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Brothers Teil 3

Und weiter geht's....

Viel Spass beim Lesen!




"Ah, Sheppard," entgegnete der Wraith und liess ein leises, heiseres Lachen ertoenen.

 

John haette den Wraith, der ihm waehrend seiner Gefangenschaft bei Kolya mehrmals einen Teil seiner Lebenskraft geraubt hatte, ueberall wiedererkannt. Sein Haar war noch genauso verfilzt wie damals. Und das sternenfoermige Tattoo um sein linkes Auge herum hatte sich tief in sein Gedaechtnis eingebrannt.

 

"Was tust Du hier?" fragte John irritiert. "Warum..." er zoegerte kurz, weil er nicht wusste, ob das, was er sagen wollte, ueberhaupt der Wahrheit entsprach, "... hilfst Du mir? Ich hatte angenommen, dass unser Konto ausgeglichen ist."

 

"Das war immer nur Dein Standpunkt, Sheppard," antwortete der Wraith ausweichend.

"Doch jetzt komm. Wir muessen hier weg. Es werden andere kommen, um nach diesem hier...," er deutete auf den betaeubten Wraith, "... zu suchen."

 

Daraufhin entzuendete der Wraith eine Art Lampe, und Sheppard kniff fuer einen Moment geblendet die Augen zusammen. Als er sie wieder oeffnete, hatte sich das Licht des merkwuerdigen Stabes in den Haenden seines Gegenuebers auf ein ertraegliches Mass reduziert. Ganz im Gegensatz zu dem Chaos, das in seinem Kopf herrschte.

Was machte dieser Wraith hier? Wieso half er ihm?

Oder wollte er die Beute lediglich fuer sich alleine haben?

Nein. Das war es nicht. John konnte es sich nicht erklaeren, aber er hatte das Gefuehl, nein, er wusste, dass er diesem gruenhaeutigen Wesen vertrauen konnte. In einer sonderbaren Art und Weise verspuerte er eine tiefe Verbundenheit zwischen ihnen. Und das seltsame Gefuehl, das ihn die ganze Zeit ueber beherrscht hatte, war in eine nachhaltige Zufriedenheit uebergegangen. Als haette er etwas wiedergefunden, dass er schon verloren geglaubt hatte. Eine sehr irritierende Sichtweise.

Doch er sah ein, dass diese oder andere Gruebeleien ihn momentan nicht wirklich weiterbrachten. Aber er schwor sich, dem Wraith bei der naechstbesten Gelegenheit ein paar Antworten abzuringen.

 

Auf den schon leicht ungeduldigen Blick des Wraiths hin, bemuehte sich John, auf die Beine zu kommen, was allerdings wiederum eine explosionsartige Potenzierung seiner Schmerzen zur Folge hatte. Gequaelt stoehnte er auf.

 

"Du bist verletzt," stellte der Wraith lakonisch fest.

 

"Oh, vielen Dank fuer diese scharfsinnige Feststellung," presste Sheppard zwischen zusammengebissenen Zaehnen hervor. "Stell Dir vor, da waere ich von alleine nie drauf gekommen."

 

Schweigend musterte der Gruengesichtige den vor ihm knieenden Mann kurz, dann ging er auf ihn zu, und ehe John etwas dagegen tun konnte, hatte sich dessen rechte Hand um seinen Hals gelegt. Instinktiv wollte er sich im ersten Moment dagegen wehren, doch dann spuerte er, wie eine wohltuende Waerme in seinen geschundenen Koerper stroemte, sich langsam darin verteilte und ihn von innen heraus zu staerken schien.

Er konnte foermlich fuehlen, wie seine gebrochenen Rippen und all seine anderen Verletzungen in nur wenigen Augenblicken auf wundersame Weise verheilten.

Als der Wraith seine Hand zurueckzog, starrte John ihn fassungslos an.

 

"Was... was hast Du getan?"

 

"Nur das, was jeder von uns fuer seinen Bruder tun wuerde," antwortete der Wraith knapp.

"Ich habe Dir schon einmal gesagt, dass es viele Dinge ueber uns Wraith gibt, von denen Du nichts weisst," fuegte er nach einer kurzen Pause noch hinzu. Dann drehte er sich um und ging.

 

Noch voellig durcheinander erhob sich Sheppard und folgte ihm. Er fuehlte sich zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, aber seine Schmerzen waren wie weggeblasen. Und er genoss den Luxus, frei durchatmen zu koennen, auch wenn ihm eine frische Meeresbrise auf Atlantis allemal lieber gewesen waere als die schale, muffige Luft in diesem Tunnel.

 

Und waehrend er dem Wraith nachging, liess ihn eine ganz bestimmte Sache einfach nicht mehr los. Etwas, was der Wraith soeben gesagt hatte...

Bruder?

Was sollte das heissen 'was jeder fuer seinen Bruder tun wuerde'?

 

'Zur Hoelle, ich habe keinen Bruder!' fluchte er im Stillen aufgebracht. 'Und auch keine Schwester. Ich bin ein gottverdammtes Einzelkind! Und wenn ich einen Bruder haben wollte, wuerde ich mir ganz sicher keinen Wraith dafuer aussuchen!'

 

Doch dann erinnerte er sich ploetzlich an das, was der Wraith zu ihm gesagt hatte, nachdem er ihm sein Leben zurueckgegeben hatte:

 

"Das Geschenk des Lebens ist nur fuer unsere treuesten Diener bestimmt... und fuer unsere Brueder."

 

Hatte der Wraith ihm mehr als nur seine Lebenskraft wiedergegeben?

Wahrscheinlich, denn nur so ergaben all diese merkwuerdigen Gefuehle, die ihn in letzter Zeit ueberschwemmten, auch nur annaehrend einen Sinn. Nur wusste er beim besten Willen nicht , wie er auf diese Erkenntnis reagieren sollte.

Und insgeheim setzte er diese Frage mit auf die Liste der offenen Fragen, die ihm sein 'neuer Bruder' noch zu beantworten hatte.

 

John war noch so sehr in seine Ueberlegungen versunken, dass er um ein Haar mit dem Wraith zusammengeprallt waere, als dieser unvermittelt stehenblieb. Sie hatten die Hoehle mit der Konsole erreicht. Ungluecklicherweise war diese nicht ganz so ausgestorben, wie John es sich gewuenscht haette. Zwei der gesichtslosen Krieger hatten dort Stellung bezogen.

Indem er ihn mit einer Hand wieder zurueck in die Dunkelheit drueckte, instruierte ihn der Wraith wortlos, zunaechst in Deckung zu bleiben. Dann trat er selber aus dem Tunnel heraus und ging auf die beiden Waechter zu. Kurz vor ihnen blieb er stehen. Sheppard konnte zwar nicht sehen, was er tat, aber nachdem 'sein' Wraith ein kurzes Fauchen ausgestossen hatte, trollten sich die beiden anderen von dannen.

 

'Okay, das war jetzt einfacher als gedacht,' befand er stirnrunzelnd und verliess sein Versteck.

Er gesellte sich zu dem Wraith, der vor dem Antikergeraet stand und nachdenklich auf die verschmorten Leitungen blickte.

 

"Hey, warum habt Ihr das eigentlich zerstoert?" fragte John leichthin.

 

"Es war noetig," war alles, was der Wraith dazu zu sagen hatte. "Jetzt komm'. Hierlang," und er wandte sich einem der Tunnel zu.

 

"Das ist alles? 'Es war noetig.'? Meinst Du nicht, es waere langsam an der Zeit, mit ein paar Antworten rauszuruecken?" erwiderte Sheppard genervt. "Wo bringst Du mich hin? Was ist das fuer eine 'Bruder-Geschichte'? Was hast Du damals mit mir angestellt? Verdammt, ich will jetzt endlich wissen, was hier eigentlich gespielt wird!"

 

Doch den Wraith schien sein kleiner Ausbruch in keinster Weise zu beeindrucken. Er drehte sich lediglich zu ihm um, sah ihn fuer einen Moment abschaetzend an und ein leises Zischen passierte seine Kehle. Dann lachte er, falls man das so nennen konnte, kurz und freudlos auf.

 

"Du solltest deine Stimme im Zaun halten, John Sheppard. Du hoerst Dich nicht gerade wie ein Wraith an, und es koennte durchaus sein, dass du damit die Falschen auf Dich aufmerksam machst."

 

"Oh, ich hoere mich also nicht wie ein Wraith an? Wie bedauerlich. Und auch auf die Gefahr hin, dass ich Dich jetzt vielleicht enttaeusche, aber darueber bin doch eigentlich ganz froh," gab John ironisch, aber mit jetzt doch deutlich gedaempfterer Stimme zurueck.

"Und falls es Dir nicht allzu viel Muehe bereitet, beantworte mir jetzt wenigstens diese eine Frage: Wohin gehen wir?"

 

"Ich dachte, Du wolltest Deinen Freund befreien?" entgegnete der Wraith mit der Andeutung eines Laechelns auf dem Gesicht.

 

"Rodney? Er lebt noch?" ueberrascht sah John den Wraith an.

 

"Ja. Noch. Aber wenn Du darauf bestehen solltest, dass ich Dir zunaechst all Deine Fragen beantworte, koennte es fuer ihn zu spaet sein," entgegnete dieser schlicht.

"Es liegt ganz bei Dir."

 

Darauf konnte Sheppard nur nicken. Und der Wraith bestaetigte seine Entscheidung mit einem kurzen Schnauben und wandte sich dann einem der Gaenge zu.

 

"Diesen hier muessen wir nehmen," sagte er. "Sie haben Deinen Freund in die Aufbewahrungskammer gebracht."

 

Aufbewahrungskammer? Das hoerte sich fuer John verdaechtig nach einer Frischhaltebox an und ein Schauer lief ihm ueber den Ruecken. Hoffentlich kamen sie nicht zu spaet.

Vorsichtig schlich er dem Wraith nach. Ihm gefiel die Vorstellung ueberhaupt nicht, so ganz ohne Waffen in ein mit Wraiths bevoelkertes Tunnelsystem einzudringen. Wie ein kleines Insekt in einem viel zu grossen und feindlichen Ameisenhaufen. Er hatte zwar noch in der Hoehle nach seiner P-90 Ausschau gehalten, aber leider feststellen muessen, dass diese wohl von den Wraithkriegern mitgenommen worden war. Und das war gar nicht gut, fand er.

 

Sie folgten dem Gang immer tiefer in den Berg hinein. Ab und an zweigten weitere Gaenge von ihrem ab, aber sie waren vom Durchmesser her nur halb so breit. Dieser hier schien so eine Art Hauptstrasse in dem System zu sein. Und solange sie nicht abbiegen wuerden, war sich John auch sicher, den Rueckweg finden zu koennen. Doch genau in dem Moment, als er das dachte, bog der Wraith auch schon nach links in einen der kleineren Gaenge ab. Und es dauerte nicht lang, da erreichten sie die naechste Kreuzung, an der es diesmal nach rechts ging.

 

'Na toll,' dachte John, 'wo sind nur die Brotkrumen, wenn man sie braucht?'

 

Und es ging lustig weiter mit dem Verwirrspiel, mal rechts, mal links, mal geradeaus. Nur dass Sheppard darueber ganz und gar nicht lachen konnte.

 

"Verdammt, wie gross ist dieses Labyrinth eigentlich?" fragte er fluesternd. Irgendwie getraute er sich nicht, in einem normalen Tonfall zu sprechen. Dieser Ort war mehr als nur unheimlich.

 

"Gross," kam die Antwort.

 

"Ach ja? Koenntest Du 'gross' vielleicht etwas genauer definieren?"

 

"Sehr gross!"

 

"Oh, danke, so genau wollte ich es gar nicht wissen," erwiderte John sarkastisch. "Ich weiss ja nicht, ob..."

 

Ein aergerliches Fauchen schnitt ihm das Wort ab.

 

"Was?"

 

"Wir sind da," erklaerte der Wraith und loeschte seine Stablampe. Und jetzt bemerkte auch Sheppard den Lichtschein, der vermutlich aus der Aufbewahrungskammer her in den Tunnel fiel. Vorsichtig naeherten sie sich dem Uebergang zu der Hoehle.

Und diesmal hatten sie anscheinend Glueck. In der Kammer befanden sich keine Wraith. Aber dafuer mehrere dieser Ausbuchtungen, in denen die menschliche Nahrung fuer den spaeteren Aussaugungsprozess gelagert wurde. Doch zum jetzigen Zeitpunkt war nur eine dieser Boxen belegt.

 

"Rodney!" entwich es John erschrocken, als er sah, in welch misslicher Situation sich dieser befand. Er war umhuellt von einer zaehen, schleimigen Haut, einem Eisack nicht ganz unaehnlich, und darueber verteilten sich Dutzende von merkwuerdig wulstigen Straengen, die sich praktisch um seinen gesamten Koerper rankten. Nur seine Augen, die Nase und ein Teil seines Mundes waren freigeblieben.

Mit ein paar schnellen Schritten war Sheppard bei seinem Freund.

 

"McKay!" sprach er ihn an.

Der Kanadier hatte die Augen geschlossen. Im ersten Moment dachte John, er waere noch betaeubt, doch dann hob Rodney die Augenlider und blinzelte Sheppard zutiefst verwirrt an.

 

"Sh... Sheppard? Wie...? Was...?"

 

"Spaeter, Rodney, wir muessen jetzt erstmal zusehen, dass wir Sie hier rausbekommen!" unterbrach ihn John und begann an den Schnueren zu zerren.

 

Ploetzlich riss McKay die Augen auf und starrte entsetzt auf einen Punkt hinter dem Colonel.

 

"Vorsisch.. da isch ..n Wraisch!" nuschelte er aufgeregt.

 

"Was sagen Sie? Ich kann Sie nicht verstehen. Moment, ich werde mal dieses Zeug hier entfernen," erwiderte Sheppard geschaeftig und machte sich daran, McKays Mund von den ekligen Auswuechsen zu befreien.

Kaum war das geschehen, fluesterte Rodney nochmals entsetzt:

"Ein Wraith. Hinter Ihnen. Passen Sie auf!"

 

"Ein Wraith? Hinter mir? Ehrlich? Wie sieht er denn aus?" gab Sheppard zurueck, wohlwissend, dass er damit bei seinen Freund jetzt vermutlich einen halben Herzinfarkt ausloesen wuerde. Aber er war so froh, McKay lebend anzutreffen, dass er einfach nicht anders konnte, als dies auf seine Art ein wenig zu feiern.

 

"Sind Sie uebergeschnappt? Wie soll so ein Wraith schon aussehen? Blasse Haut, spitze Zaehne, ziemlich haesslich... (ein giftiges Fauchen auf Seiten des Wraiths) ... und er steht genau hinter Ihnen!" ereiferte er sich mit sich ueberschlagender Stimme.

 

Sheppard drehte sich kurz um und grinste den Wraith verschwoererisch an, was McKay natuerlich nicht sehen konnte. Dann wandte er sich ihm wieder zu und erklaerte gleichmuetig:

 

"Ach, Sie meinen diesen Wraith...?!" und deutete dabei mit dem Daumen ueber seine rechte Schulter, "... der gehoert zu mir. Ich habe ihm versprochen, dass er sich an Ihnen guetlich tun darf, sollten Sie meine Nerven mal wieder ueberstrapazieren."

 

"Wa....?" Rodneys Kinnlade sackte nach unten, waehrend ihm saemtliche Gesichtszuege entglitten.

 

'Ok, das duerfte reichen!' ueberlegte Sheppard amuesiert, zumal er sich das Grinsen nicht laenger verkneifen konnte. Und waehrend er sich weiter abmuehte, den Kanadier von all den organischen Fesseln zu befreien, versicherte er ihm:

"Keine Sorge, Rodney, das war nur ein Scherz! Zumindest der Teil mit dem Aussaugen. Allerdings gehoert er tatsaechlich zu mir. Oder ich zu ihm? Keine Ahnung... ist auch egal, zumindest ist er sowas wie ein..." abermals drehte er sich zu dem Wraith um, diesmal aber, um diesen fuer einen Moment nachdenklich anzuschauen, bevor er in einem leicht fragenden Tonfall den Satz beendete, "... ein Bruder?"

 

"Bruder?" McKays Miene verriet grenzenlose Verwirrung. Und John konnte ihm das nur allzu gut nachempfinden.

 

"Ja. Irgendwie so. Na schoen, ich geb' zu, die Familienaehnlichkeit ist nicht besonders frappierend... und so wirklich verstanden habe ich es selber auch noch nicht... aber ja, da ist...  irgendetwas... Verbindenes," versuchte John die neuen Begebenheiten zu erklaeren. Allerdings war ihm das, Rodneys fragendem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, nur sehr unzulaenglich gelungen.

"Doch was viel wichtiger ist, er hilft uns hier rauszukommen. Oder?"

 

Der letzte Teil war jedoch wiederum fuer den Wraith bestimmt, der dies mit einem kurzen Knurren und einem Rucken seines Kopfes bestaetigte.

 

"Sehen Sie...?!" meinte Sheppard und sah McKay um Bestaetigung heischend an, waehrend er die letzten Reste der schleimigen Haut entfernte, so dass dieser sich endlich wieder frei bewegen konnte. Als Rodney aus der Ausbuchtung heraustrat, blieb sein Blick wie festgenagelt an dem Wraith haengen. Die Skepsis in seinem Blick war nicht zu uebersehen. Doch ploetzlich gesellte sich auch noch ein Ausdruck des Wiedererkennens hinzu.

 

"Wa.. wa.. warten Sie mal. Jetzt weiss ich es wieder. Das ist doch der Wraith, ich meine... Du... Sie... Du... bist doch der Wraith, der Sheppard, als er bei Kolya war, aus... ausgesaugt hat!" bemerkte Rodney und sah den Wraith dabei irritiert an. Doch dieser schwieg dazu, nur seine Augen funkelten wild und unergruendlich.

 

"Sie haben ihn letztendlich also doch erkannt," antwortete Sheppard an dessen Stelle.

 

"Letztendlich? Hey, glauben Sie, ich merke mir jedes Wraithgesicht, das mir ueber den Weg laeuft?" konterte McKay spitz. "Und dem wollen Sie vertrauen?" fuegte er unbeherrscht hinzu, worauf er sich ein boesen Blick von Sheppard und ein abfaelliges Schnauben des Wraiths einfing.

Ein wenig erschrocken ueber deren Reaktionen hob er besaenftigend die Haende und meinte:

"Ok, schon gut... ich hab's ja verstanden... denke ich..." und runzelte verwirrt die Stirn.

Dann draengte sich eine andere Tatsache, die er bis jetzt nicht richtig wahrgenommen hatte, in sein Bewusstsein.

 

"Verstehen Sie das jetzt bitte nicht auch noch falsch, aber..." begann Rodney zoegerlich, "... warum geht es Ihnen eigentlich so gut? Ich meine, wo ist die Wunde auf Ihrer Stirn? Was ist mit all den gebrochenen Rippen?"

 

Fuer einen Moment musterte John den Kanadier abschaetzend, da er sich nicht sicher war, wie dieser auf die Umstaende seiner ploetzlichen Genesung reagieren wuerde. Und er kam zu dem Schluss, dass es wohl besser war, diese Ausfuehrungen auf einen spaeteren Zeitpunkt zu verschieben. Deshalb antwortete er nur:

 

"Das gehoert auch zu dieser 'Bruder-was-auch-immer-Geschichte'. Ich erklaere Ihnen das spaeter. Wir sollten jetzt wirklich zusehen, dass wir von hier... "

 

Weiter kam er nicht, denn in diesem Augenblick schoss ein erster Stunnerstrahl nahe an seinem Kopf vorbei. Und andere folgten dichtauf. Der Wraith an Sheppards Seite fuhr herum und erwiderte sofort das Feuer, das zwei der Gruenhaeutigen auf sie eroeffnet hatten. Sie mussten sich unbemerkt aus einem der weiteren Tunnel, die in diese Kammer fuehrten, angeschlichen haben.

Unbewaffnet wie er war, blieb John nichts weiter uebrig, als Rodney mit zu Boden und damit aus der Schusslinie zu reissen.

Dem Wraith gelang es sehr schnell, zumindest einen der Angreifer ausser Gefecht zu setzen, aber bevor er auch den anderen erwischen konnte, traf ihn ebenfalls ein greller Strahl und er sank bewusstlos in sich zusammen.

Ohne auch nur eine Sekunde zu zoegern, rappelte sich Sheppard hoch und stuerzte sich auf dessen Stunner. Und in einer Bewegung, in der das Greifen nach der Waffe, das Zielen und Schiessen fliessend ineinander uebergingen, erledigte er den verbliebenen Wraith.

Erleichtert aufatmend liess er sich neben dem betaeubten Wraith auf den Boden sinken. Das war knapp gewesen. Fast beilaeufig registrierte er, wie McKay neben ihm auf die Fuesse kam und langsam zu den beiden anderen Wraith hinueber ging. Vorsichtig darauf bedacht, diese moeglichst nicht zu beruehren, nahm er sich deren Stunner und kehrte zu Sheppard zurueck.

 

"So! Und jetzt lassen Sie uns schleunigst von hier verschwinden," bemerkte er draengend.

 

John brauchte einige Momente, um zu begreifen, was McKay mit dieser Aufforderung andeutete.

 

"Nein!"

 

"Nein? Was soll das heissen: 'Nein'?" verstaendnislos starrte Rodney ihn an.

 

"Das soll heissen, dass wir ihn hier nicht zuruecklassen werden! Die Anderen werden jetzt wissen, dass er sie verraten hat. Sie werden ihn toeten."

 

"Na, und wenn schon?" erwiderte McKay bruesk. "Sheppard, das ist nur ein Wraith!"

 

"Nein, McKay, das ist nicht nur... irgendein Wraith!" fuhr John auf. "Er ist mehr als das. Er ist ein..."

 

"Freund? Ein Bruder?" Rodney lachte kurz humorlos auf. Es klang fast hoehnisch. "Sagen Sie mal, hat er Sie irgendwie einer Art Gehirnwaesche unterzogen oder was? Ihnen ist doch wohl hoffentlich klar, dass Sie da ausgemachten Unsinn von sich geben. Sobald wir wieder zu Hause sind, werde ich Elizabeth empfehlen..."

 

"Gar nichts werden Sie!" unterbrach ihn Sheppard wutentbrannt. "Und jetzt hoeren Sie mir zur Abwechslung mal zu! Dieser Wraith hier..." er deutete energisch mit dem Finger auf den noch immer bewusstlosen Wraith, "... hat mir alleine heute zweimal das Leben gerettet. Und wenn man die kleine Schiesserei von eben mit dazu zaehlt, sogar dreimal. Und nebenbei bemerkt, ihren Hintern auch gleich mit. Und nein, ich habe nicht geringste Ahnung, was genau er damals auf Kolyas Planeten mit mir angestellt hat, wie oder warum diese Verbindung zwischen uns besteht. Aber ich weiss einfach, dass wir ihm vertrauen koennen. Fragen Sie mich nicht, warum ich das weiss... ich weiss es einfach. Und in diesem Punkt sollten auch Sie mir einfach vertrauen, Rodney!"

 

Eindringlich sah Sheppard den Kanadier an. Und dieser erwiderte den Blick zutiefst verwirrt. Er konnte sich nicht erinnern, jemals einen solchen Gefuehlsausbruch bei dem Colonel erlebt zu haben. Immer wieder flackerte sein Blick zwischen Sheppard und dem Wraith hin und her.

 

"Und ausserdem... " fuhr John jetzt etwas ruhiger fort und spielte seinen letzten Trumpf aus, "... ist er der Einzige, der uns hier rausfuehren kann. Wir wuerden es ohne ihn nie schaffen, lebend aus diesem mit Wraiths verseuchten Labyrinth zu entkommen."

 

Und diesem Argument vermochte selbst McKay nichts entgegenzusetzen. Resignierend liess er die Luft entweichen, die er bis dahin unbewusst angehalten hatte, und nickte bestaetigend, auch wenn sein zweifelnder Blick mehr als tausend Worte sagte, dass er noch laengst nicht ueberzeugt war. Aber fuer den Moment sah er ein, dass ihm gar keine andere Wahl blieb, als seinem Freund zu vertrauen. Er hoffte im Stillen nur, dass dieses Vertrauen auch gerechtfertigt war.

 

Um Rodney zu zeigen, dass er sich trotz allem richtig entschieden hatte, legte John kurz die Hand auf dessen Schulter und laechelte ihm aufmunternd zu. Dann ergriffen die beiden Maenner die Arme des Wraiths und zogen ihn in den Tunnel, durch den Sheppard zuvor gekommen war.

Nach etwa dreissig Metern zweigte von diesem ein kleiner Seitenarm ab. John bediente sich der Stablampe des Wraiths und untersuchte diesen schnell. Als er feststellte, dass dieser Gang nach ein paar Schritten ebenfalls in einer Sackgasse endete, kehrte er zu McKay zurueck und meinte:

 

"Zumindest koennen wir hier nur von einer Seite aus angegriffen werden. Und mit Hilfe der Stunner sollten wir eigentlich in der Lage sein, hier so lange auszuharren, bis er aufwacht und wir weiterkoennen. Das wird hoffentlich nicht lange dauern..."

 

Daraufhin loeschte er die Lampe wieder, um niemanden durch den Lichtschein auf sie aufmerksam zu machen, und setzte sich neben McKay auf den Boden.

Und in der Finsternis des steinernden Ganges warteten sie...

tbc

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