"Ich wollte eigentlich fragen, wie Sie beide es schaffen konnten, sich innerhalb eines Nachmittages zu verletzen, und das, obwohl Sie Atlantis noch nicht einmal verlassen haben. Aber ich nehme an, dass das eine dumme Frage waere," erklaerte er Sheppard trocken.

 

"Was hat er mit Ihnen angestellt?" fragte er Ronon. "Zwei Finger gebrochen?"

 

Der Satedaner zuckte nur in seiner aegerlich laessigen und selbstsicheren Art und Weise mit den Schultern und grunzte:

"Nur einen," als ob ein gebrochener Finger nicht weiter erwaehnenswert waere, bloss eine kleine Unannehmlichkeit. McKay hatte den Verdacht, dass es fuer Carson ein immenser Kampf gewesen sein musste, diesen stoischen Ex-Runner ueberhaupt dazu zu bringen, sich verbinden zu lassen.

 

Rodney machte sich nicht die Muehe, den Sarkasmus aus seiner Stimme zu verbannen, als er sagte:

"Wunderbar! Sie verbringen also den Nachmittag damit, sich gegenseitig zusammen zu schlagen, um sich dann in den naechsten Tagen vor der Arbeit druecken zu koennen, so dass das ganze Team darauf warten muss, bis Sie sich endlich von Ihren selbst zugefuegten Verletzungen erholt haben. Ich bin mir sicher, dass sich Elizabeth wahnsinnig darueber freuen wird."

 

Er begegnete Ronons unbeeindrucktem Gesichtausdruck mit einem finsteren Blick.

 

"Haben Sie ihm seine Inter-'was auch immer'-Muskeln gequetscht, weil er Ihnen den Finger gebrochen hat? Oder hat er Ihnen den aus Vergeltung gebrochen? Ehrlich, Sie beide braeuchten einen Anstandswauwau, der Sie von diesem ganzen Aerger fernhaelt. Ich schwoere, ab und zu..."

 

"Sheppard hat mir den Finger nicht beim Training gebrochen," unterbrach Ronon Rodneys Wortschwall, gerade als er richtig warm wurde, und fuegte mit einem grimmigen Grinsen hinzu: "So gut ist er nicht."

 

"Hey!"

Sheppards Protest kam ein wenig verwaschen, aber er war offensichtlich doch nicht so neben der Spur, als dass er diesen Seitenhieb unangefochten im Raum stehen lassen wollte. Doch ploetzlich schwankte er wie ein Betrunkener und Ronon, Carson und Rodney stuerzten gemeinsam instinktiv nach vorne, um ihn aufzufangen, bevor er gaenzlich umkippen konnte. Sheppards Stirn glaenzte vor Schweiss, und er hing schlaff und schwer in Rodneys Armen, als sie ihn zwischen sich wieder behutsam auf das Bett legten.

 

"Grundguetiger, Cason! Was um Himmels Willen haben Sie ihm gegeben," wollte McKay wissen.

 

Aber Carson beschaeftigte sich nun intensiv mit Sheppard, konzentriert blickte er auf seine Uhr, waehrend er die Finger an dessen Hals presste, um den Puls zu ueberpruefen.

Und er sah auch nicht auf, als er mit deutlich frustrierter Stimme erwiderte:

"Ich musste ihm das Demerol intramuskulaer injizieren, weil dieser Dummkopf hier so stur gewesen war und sich geweigert hat, ueberhaupt irgendwelche Schmerzmittel zu nehmen. Das bedeutet, dass die Auswirkungen der schmerzstillenden Mittel wesentlich ausgepraegter sind, als wenn er einfach nur die Tabletten geschluckt haette. Und das ist genau der Grund, weshalb er unter Beobachtung auf der Krankenstation sein sollte."

 

"Nun, warum ist er es dann nicht?"

 

"Weil sich der verdammte Idiot weggeschlichen hat, kaum dass ich ihm den Ruecken zugekehrt hatte," blaffte Carson zurueck und funkelte Rodney dabei boese an.

 

"Oh!"

McKay war sich nicht sicher, was er darauf erwidern sollte. Es war wahr, Sheppard hasste es auf der Krankenstation zu sein, zumindest nicht laenger, als es ihm noetig erschien, und es war nicht seine Art, sich ohne Erlaubnis wegzustehlen, ausser es gab einen triftigen Grund, so wie die akute Bedrohung der Stadt oder etwas, von dem er meinte, dass er sich damit persoenlich befassen muesste. Aber es war wirklich untypisch fuer ihn, dass er gegen Carons ausdruecklichen Wunsch verschwand, nur um in sein Quartier zurueckzukehren und ins Bett zu gehen.

 

Beckett stand seufzend auf, die Haende in die Hueften gestemmt, waehrend er seinen widerspenstigen Patienten betrachtete.

Sheppard lag schlaff auf dem Bett, seine Beine noch immer zur Seite gedreht, die Fuesse auf dem Boden. Sein Blick war schlaefrig und irgendwie leer, doch war da nach wie vor dieser stoerrische Ausdruck auf seinem Gesicht, als er zu seinen Freunden hochsah. Dieses angestrengte Stirnrunzeln, das zeigte, dass er sich gegen den Einfluss der Medikamente wehrte, und darum kaempfte, bei klaren Verstand zu bleiben,

...die Kontrolle zu behalten.

 

Kontrolle. 

 

Carsons Hand bewegte sich bereits wieder zu seinem Ohr, als Rodney eine stille Eingebung hatte.

 

"Ich werde jetzt eine Trage anfordern und..."

 

"N..nein..."

Sheppards Widerspruch war ein muedes Murmeln, aber er bemuehte sich schon wieder in eine aufrechte Sitzposition zu kommen, doch seine Bewegungen waren langsam und unkoordiniert.

 

"Lassen Sie ihn hierbleiben."

 

Der Blick, mit dem Carson McKay bedachte, war eine Mischung aus Unglauben und Verdruss ueber diese Einmischung.

"Er kann so nicht alleine gelassen weren, Rodney. Er muss ueberwacht werden."

 

"Ich werde ihn beaufsichtigen."

 

"Was?"

 

"Braucht er tatsaechlich medizinische Betreuung?" fragte Rodney. "Werden die Medikamente, die Sie ihm gegeben haben, etwas Fuerchterliches mit ihm anstellen, wenn er nicht kontrolliert wird? Oder braucht er nur jemanden, der ein Auge auf ihn hat, waehrend er auf Wolke 7 schwebt und darauf aufpasst, dass er nicht aus dem Bett faellt und sich den Schaedel einschlaegt?"

 

"Nun..."

 

"Ich kenne diesen sturen Gesichtsausdruck naemlich nur zu gut und ich kann Ihnen gleich sagen, welche Optionen Sie hier haben:

Sie koennen ihn in die Krankenstation zurueckbringen und die restliche Nacht damit verbringen, ihm durch die halbe Stadt hinterher zu jagen, jedes Mal, wenn er sich aus dem Staub macht, sobald Sie ihm den Ruecken zukehren – obwohl ich annehme, dass Sie ihn immer noch ans Bett fesseln koennten, aber ich glaube nicht, dass das besonders gut bei ihm ankommt und er neigt dazu, ziemlich muerrisch auf so etwas zu reagieren – oder Sie koennen ihn hierlassen, wo er ganz offensichtlich lieber ist und wo er sich tatsaechlich etwas ausruhen koennte, und mich ein Auge auf ihn werfen lassen."

 

Rodney beaeugte den sprachlosen Beckett ein klein wenig herablassend.

 

"Ich bin weit und breit die kluegste Person in dieser Stadt. Da werde ich es doch wohl schaffen, den Babysitter fuer einen einzelnen mit Drogen vollgepumpten Colonel zu spielen."

 

Carson sah ihn an, als wenn ihm ploetzlich ein zweiter Kopf gewachsen waere, doch Sheppard sass aufrecht im Bett, zugegebenermassen mit einer leichten Schlagseite, und unter seinem starr konzentrierten Blick schimmerte noch immer die sprichwoertliche Sturheit durch, aber seine Augen waren nun voller Hoffnung... und nicht ohne Dankbarkeit.

Ronon schlich noch immer um das Bett herum, als wenn er jede Minute erwartete, Sheppard wieder auffangen zu muessen, jedoch betrachtete er Rodney jetzt eingehender.

Beckett sah unsicher erst Rodney dann Sheppard an, und Rodney wusste, dass dieser dasselbe wie er in Sheppards Augen gesehen hatte.

In Anbetracht dieser Niederlage sackten die Schultern des Arztes nach unten und Rodney sah, wie sich durch die Erleichterung Sheppards Gesichtszuege entspannten, noch bevor Carson auch nur ein Wort gesagt hatte.

 

"In Ordnung. Das wird gehen, er braucht nur... Whoa!"

Alle drei stuerzen wieder vor, als Sheppard kippte, doch Ronon hatte sowas schon erwartet, er griff sich ihn und liess ihn zurueck auf das Bett sinken. Und dieses Mal protestierte Sheppard auch nicht, als Ronon gleich noch seine Beine mit auf das Bett legte, seine Augenlider wurden schwer, als sein eiserner Wille etwas nachgab.

 

"Er braucht nur jemanden, der auf ihn aufpasst," begann Carson erneut, waehrend seine Stimme diesen belehrenden Tonfall annahm, den Rodney nur allzu gut von seinen eigenen Erfahrungen als Patient her kannte.

"Das Demerol hat ihn ziemlich muede gemacht, so dass er sehr wahrscheinlich einfach nur schlafen wird, aber sollte er aufwachen, versuchen Sie ihn davon abzuhalten, zu viel umher zu wandern und lassen Sie ihn nirgendwo alleine hingehen. Sollte er fallen und sich etwas brechen, werde ich Sie zur Verantwortung ziehen, und sollte er sich die Rippen erneut anschlagen, wird er das am Morgen sehr bereuen und sicher dafuer sorgen, dass es Ihnen nicht anders ergeht."

 

Carson sah auf seinen Patienten herunter. McKay konnte praktisch sehen, wie sich all die verkrampften Muskeln entspannten, die Falten auf der Stirn des Colonels glaetteten sich und er vermutete, dass Carson mittlerweile realisiert hatte, dass es so wahrscheinlich das Beste war. Rodney hatte die Wahrheit gesagt, als er behauptet hatte, dass Sheppard auf der Krankenstation keine Ruhe finden wuerde.

 

"Das Demerol sollte seine Schmerzen fuer weitere zwei Stunden unter Kontrolle halten, aber ich werde gleich noch jemanden mit ein paar Schmerztabletten vorbeischicken. Sollte er in der Nacht aufwachen und Schmerzen haben, versuchen Sie ihn dazu zu bringen welche zu nehmen."

 

Rodney warf Carson einen mitleidigen Blick zu

"Solange das Zeug was taugt..." gab er genervt zureuck.

 

"Versuchen Sie es einfach, Rodney… bitte," seufzte Beckett, sein mueder Tonfall konnte die Verzweiflung in seiner Stimme nicht verbergen.

"Ich weiss, dass Colonel Sheppard es nicht mag, wie er sich unter dem Einfluss von Medikamenten fuehlt, aber er tut sich selbst keinen Gefallen damit, wenn er sie verweigert."

 

"Hey, bei mir rennen Sie da offene Tueren ein," versicherte McKay ihm. "Und erinnern Sie mich daran, dass ich besonders auf meine Inter-Dingsbums-Muskeln aufpasse..."

 

"Interkostal..." murmelte Carson hilflos.

 

"… wenn das so sehr weh tut. Wie hat er sie sich ueberhaupt gequetscht? Ich wusste noch nicht einmal, dass es so etwas wie diese Inter-was auch immer ueberhaupt gibt..."

 

"Er hat nicht richtig abgeblockt," grummelte Ronon und Rodney bedachte ihn mit einem herablassenden Blick.

 

"Also habe ich Recht gehabt, oder? Sie beide haben sich gegenseitig verdroschen und wundern sich nun, warum so etwas mit gebrochenen Fingern und gequetschten Inter-Dingens endet..."

 

"Interkostal... das sind die Muskeln zwischen den Rippen," warf Carson mit einem gequaelten Gesichtsausdruck ein. "Ich glaube, dass sich Colonel Sheppard diese Muskelquetschung bei seinem Sturz neulich auf PX7-8TG zugezogen hat."

 

"Sie haben doch gesagt, dass er ok war nach der Mission! Sie haben ihn doch selbst untersucht!"

 

"Es ging ihm auch gut, Rodney. Es ist moeglich, sich Muskeln zu quetschen oder zu zerren, ohne dass man dies von aussen anhand eines Blutergusses oder dergleichen sehen kann, und die Symptome sind oft in den ersten Tagen nicht zu spueren. Colonel Sheppard hat einfach nur Pech gehabt, dass er heute bei dem Training mit Ronon einen Schlag auf dieselbe Stelle abbekommen hat..."

 

"Das war kein Pech," widersprach Ronon. "Er hat nicht richtig abgeblockt..."

 

"... und das hat die Verletzung verschlimmert," Carson ignorierte Ronons Einwurf entschieden und erhob seine Stimme etwas, um ihn zu uebertoenen, als er abschliessend sagte,"... und das resultierte letztendlich in weitaus heftigeren Schmerzen."

 

"Tut mi' leid..."

 

Rodney hatte gedacht, dass Sheppard eingedoest war. Er war waehrend des ganzen Gespraeches still gewesen, die Augen geschlossen, sein Atem tief und gleichmaessig.

Rodney hatte angenommen, dass die Medikamente ihn am Ende doch ausgeknockt hatten.

Kein Glueck gehabt.

 

Sheppard sah aus, als haette er Muehe, die Augen offen zu halten, waehrend er eine vage Handbewegung in Ronons Richtung machte.

"Tut mi' leid we'n dem Fing'r," stellte er schlaefrig klar.

 

"War nicht Ihr Fehler," erwiderte Ronon mit einem leichten Schulterzucken.

 

Sheppard sah ihn finster an, und Rodney konnte sehen, wie er sich zusehends gegen den Einfluss der Medikamente wehrte.

"Doch, war es!" entgegnete er, jedes Wort sorgfaeltig und deutlich artikulierend, mit ernster Miene.

 

Ronon grinste nur, dieses ausgelassene, fast wilde Grinsen, das immer etwas in Rodneys Seele instinktiv dazu brachte, leise aufzuquieken und sich zu verstecken, und sagte zu Sheppard: "Ich werde schon dafuer sorgen, dass Sie beim naechsten Training hierfuer bezahlen."

 

Zu McKays Ueberraschung lachte Sheppard, ein ziemlich albernes Lachen, das mehr einem Kichern aehnelte. Oh ja, Sheppard im Drogenrausch. Das wuerde lustig werden.

 

Carson begann damit, Sheppard ein letztes Mal zu untersuchen. Er ueberpruefte seinen Puls und leuchtete ihm nochmals mit der kleinen Lampe in die Augen, wobei er dessen unkoordinierten Versuch, dieses aufdringliche Licht beiseite zu schieben, muehelos hinwegwischte. Danach hielt er Sheppard denselben Vortrag wie schon Rodney zuvor – Bleiben Sie im Bett, versuchen Sie nicht zu viel umherzulaufen, hauen Sie nicht ab und nehmen Sie die verdammten Schmerztabletten, falls Sie sie brauchen.

 

Ronon lehnte laessig an der Tuer und wartete geduldig darauf, dass Beckett fertig wurde. Und Rodney konnte nicht umhing zu bemerken, dass der Satedaner ihn abschaetzend musterte; mit etwas auf den Lippen, das Rodney -bei jedem anderen- als den Hauch eines Laechelns angesehen haette.

Ronons Blick rief in Rodney das beunruhigende Gefuehl hervor, dass er hier irgendwie bewertet worden war... und dass er den Test bestanden hatte. Doch die Tatsache, dass er keine Ahnung hatte, was das fuer ein Test gewesen war oder welche Note er dabei bekommen hatte, war unglaublich verwirrend.

 

"Rodney?"

 

"Hmm?"
Rodney sprang ganz sicher nicht, wenn Carson pfiff, genauso wenig wie Ronon in Gelaechter ausbrechen wuerde.

 

"Schaffen Sie es, den Colonel ins Bett zu bringen oder soll ich bleiben und helfen?"

 

"Was? Ob ich was tun kann...?"

Rodneys grossmuetige Geste war ein ziemlich spontanes Ding gewesen und er hatte sich keine groesseren Gedanken gemacht, was wohl noch dazu gehoeren koennte, ausser sicher zu stellen, dass der Colonel nicht Amok lief oder aus den Latschen kippte. Er hatte nicht realisiert, dass Carson ihn als Sheppards Kindermaedchen anstellen wollte.

 

"Rodney, falls Sie nicht willens sind..."

 

"Ich bin okay," Sheppard setzte sich langsam und sogar fast in einer einzigen Bewegung wieder auf. Der Ausdruck grimmiger Entschlossenheit war auf sein Gesicht zurueckgekehrt, als er sorgfaeltig seine naechsten Worte artikulierte:

"Ich werde es schaffen, mich alleine auszuziehen, Doc."

Doch sein Blick forderte Carson geradezu heraus zu widersprechen.

 

"Colonel Sheppard…"

 

"Es wird ihm gut gehen."

Rodney konnte den Hauch von Verzweiflung in Sheppards Augen sehen und die Anstrengung, die noetige Konzentration zu wahren, um gefasst genug zu erscheinen, damit Carson endlich gehen wuerde, ihn einfach alleine lassen wuerde.

"Ich werde nach ihm sehen," platzte er heraus. "Ich werde... uh,... ich werde ihn ins Bett bringen und das alles..."

Rodney fuehlte Ronons Blick auf sich ruhen, doch entschlossen ignorierte er beides; den Satedaner und die allmaehlich aufsteigende Hitze in seinem Gesicht.

Dafuer wuerde Sheppard ihm was schulden.

 

Beckett straeubte sich noch immer, doch McKay war nicht gaenzlich ueberrascht, als Ronon ihm ploetzlich Rueckendeckung gab. Amuesiert, mit ein wenig vorgetaeuschter Ungeduld in der Stimme, grummelte er: "Kommen Sie schon, Doc. Sheppard geht's gut."

 

Carson liess sich von dem grossen Krieger Richtung Tuer draengen, Sheppard sass noch immer aufrecht im Bett und es war wohl bloss seine sture Verbissenheit, die ihn unter Carsons starren Blick weiterhin oben hielt.

 

"Ich will Sie morgen frueh zu einer weiteren Untersuchung sehen, Colonel," ordnete Carson an, als Ronon ihn auf den Gang hinaus schob.

 

"Mmm…" Sheppards Grunzen konnte man gerade noch so als zustimmende Antwort werten.

 

Ronon winkte noch schnell mit seiner bandagierten Hand und gab Rodney einen letzten Rat mit auf den Weg:

"Versuchen Sie nicht, sich auch von ihm irgendwelche Finger brechen zu lassen."

Rodney war sich ziemlich sicher, dass der Satedaner gegrinst hatte, als sich die Tuer hinter ihm schloss.

 

 

 weiter oben geht's weiter.....

 
gvlG Julia
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