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Brothers Teil 5

Sodele... hier kommt jetzt der 5. und letzte Teil...
Ich hoffe, die Geschichte hat Euch gefallen?!

Die naechste ist uebrigens auch schon in Arbeit, wird aber wohl noch etwas dauern.
Bis dahin gibt es aber sicher auch noch einige andere Updates, z.B. in punkto Videos... ;o)

Bis dahin:

Viel Spass beim Lesen!

 

  

Und sie rannten. Immer weiter und weiter. Und immer wieder bogen sie an den Kreuzungen in die unterschiedlichsten Richtungen ab, nur sahen die Tunnel dabei stets deprimierend gleich aus.

John konnte McKay neben sich keuchen hoeren, sehr lange wuerde der Kanadier dieses Tempo nicht mehr mitmachen. Aber auch er spuerte, dass seine Kraefte allmaehlich schwanden. Wenn sie nicht bald auf einen Ausgang stiessen, wuerden die Wraiths am Ende leichtes Spiel mit ihnen haben. Und obwohl er ihre Schritte im Augenblick nur noch wie ein Echo aus weiter Ferne vernahm, gab er sich nicht der Illusion hin, ihnen entkommen zu sein. Schon eine kurze Rast, die Rodney, aber auch er selbst, dringend gebraucht haette, konnte fuer sie alle das Ende bedeuten. Also lief er weiter und warf seinem Freund ein aufmunterndes Laecheln zu, das dieser auch tapfer erwiderte.

 

Doch ploetzlich wurde es vor ihnen heller. Sheppard konnte es im ersten Moment gar nicht recht glauben, aber das, was sie sahen, schien tatsaechlich Tageslicht zu sein.

Auch McKay hatte den Lichtschein gesehen, die Hoffnung kehrte auf sein Gesicht zurueck, und er mobilisierte seine letzten Kraftreserven.

 

Nur Augenblicke spaeter schauten sie direkt in die dunkelrote Scheibe einer am Horizont untergehenden Sonne. Und obwohl sie nicht mehr annaehrend die Kraft hatte wie noch am Morgen, blendete sie sie. Ihre Augen, mittlerweile an die tiefe Dunkelheit der Tunnel gewoehnt, begannen zu traenen. Doch das tat ihrer Erleichterung keinen Abbruch.

Nachdem Sheppard die leicht salzige Fluessigkeit weggeblinzelt hatte, sah er sich um.

 

Sie waren auf einer Art natuerlichem Balkon herausgekommen. Ueber ihnen wuchs der Fels fast hundert Meter senkrecht in die Hoehe, bevor er ausklueftete und dann mit den Bergen um sie herum verschmolz. Auch die Felswaende zu ihren Seiten wirkten wie ausgeschnitten, fast schon unnatuerlich glatt zogen sie sich dahin. Nur der Abhang, der sich unter ihnen erstreckte, wirkte, obgleich noch immer steil, nicht ganz so unueberwindbar wie der Rest der Gebirgskette, zu der auch dieser Berg gehoerte. Sie umschloss ein fast kreisrundes Tal, das bis auf einen spaerlichen Grasbewuchs kaum Vegetation zu bieten hatte. Nur hier und dort fand sich ein verkrueppelter Busch oder ein kleiner Baum mit duennen Aesten und nur sehr wenigen Blaettern daran.

 

'Aber vielleicht ist das ja die unabdingbare Konsequenz, wenn sich Wraiths in der Naehe aufhalten?' ueberlegte Sheppard bei dem Anblick des Raumschiffes, das sich inmitten des Tales befand.

Sie waren sofort, nachdem sie das Schiff entdeckt hatten, hinter einem der grossen Brocken abgetaucht, die den Felsvorsprung umsaeumten.

 

Das Hive selbst sah ziemlich mitgenommen aus. Der Bug hatte sich tief ins Erdreich eingegraben, und auch der Rest des Rumpfes wies erhebliche Beschaedigungen auf. Es sah ganz so aus, als waere es vor einer sehr, sehr langen Zeit abgestuerzt. Doch diese Einschaetzung traf ungluecklicherweise nicht auf die Darts zu, die zu Dutzenden am Himmel herumschwirrten. Nur wenige von ihnen waren noch am Boden.

Es hatte den Anschein, als suchten sie nach irgendetwas... oder irgendwen.

Und Sheppard konnte sich leicht ausmalen, wer das Ziel dieser Suche sein sollte.

 

"Und was machen wir jetzt?" fragte McKay unsicher.

 

"Zunaechst einmal sollten wir von diesem Podest runter," entgegnete Sheppard. "Von dort unten sind wir vermutlich nicht zu sehen, aber jeder Dart, der zufaellig in die Naehe des Berges kommt, wird uns bemerken. Und nicht zu vergessen, die Meute da drinnen, die uns hoechstwahrscheinlich noch immer auf den Fersen ist..."

 

"Aber wo sollen wir hin? Der Abhang unter uns sieht nicht besonders vertrauenserweckend aus, und da unten gibt es leider auch rein gar nichts, wo wir uns verstecken koennten," ueberlegte Rodney laut. "Nur dummerweise scheint dies der einzige Weg zu sein, es sei denn, einer von Euch kann wie Spiderman an senkrechten Felswaenden hoch krabbeln."

 

"Das waere jetzt wirklich hilfreich," antwortete Sheppard, waehrend er, seinen Kopf in den Nacken gelegt, nach oben schaute. Der Wraith schaute die beiden Menschen daraufhin einen Moment skeptisch und etwas verstaendnislos an, bevor er sagte:

 

"Kommt mit."

 

McKay warf seinem Freund einen fragenden Blick zu, den dieser nur mit einem Achselzucken beantwortete und dann dem Wraith folgte. Ergeben seufzte Rodney auf und schloss sich den anderen an.

Der Wraith fuehrte sie, immer auf Deckung bedacht, ein paar Meter den Abhang hinunter. Dabei mussten sie aufpassen, dass sie auf dem lockeren Untergrund nicht den Halt verloren. Der Teil des Berges unterhalb der Plattform glich in seiner Konsistenz eher einer Geroellhalde als festem Gestein. Ein falscher Schritt wuerde womoeglich den ganzen Hang zum Rutschen bringen und sie unter sich begraben.

Doch dieses Mal schien ihnen das Glueck hold zu sein, denn nach nur wenigen Minuten erreichten sie mehr schlitternd als wirklich gehend oder kletternd eine kleine Hoehle, die sich unmittelbar unter dem Vorsprung befand, den sie soeben verlassen hatten. Der Eingang zu ihr war schmal, gerade breit und hoch genug, um einen Wraith hindurch zu lassen. Die Hoehle mass kaum sieben oder acht Meter im Durchmesser und endete in ihrem Inneren schon bald an einer Felswand.

Anerkennend nickte John dem Wraith zu. Dieses Versteck war fuer den Moment geradezu perfekt. Hier waren sie vor zufaelligen Blicken der Darts geschuetzt und wuerden sich im Notfall auch gut verteidigen koennen, da es nur diesen einen Zugang gab. Ausserdem befanden sich in der Hoehle noch zwei grosse Felsquader, hinter denen sie sich verschanzen konnten.

Auch Rodney schien zu dieser Erkenntnis gekommen zu sein, denn er liess sich erleichtert aufatmend gegen einen der Felsbrocken sinken, bevor er fragte:

 

"Und wie geht es jetzt weiter? Ich meine, wie wollen wir es schaffen, ungesehen zum Stargate zu kommen? Ach, und nebenbei gefragt, wo ist das Tor ueberhaupt? Ich glaube, ich habe waehrend dieses wahnwitzigen Verwirrspiels da drinnen irgendwie die Orientierung verloren."

 

"Das Stargate, wie Du es nennst, Rodney McKay, befindet sich auf der anderen Seite des Berges," antwortete der Wraith geduldig.

Der Wissenschaftler zuckte bei diesen Worten leicht zusammen. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sich das Gate praktisch ausserhalb ihrer Reichweite befand, sondern vielmehr deswegen, weil ihn der Wraith das erste Mal mit seinem Namen angesprochen hatte. Dies rief recht widerspruechliche Gefuehle in ihm hervor. Einerseits rieselte ihm bei dem Klang ein leichter Schauer ueber den Ruecken, aber andererseits erfuellte es ihn auch mit einer gewissen Befriedigung, dass sich der Wraith seines Namens sehr wohl bewusst war. Und ploetzlich kreuzte eine andere Frage seine Gedankengaenge.

 

"Sag mal, wie ist eigentlich Dein Name?"

 

Sheppard schaute verbluefft erst McKay und dann den Wraith an. Natuerlich hatte ihm diese Frage selbst schon ein... zweihundert Mal auf der Zunge gelegen, aber irgendwie hatte sich nie die richtige Gelegenheit ergeben. Doch dass gerade Rodney jetzt den Mut aufbrachte, den Wraith danach zu fragen, ueberraschte ihn ein wenig.

Auch der Kanadier schien sich jetzt ebenfalls seiner Kuehnheit bewusst zu werden, denn er setzte beschwichtigend hinzu:

 

"Ich meine natuerlich nur, wenn es mir erlaubt ist, Dir diese Frage zu stellen, und Ihr Wraiths tatsaechlich auch Namen habt. Ich weiss, Sheppard hier, hat schon diverse Male versucht..."

 

"Gabriel..."

 

"Was?"

 

"Das ist mein Name," erlaeuterte der Wraith ungewoehnlich ruhig. "Ja, Rodney McKay, wir Wraiths haben Namen, aber nur die wenigsten Menschen sind wuerdig, diese auch zu erfahren."

 

Sprachlos starrten die beiden Maenner den Wraith an. McKay, weil er im Grunde gar keine Antwort erwartet hatte, und Sheppard, weil er schlichtweg nicht glauben konnte, dass es Rodney mit nur einer einzigen simplen Frage geschafft hatte, dieses Geheimnis, das ihn schon seit seiner ersten Begegnung mit einem Wraith beschaeftigte, zu lueften.

 

Ein leises Laecheln stahl sich auf Gabriels Lippen, als er die zwei Menschen betrachtete, die ihn mit offenen Muendern anstarrten.

Sheppard fand als Erster seine Sprache wieder.

 

"Schoen.... Gabriel...?! Freut mich, dich kennenzulernen!"

 

"Ja... ge...genau," stotterte Rodney bestaetigend.

 

Gabriel deutete daraufhin ein Nicken an, das in diesem Moment wahrscheinlich alles haette bedeuten koennen.

 

"Fein, nachdem wir das jetzt also auch geklaert haetten," fuhr John fort, wobei er McKay einen letzten irritierten Seitenblick zuwarf, "... koennen wir ja anfangen zu ueberlegen, wie wir am besten von diesem gottverdammten Planeten runterkommen. Also, falls einer von Euch eine wie auch immer geartete Idee dazu hat... ich bin ganz Ohr."

Erwartungsvoll sah Sheppard seine Begleiter an, wobei sein Blick deutlich laenger an dem Kanadier haengen blieb. Als dieser das realisierte, entgegnete er in gewohnt ironischer Manier:

 

"Oh, ja, natuerlich... hier bin ich wieder gefragt... wie eigentlich immer, wenn ich bemerken darf..." doch ploetzlich begann er hektisch mit den Fingern zu schnipsen.

"Warten Sie mal, ich glaube, ich habe da tatsaechlich eine Idee! Auch wenn ich mir sicher bin, dass sie mir persoenlich nicht unbedingt zusagt, und sie eigentlich auch ziemlich verrueckt ist, so koennte es trotzdem die einzige Moeglichkeit sein, von hier zu entkommen. Sie ist ausserdem ziemlich riskant und einer von uns muesste ..."

 

"McKay!"

 

"Wie..?"

 

"Ihre Idee! Ruecken Sie endlich raus damit!" forderte John genervt.

 

"Ach so, ja... es ist eigentlich ganz einfach. Wir klauen einen der Darts," eroeffnete Rodney ihnen und grinste dabei voller Selbstzufriedenheit.

In der ersten Sekunde starrte Sheppard den Wissenschaftler verstaendnislos an, doch schon im naechsten Moment hellte sich seine Miene auf, als er den Plan dahinter erkannte.

 

"Das ist es!" meinte er begeistert. "Wir machen es so wie damals, als ich mit Teyla und Ronon von dem Hive gefluechtet bin. Ich wusste doch, dass Ihnen etwas einfaellt, Rodney! Allerdings war mir nicht bewusst, dass Sie so kleptomanisch veranlagt sind," schob er augenzwinkernd hinterher.

Dann wandte sich John an Gabriel.

 

"Meinst Du, dass Du es schaffen koenntest, einen der Darts zu...hm... besorgen? Ich koennte mir gut vorstellen, dass sie einem einzelnen Wraith nicht allzu viel Beachtung schenken, denn letztendlich sind sie ja auf der Suche nach zwei Menschen in Begleitung eines Wraiths."

 

"Uh... einen Moment," unterbrach ihn McKay. "Ich dachte eigentlich, dass Sie uns den Dart besorgen und uns dann einsammeln? Oder wie auch immer man das nennen soll..."

Der Gedanke, sich freiwillig von einem Wraith, auch wenn es sich dabei um diesen Wraith handelte, einsaugen zu lassen, machte ihn nervoes.

"Schliesslich haben Sie das doch schon einmal gemacht..."

 

"Ja, Rodney, das habe ich. Aber vielleicht erinnern Sie sich auch daran, dass Sie mir beim letzten Mal ein Computer-Interface eingebaut haben, mit dessen Hilfe ich das Ding steuern konnte. Und selbst das hat nicht einwandfrei funktioniert. Ihr R2D2-Verschnitt hat sich naemlich schlichtweg geweigert, den Autopiloten auszuschalten, weshalb ich die Leute blind rematerialisieren musste," erklaerte Sheppard gereizt und mit einem leichten Schaudern musste er daran denken, dass dieses Manoever zwei von Fords Leuten das Leben gekostet hatte.

Ohne weiter auf McKays entruesteten Gesichtsausdruck zu achten, drehte er sich wieder zu dem Wraith um.

 

"Also, was meinst Du? Schaffst Du es, uns mit einem der Gleiter hier rauszuholen und durch das Stargate zu einem netten unbewohnten Planeten zu bringen?"

 

"Ich meine, dass ich es schaffen kann," antwortete Gabriel in einem leicht spoettischen Tonfall. "Ihr wartet hier. Doch wenn ich zurueckkomme, solltet Ihr im Freien sein, andernfalls kann ich den Strahl nicht einsetzen," fuegte er noch hinzu und verschwand nach draussen.

 

"Na klar!" antwortete John und folgte ihm noch bis zum Ausgang der Hoehle, wo er beobachtete, wie der Wraith geschickt die restlichen Meter des Abhanges ueberbrueckte und sich dann zielstrebig dem Hive zuwandte. Dann kehrte er ins Innere zurueck, wo McKay noch immer mit einem Ausdruck zwischen Argwohn und Verunsicherung auf dem Gesicht auf ihn wartete.

 

"Was?"

 

"Ich glaube immer noch, dass es besser gewesen waere, wenn Sie geflogen waeren," erwiderte der Kanadier verunsichert.

 

"Haben Sie mir vorhin nicht zugehoert, McKay? Ford hat zwei seiner Leute verloren, weil ich den verdammten Dart nicht richtig bedienen konnte!" herrschte John ihn an.

 

"Aber Sie betonen doch immer, dass Sie alles fliegen koennen!" konterte Rodney.

 

Sheppard verdrehte die Augen.

"Ok, dann erklaeren Sie mir doch bitte, wie ich es Ihrer meiner Meinung nach haette schaffen sollen, diese Ebene da unten zu ueberqueren, ohne gesehen zu werden? Wie Sie selbst vorhin erklaert haben, gibt es dort nichts, was einem auch nur annaehrend Deckung bieten koennte. Gabriel hingegen kann sich ganz frei bewegen," entgegnete er und schaute seinen Gegenueber herausfordernd an.

McKay setzte zu einer Antwort an, doch dann schloss er seinen Mund wieder, da er sich zu seinem Leidwesen eingestehen musste, dass Sheppard eindeutig Recht hatte.

 

"Es ist einfach nur so... so... "

 

"Ich weiss schon, was Sie meinen, Rodney," sagte John nun sehr viel ruhiger. "Und unter anderen Umstaenden wuerde ich mich wahrscheinlich auch erstmal auf meinen Geisteszustand hin untersuchen lassen. Ich meine, der Gedanke, sich aus freien Stuecken von einem Wraith in einen Dart einsaugen zu lassen, ist schon irgendwie ganz schoen verrueckt, nicht wahr?" fuegte er schmunzelnd hinzu.

 

Und die Tatsache, dass Sheppard denselben Gedanken hatte, wie er selbst vor gar nicht allzu langer Zeit, liess auch McKay wieder laecheln. Und dieses Laecheln wurde sogar noch breiter, als sein Freund das letzte, all seine Zweifel aus dem Weg raeumende Argument brachte.

 

"Und stellen Sie sich nur mal vor, der Dart wuerde vielleicht abgeschossen werden, und man haette wieder einmal nur genug Energie, um einen von uns aus der Maschine zu holen... Wen moechten Sie dann lieber in ihrem Kopf haben? Mich oder Gabriel?"

 

"Ok, ok, Sie haben gewonnen!" kapitulierte er grinsend. "Auch wenn ich mir nicht so sicher bin, ob es wirklich ein Vergnuegen waere, Sie in meinem Kopf zu haben... vielleicht entscheide ich mich ja dann doch lieber fuer den Wraith. Der quatscht nicht so viel!"

 

"Rodney!" Sheppards Stimme klang entruestet. Doch dann stimmte er in McKays Lachen mit ein. "Das heisst also, dass Sie jetzt nichts mehr gegen meinen Plan einzuwenden haben?"

 

"Nun ja, eigentlich war es ja mein Plan," hielt dieser dagegen. "Und nein, ich habe keine Einwaende mehr..." doch dann stockte er ploetzlich, und seine Augen weiteten sich angstvoll. "Aber... aber die vielleicht..." und zeigte zitternd auf den Eingang der Hoehle.

 

Sheppard fuhr herum und erstarrte.

Vor ihm standen vier Wraiths, drei dieser gesichtslosen Krieger und einer der Hoehergestellten, wie Gabriel sie genannt hatte. Und jeder von ihnen hielt eines dieser Stunnergewehre in den Haenden.

Im Stillen verfluchte sich John, dass er durch die kleine Debatte mit Rodney so unaufmerksam gewesen war. Doch das aenderte nun auch nichts mehr.

Langsam hob er die Arme, um den Gruengesichtigen zu signalisieren, dass sie sich nicht wehren wuerden. Er spuerte, wie McKay hinter ihm seinem Beispiel folgte. Im Augenblick war es nur wichtig, dass sie bei Bewusstsein blieben. Moeglicherweise ergab sich ja spaeter noch eine Chance zur Flucht.

 

Sie wurden entwaffnet und dann dirigierte der Anfuehrer sie mit einem hoehnischen Fauchen aus der Hoehle heraus, wobei er seine Waffe brutal in Sheppards Ruecken bohrte. Dieser verzog schmerzerfuellt das Gesicht, doch er gab keinen Laut von sich.

 

'Diese Genugtuung werde ich Dir ganz bestimmt nicht goennen!' dachte John grimmig.

 

McKay stolperte eingeschuechtert hintenher, sorgfaeltig darauf bedacht, den Wraiths keinen Anlass zu geben, ihn ebenfalls zu quaelen. Doch als sie gerade die Hoehle verlassen und den geroelluebersaeten Abhang erreicht hatten, stiess einer der Gesichtslosen, dem es anscheinend nicht schnell genug ging, auch Rodney seine Waffe in den Ruecken.

McKay strauchelte. Er bemuehte sich verzweifelt, die Balance zu halten. Und fast waere es ihm auch gelungen, wenn sich nicht ploetzlich ein Stein unter seinem linken Fuss geloest haette und er endgueltig ins Rutschen geraten waere. Vergeblich versuchte er noch, sich an irgendetwas festzuhalten, doch seine Haende griffen ins Leere. Dann stuerzte er, sich immer und immer wieder ueberschlagend, den Abhang hinunter und blieb an dessem Ende bewegungslos liegen.

 

"Rodney!" entfuhr es Sheppard panisch. Er wollte ihm gerade nachsetzen, als der Wraith ihn roh am Arm packte und herumriss.

 

"Du bleibst!" knurrte er.

 

"Ach, wirklich? Das werden wir ja sehen!" entgegnete Sheppard wutentbrannt und wollte ihm mit seiner freien Hand einen Hieb versetzen, doch der Wraith sah den Schlag kommen und wich geschickt aus.

Ploetzlich explodierte eine Faust in Johns Gesicht. Die Wucht des Schlages liess ihn gegen einen anderen Wraith taumeln. Und fuer einen kurzen Augenblick griff eine schwarze Hand nach seinem Bewusstsein, doch er draengte sie zurueck. Benommen richtete er sich wieder auf. Er schmeckte Blut in seinem Mund. Und provozierend spuckte er es dem Wraith vor die Fuesse.   

Doch dieser grinste nur haehmisch und sagte:

 

"Das wird Dir schon noch vergehen, wenn wir erstmal mit Dir und Deinem Freund fertig sind. Und jetzt hoch da!"

 

Er deutete mit seiner Waffe auf den Tunneleingang ueber ihnen, durch den sie zuvor ins Freie gelangt waren. Dann wies er zwei der Krieger wortlos, nur durch ein kehliges Fauchen an, den anderen Menschen zu holen, der noch immer am Grund des Hanges lag.

 

Auch Sheppard schaute zu seinem Freund hinunter und stellte dabei erleichtert fest, dass dieser gerade wieder zu sich kam. Muehsam hob McKay den Kopf und sah zu ihm hoch. Sein Gesicht spiegelte Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wider.

Und erschrocken registrierte John, dass die beiden Gesichtslosen schon den halben Weg hinter sich gebracht hatten.

 

'Verdammt!' dachte er. 'Ich muss irgendetwas tun. Wir muessen um jeden Preis hier draussen bleiben!'

Und ohne sich wirklich bewusst zu sein, was er tat, rammte er dem Wraith, gegen den er zuvor getaumelt war, mit aller Kraft, die er noch aufbringen konnte, seinen Ellenbogen in die Rippen. Dieser knickte wohl mehr aus Ueberraschung als vor wirklichen Schmerz in sich zusammen. Mit einer geschickten Bewegung entwand Sheppard ihm seine Waffe und schlug blitzschnell zu. Er hatte mit dem Griff des Stunners direkt auf den Kehlkopf des Kriegers gezielt, so dass dieser jetzt tatsaechlich vor Schmerzen keuchend zu Boden ging.

Augenblicklich fuhr John herum und schoss auf die beiden anderen Wraiths, die mittlerweile schon fast bei McKay angelangt waren. Und es kam fast einem Wunder gleich, dass er sie beide sofort erwischte. Doch dann bemerkte er aus den Augenwinkeln, dass der Anfuehrer jetzt auf ihn anlegte. Schlagartig wurde ihm klar, dass er keine Zeit haben wuerde, sich erneut umzudrehen und zu zielen, geschweige denn zu schiessen.

Und so liess er sich fallen.

Keine Sekunde zu frueh, denn der Strahl aus dem Stunner schoss in diesem Augenblick nur Zentimeter ueber seinen Kopf hinweg. Er rollte sich so gut es ging zusammen und versuchte, seinen Kopf mit den Armen zu schuetzen, waehrend er fast unkontrolliert den Abhang hinunterstuerzte. Die Waffe, die ihm jetzt nur hinderlich gewesen waere, hatte er laengst losgelassen.

 

Rodney starrte entsetzt auf das bizarre Geschehen, das sich dort vor seinen Augen abspielte. Und gerade als er sich aufrichtete, um seinem Freund zu Hilfe zu kommen, sah er, wie der verbliebene Wraith ueber ihnen abermals anlegte und schoss.

Und dieses Mal fand der Betaeubungsstrahl sein Ziel.

Wie in einem Krampf baeumte Sheppard sich auf und fiel die letzten Meter bewusstlos weiter, bis er schliesslich am Ende des Hanges, nur wenige Schritte von McKay entfernt, liegen blieb.

Fassungslos schaute Rodney noch eine Sekunde auf den regungslosen Koerper seines Freundes, bevor er wieder nach oben sah.

Nun war die Waffe des Wraiths direkt auf ihn selbst gerichtet.

Und in Erwartung des Unvermeidlichen schloss er die Augen.

So sah er den Dart nicht, der in diesem Moment mit aktivierten Beamstrahl auf sie zuflog.

Und er hoerte auch nicht mehr den wuetenden Aufschrei des Wraiths, als seine sicher geglaubte Beute von dem Strahl erfasst und entmaterialisiert wurde.

 

Langsam lichteten sich die dunklen Schwaden der Bewusstlosigkeit. Und das Erste, was Rodney sah, als er die Augen aufschlug, waren zwei tiefschwarze Punkte, die ihn aus einem kleinen pelzigen Gesicht heraus beobachteten.

Mit einem ueberraschten Laut fuhr er hoch, worauf das Wesen veraengstigt die Flucht ergriff.

Irritiert blickte er dem Fellknaeuel, das ihn entfernt an ein Eichhoernchen von der Erde erinnerte, nach, wie es blitzschnell in dem nahe gelegenen Wald verschwand.

 

"... 'tschuldigung," murmelte er mit matter Stimme, nachdem er sich von dem ersten Schrecken erholt hatte. Dann sah er sich um. Er war auf einer hellen Lichtung aufgewacht, die von einem dichten dunkelgruenen Wald umgeben war. Etwa fuenfzig Meter von ihm entfernt befand sich ein Stargate, dessen metallischer Ring in der Sonne funkelte, als waere er auf eine sonderbare Art und Weise lebendig.

 

Wo war er? Was war geschehen? Wie kam er hierher?

Irgendwie schien es, als wenn sein Erinnerungsvermoegen noch in dem schwarzen zaehfluessigen Sumpf stecken wuerde, aus dem er sich selbst gerade erst befreit hatte.

Doch dann formten sich erste traege Bilder in seinem Kopf.

Ein endlos erscheinendes Gebirge. Steile Felswaende. Ein Wraith, der einen Stunner auf ihn richtete. Und ein Mann, der bewusstlos einen Abhang hinunterstuerzte.

 

"Sheppard!"

 

Ploetzlich war alles wieder da. Die Flucht aus dem Tunnelsystem. Gabriel. Die Wraiths, die sie aufgespuert hatten...  

Entsetzt fuhr er in seiner halb liegenden Position herum und entdeckte seinen Freund, der hinter ihm im Gras lag. Er ruehrte sich nicht.

 

"Sheppard!" rief er nochmals, waehrend er zu ihm hinueber kroch. Die Uniform des Colonels war staubig von dem Sturz, und sein Gesicht und seine Haende wiesen mehrere Schuerfwunden auf. "Wachen Sie auf!"

 

Und gerade als McKay versuchen wollte, ihn wachzuruetteln, begann dieser sich zu bewegen. Ein leises Stoehnen kam ueber seine Lippen, als er die Augen oeffnete und Rodney ein wenig verwirrt ansah.

 

"Hi..." begruesste er den Kanadier mit schwacher Stimme.

 

"Hi!" erwiderte McKay erleichtert. "Wie geht es Ihnen?"

 

"Dasselbe wollte ich Sie auch gerade fragen," meinte Sheppard, waehrend er sich vorsichtig aufrichtete. "Sie sehen naemlich so aus, wie ich mich fuehle."

 

"Wie..?" fragte Rodney im ersten Moment verstaendnislos nach, doch dann wurde ihm klar, was John gemeint haben koennte und begann behutsam sein Gesicht abzutasten. Und dem Brennen nach zu urteilen, das er an diversen Stellen verspuerte, als seine Finger sie beruehrten, sah er wahrscheinlich nicht sehr viel besser aus als sein Gegenueber.

 

"Wir sollten uns in der Zukunft wirklich einen anderen Weg suchen, um steinernde Abhaenge zu ueberwinden, als uns einfach nur hinunter zu stuerzen," witzelte er.

 

"Da muss ich Ihnen ausnahmsweise mal zustimmen, Rodney," entgegnete Sheppard trocken. "Ok, andere Frage... Wo sind wir hier?"

 

"Ich habe keine Ahnung!"

 

"Wie? Sie haben keine Ahnung? Aber Sie muessen doch mitbekommen haben, ob Gabriel es geschafft hat, uns einzusammeln... " fuhr Sheppard verwirrt fort. "Wo ist er ueberhaupt?"

 

"Ich weiss es nicht. Das Letzte, an das ich mich erinnern kann, ist, dass der Wraith mit seiner Waffe auf mich gezielt hat. Dann habe ich wohl die Augen zugemacht und... " etwas verlegen machte McKay eine kurze Pause, ".... und, naja, als naechstes bin ich dann hier aufgewacht."

 

Aber noch bevor John etwas darauf erwidern konnte, nahmen sie das vertraute Geraeusch eines sich aktivierenden Sternentores wahr. Angespannt starrten sie auf den wabernden Ereignishorizont, der sich Sekunden spaeter gebildet hatte. Es war keine Zeit mehr geblieben, sich in dem Wald zu verstecken, und so konnten sie nur hoffen, dass, wer oder was auch immer dort gleich auftauchen wurde, ihnen freundlich gesonnen war.

Und schon im naechsten Augenblick schoss ein Wraith-Dart durch den kuenstlichen Horizont, flog eine kleine Schleife ueber ihren Koepfen und setzte dann zur Landung an.

Das Kabinendach des Cockpits loeste sich auf, und Gabriel stieg aus dem Dart.

 

"Wo hast Du gesteckt?" polterte McKay sofort ohne nachzudenken los.

 

"Moechtest Du das wirklich wissen, Rodney McKay?" erwiderte der Wraith sueffisant.

 

Unvermittelt bildete sich ein dicker Kloss in Rodneys Hals, als er die Tatsache bedachte, die diese Gegenfrage implizierte.

 

"Uh... nein... nicht wirklich. Tut mir leid," meinte er erschrocken, waehrend er heftig schluckend versuchte, den Widerstand in seiner Kehle hinunter zu wuergen.

 

Auch Sheppard verspuerte ein dumpfes Kribbeln, als ihm klar wurde, was der Wraith aller Wahrscheinlichkeit nach in der Zwischenzeit getan hatte. Und um sich, aber vor allem auch Rodney, davon abzulenken, meinte er:

 

"Ich denke, wir sollten uns zunaechst einmal bedanken, dass Du uns da rausgeholt hast. Also... nun ja....Danke. Aber mich wuerde jetzt doch mal interessieren, warum Du das eigentlich getan hast. Ich weiss, Du hast gesagt, dass wir beide so etwas wie... wie Brueder sind. Und vielleicht sind wir das auch... ich muss gestehen, es fuehlt sich zumindest so an... nun ja... soweit ich das beurteilen kann... " versuchte er krampfhaft seine Gefuehle in Worte zu kleiden, "... aber waren die anderen Wraiths auf dem Planeten denn nicht auch Deine Brueder? Und warum hast Du sie dann verraten? Ehrlich gesagt, verstehe ich das alles nicht."

 

"Nein, John Sheppard, diese Wraiths sind ganz gewiss nicht meine Brueder," erklaerte Gabriel bestimmt. "Diese Wraiths dort auf dem Planeten sind Abtruennige. Ausgestossene, die sich den Groll ihrer Koenigin zugezogen haben, in dem sie sich gegen sie aufgelehnt, Befehle missachtet oder mit einem Menschen die Lebenskraft geteilt haben. So wie ich. Den Ort, den Ihr gesehen habt, ist eine Kolonie der Verbannten. Eine Art Zweckgemeinschaft... mehr nicht.

Du musst wissen, auch bei uns bedeutet das Wort Bruder mehr als nur von derselben Spezies zu sein. Es ist vielmehr das, was Du fuer Charly empfunden hast. Das Band zwischen zwei Individuen, das aus einer tiefen Verbundenheit und Freundschaft heraus entsteht."

 

Sheppard schaute den Wraith bei diesen Worten nachdenklich an. Er hatte also tatsaechlich das Gespraech zwischen ihm und Rodney mitbekommen. Abermals ueberkam ihn das Gefuehl tiefer Traurigkeit, als er an seinen Freund von damals zurueckdachte. Aber ihm wurde auch bewusst, dass es tatsaechlich moeglich war, diese Art von Zuneigung in einem anderen Menschen oder, wie in seinem Fall, in einem Wraith wiederzufinden. Sofern man demjenigen die Chance dazu liess. Diese Erkenntnis staerkte und verunsicherte ihn gleichermassen. Ploetzlich fuehlte er sich sehr verletzlich. Er hatte es zugelassen, dass dieser Wraith sein Innerstes beruehrte, das er normalerweise hinter einem soliden Panzer verbarg. Und damit musste er von nun ab versuchen zu leben.

 

"Und im Gegensatz zu Euch Menschen koennen wir dieses Band noch viel fester knuepfen, in dem wir unsere Lebensenergie teilen," fuhr Gabriel fort. "Auf diese Art sind fuer immer miteinander auf einer Ebene verbunden, die ueber das logische Denken und Handeln hinausgeht. Und das ist es, was Dir widerfahren ist, John Sheppard. Ich hoffe, Du verstehst jetzt."

 

Langsam nickte John.

Ja, er hatte es verstanden. Obwohl es weniger die Worte des Wraiths waren, als vielmehr die Gefuehle, die er ihm dabei unterschwellig uebermittelt hatte.

 

"Und was wird jetzt werden?" fragte er leise.

 

"Das weiss niemand so genau," antwortete Gabriel unbestimmt. "Aber Ihr solltet jetzt wohl am besten nach Hause zurueckkehren."

 

"Und was ist mit Dir? Ich dachte, Du wuerdest uns begleiten?"

 

Sheppard hoerte, wie McKay neben sich ueberrascht die Luft einsog. Und auch der Wraith lachte heiser auf, bevor er sagte:

 

"Nein, Sheppard, Eure Welt ist nicht die meine. Ebenso wie sich Euer Weg von dem meinen unterscheidet."

 

"Aber Du koenntest uns eine Menge erzaehlen und erklaeren... ich meine ueber die Wraiths... " erwiderte er halbherzig, wusste er doch genau, dass der Wraith Recht hatte.

Und dieser schaute ihn auch nur stillschweigend an.

"Ok, na schoen. Aber was ist, wenn wir uns mal wieder ueber den Weg laufen?"

 

Ein Laecheln umspielte Gabriels Lippen, als er Sheppard daraufhin noch kurz ansah und sich dann seinem Dart zuwandte. Doch er brauchte auch nichts zu sagen, denn John kannte die Antwort bereits.

Dann beobachteten die beiden Menschen, wie der Gleiter abhob und kurz darauf durch das Stargate verschwand.

Nach einem Moment der Stille, in dem sie beide ihre Gedanken hatten schweifen lassen, meinte Rodney:

 

"Dann sollten wir wohl auch aufbrechen, oder? Was meinen Sie, ob die uns wohl was zu Essen aufgehoben haben? Ich sterbe vor Hunger!"

 

Fuer einen Moment musterte John den Kanadier irritiert. Dieser Mensch war einfach unverbesserlich, doch er war auch sein Freund. Und nach diesem Tag wahrscheinlich mehr denn je. Und grinsend antwortete er:

 

"Ja, Rodney, ich auch!"

 

 

ENDE

 

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