chayiana (chayiana) wrote,
chayiana
chayiana

  • Mood:

Brothers Teil 2

Habe mich jetzt erstmal dazu entschieden, meine FF "Brothers" komplett zu posten... leider scheint es, als wenn man hier nicht 20.000 Woerter auf einen Schlag posten kann.... also muss ich das wohl in Teilen tun! ;o)

Ach so, auch hier muss ich nochmal ne kleine Bemerkung in eigener Sache machen...
Falls es Euch irgendwie merkwuerdig vorkommt, dass ich keine "ues", "oes" oder "szets" oder dergleichen benutze, ich wohne in England (genauer gesagt in Manchester) und mein PC hat dummerweise keine Buchstaben mit 2 kleinen Punkten oben drauf!!! ;o)) 

Egal... auf jeden Fall geht es jetzt gleich mal weiter... 

Brothers Teil 2

Langsam legte sich der Staub. Und in gleichem Masse, wie die Sicht in der Hoehle besser wurde, klaerte sich auch Rodneys Denken.

Hektisch kramte er den Lebenszeichendetektor hervor.

Doch wo eigentlich vier blinkene Punkte erscheinen sollte, gab es lediglich zwei. Der Scanner erfasste zwar nur einen Radius von 50 Metern, aber dennoch haetten es vier sein muessen. Er wusste nicht, ob er erleichtert oder entsetzt sein sollte, aber zumindest hatte einer der Maenner den Einsturz der Hoehlendecke ueberlebt. Und dieser musste sich etwa fuenf Meter vor ihm befinden. Er zog seine Taschenlampe hervor und leuchtete in die Richtung, in der er den Ueberlebenden vermutete.

Und tatsaechlich konnte er im Schein der Lampe einen halb verschuetteten Koerper ausmachen. Nur der Kopf, die Schultern und der rechte Arm waren nicht unter den Gesteinsmassen begraben. Er lag auf dem Bauch, so dass Rodney sein Gesicht nicht erkennen konnte, doch den wirren Haarschopf, auch wenn er durch den Staub nicht mehr dunkelbraun sondern fast weiss anmutete, haette er ueberall wiedererkannt.

 

„Sheppard!“ mit einem Satz war McKay bei ihm. Und obwohl der Scanner es eigentlich schon bestaetigt hatte, legte er trotzdem noch zwei Finger auf Johns Hals, um dessen Puls zu erfuehlen. Erleichtert atmete Rodney auf, sein Freund war nur bewusstlos. Das Pochen unter seinen Fingerspitzen war zwar schwach aber regelmaessig, doch er registrierte auch, dass dessen Atmung viel zu flach war. Er musste ihn schnellstmoeglich von der Last der Steine befreien und auf den Ruecken drehen, damit er besser Luft bekam.

Vorsichtig begann Rodney damit, den Colonel von all dem Schutt und Geroell zu befreien. Als er es endlich geschafft hatte, drehte er ihn herum...
und erschrak.

 

Johns Gesicht war blutueberstroemt. Er hatte eine tiefe, haessliche Platzwunde direkt ueber dem rechtem Auge. Und das Blut aus der Wunde hatte sich mit allgegenwaertigen Staub zu einer dunklen, broeckligen Paste vermischt, die fast sein ganzes Gesicht bedeckte. Und noch immer rann der dunkelrote Lebenssaft aus dem klaffenden Riss auf seiner Stirn.

Noch einen Moment lang starrte Rodney entsetzt auf seinen Freund herab, bevor er hastig in seine Westentasche griff und einen der Notfallverbaende zu Tage foerderte. Diesen legte er zunaechst um Johns Kopf an, in der Hoffnung endlich die Blutung stoppen zu koennen. Dann holte er einen zweiten Verband hervor, den er mit etwas Wasser aus seiner Trinkflasche befeuchtete, und begann behutsam Sheppards Gesicht von dem ganzen Blut und Staub zu saeubern. Als er damit fertig war, hatte die Wunde gluecklicherweise nahezu aufgehoert zu bluten. Er entfernte den mittlerweile tiefroten Verband wieder und ersetzte ihn durch ein grosses Pflaster. Dann liess er sich ermattet neben John auf den Boden fallen, doch nicht ohne weiterhin angestrengt auf dessen Atemgeraeusche zu achten. Und obwohl der Colonel allen Anschein nach besser Luft bekam als zuvor, glaubte McKay hin und wieder ein Pfeifen oder Rasseln zu hoeren, das ihm ueberhaupt nicht gefiel.

 

"Nun wachen Sie endlich auf, Sheppard!" murmelte er deprimiert. "Oder soll ich jetzt die ganze Zeit Selbstgespraeche fuehren? Ich rede zwar gerne viel, aber es macht einfach mehr Spass, wenn auch jemand zuhoert, verstehen Sie?"

Doch er erhielt keine Antwort.

Mutlos aufseufzend zog Rodney die Knie naeher an seinen Koerper und vergrub das Gesicht in seinen Armen. Wie klebriger Honig zogen sich die Augenblicke dahin und liessen ihn jegliches Zeitgefuehl verlieren.

 

Nach einer schieren Ewigkeit (oder waren es tatsaechlich nur Minuten gewesen?) hoerte McKay ein leises Stoehnen neben sich. Er schreckte hoch und nur eine Sekunde spaeter beugte er sich hoffnungsvoll strahlend ueber seinen Freund. Dieser hatte die Augen aufgeschlagen und fluesterte schwach:

 

"Rodney?"

 

"Wer wohl sonst?" antwortete McKay erleichtert laechelnd. "Gott sei Dank, ich hatte schon gedacht, Sie wollten ueberhaupt nicht mehr aufwachen!"

 

"Was... was ist denn ueberhaupt passiert?" Sheppards Stimme klang rauh und schmerzerfuellt.

 

Ploetzlich verschwand das Strahlen auf Rodneys Gesicht, als er an das Geschehene zurueckdachte, und machte einem Ausdruck von tiefer Trauer und Betroffenheit Platz.

 

"Der verdammte Wraith hat mit einem seiner Geschosse den Hoehleneingang so ungluecklich getroffen, dass alles, nun ja, zumindest der vordere Teil der Hoehle, vollstaendig in sich zusammengestuerzt ist..." begann er zu erklaeren, "... und... dann... dann... oh, es war... einfach..."

hilflos nach Worten suchend brach er ab.

 

"Parker und Stevenson?" obwohl sich John fast sicher war, die Antwort bereits zu kennen, musste er einfach Gewissheit haben.

McKay schuettelte nur niedergeschlagen den Kopf, doch dann schaute er auf und fragte:

 

"Wie geht es Ihnen?"

 

"Wenn man mal davon absieht, dass mein Kopf brummt, als wenn sich dort ein ganzer Schwarm Hornissen eingenistet haette, eigentlich ganz gut..." antwortete Sheppard schleppend, waehrend er unbewusst nach der Stelle auf seiner Stirn tastete, wo sich die noch offene Wunde unter dem Pflaster befand. Und er zuckte zusammen, als seine Finger ihr Ziel trafen.

 

McKay sah ihn pruefend an. Ihm war klar, dass der Colonel log, um ihn zu beruhigen, denn seine fiebrig glaenzenden Augen und der schmerzverzehrte Ausdruck auf seinem Gesicht bei jedem neuen Atemzug, zeugten von dem genauen Gegenteil.

Doch dies war nicht der Zeitpunkt, um eine Debatte ueber Wahrheit oder Luege vom Zaun zu brechen.

Und Rodney meinte so etwas wie stille Dankbarkeit in Sheppards Augen zu lesen, als er nichts auf dessen Aussage erwiderte, sondern lediglich nach der Wasserflasche griff und sie ihm anbot.

Vorsichtig versuchte John sich aufzurichten. Und fast waere ihm das auch ohne ein verraeterisches Aufstoehnen gelungen, aber der stechende Schmerz in seiner Brust machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Es fuehlte sich an, als steckten gleich mehrere Messer in seiner Lunge.

 

'Verdammt! Das ist nicht nur eine gebrochene Rippe,' dachte er die Zaehne zusammenbeissend.

Dann nahm er die Wasserflasche und trank behutsam ein paar kleine Schlucke, doch trotz aller Vorsicht verschluckte er sich. Ein heftiger Hustenanfall erschuetterte seinen geschundenen Koerper. Und diesmal konnte und wollte er den Schmerzensschrei nicht unterdruecken.

 

"Sheppard!" rief McKay zutiefst besorgt. Er streckte den Arm aus, um ihn irgendwie zu stuetzen, doch John winkte keuchend ab.

 

"Es... es geht... schon wieder..."

 

"Verdammt nochmal, jetzt hoeren Sie endlich auf, den Helden spielen zu wollen!" entgegnete Rodney erbost. "Es geht Ihnen, mit Verlaub gesagt, beschissen! Also lassen Sie mich Ihnen doch helfen!"

 

John schaute ueberrascht auf. So wuetend hatte er den Kanadier selten erlebt. Und nach einer kurzen Bedenkzeit antwortete er:

 

"Schon gut, Rodney, Sie haben ja Recht. Es ist nur so ungewohnt, normalerweise brauchen Sie meine Hilfe und nicht umgekehrt," und ein leicht gequaeltes Laecheln erschien auf seinem Gesicht.

Etwas besaenftigt erwiderte McKay das Laecheln und half John nun dabei, eine bequemere Sitzposition zu finden. Dann zog er seine Jacke aus, faltete sie zusammen und schob sie zwischen Sheppard und dem Fels, an dem er lehnte.

 

"Ist das ok fuer Sie?" fragte Rodney, wobei er den sorgenvollen Klang nicht ganz aus seiner Stimme verbannen konnte.

 

"Ja, danke," erwiderte John leise. "Ach, und Rodney?! Mir geht es echt schon besser. Ich glaube, das kleine Malheur von eben hat zumindest ein oder zwei meiner angeknacksten Rippen wieder in ihre richtige Position gebracht. Sie brauchen sich also wirklich keine uebermaessigen Sorgen um mich zu machen, verstanden?"

 

"Hey, das mach' ich doch gar nicht! Tatsaechlich mache ich mir eher Sorgen um meine Wenigkeit, denn wenn Sie uns nicht aus diesem Schlamasel rausholen, wer dann?" konterte McKay grinsend.

 

Das war fuer Sheppard das Stichwort, sich den 'Schlamassel', wie Rodney es genannt hatte, etwas genauer zu betrachten. Der Schein der Taschenlampe konnte zwar nur einen kleinen Teil des Gewoelbes, in dem sie sich befanden erhellen, aber auch so wurde ihm schnell klar, dass sie die Hoehle wohl kaum auf demselben Wege verlassen wuerden, auf dem sie sie betreten hatten. Der Ausgang war unwiderruflich durch Tonnen an Fels und Geroell blockiert. Nur hier und da blinzelte die Sonne durch fast mikroskopisch kleine Loecher ins Innere.

Sie konnten vielleicht versuchen, sich den Weg nach draussen freizusprengen, genuegend C4 hatten sie ja dabei, aber er verwarf diesen Gedanken sogleich wieder. Die Gefahr, hier letztendlich alles zum Einsturz zu bringen, war schlichtweg zu hoch.

Er liess seinen Blick weiterschweifen. Und dann sah er hinter McKay etwas, das wie ein Gang aussah, der weiter ins Innere des Berges fuehrte.

 

"McKay, haben Sie das schon gesehen?" fragte er und deutete mit seinem Kopf auf den Gang. Der Kanadier drehte sich um, schaute ein paar Sekunden in die angegebene Richtung und nickte dann wortlos. Sein Blick drueckte ein tiefes Unbehagen aus, als er sich wieder dem Colonel zuwandte.

 

„Wie sollten diesen Gang auf jeden Fall mal unter die Lupe nehmen,“ meinte Sheppard enthusiastisch.

Rodney erwiderte diesen Vorschlag mit einem Seufzen. Wieso hatte er nur gewusst, dass er genau das sagen wuerde?

 

"Sollten wir nicht besser hier warten bis Hilfe eintrifft?" schlug er vor, allerdings ohne grosse Hoffnung, seinen Gegenueber umstimmen zu koennen.

 

"Das kann noch Ewigkeiten dauern," gab John nach einem Blick auf seine Uhr zu Bedenken. "Elizabeth wird fruehestens in fuenf Stunden versuchen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Und dann ist es auch noch fraglich, ob das Signal diese Massen an Gestein durchdringen kann. Nein, Rodney, wir muessen selber versuchen, einen Weg nach draussen zu finden. Und dieser Tunnel dort ist momentan unsere einzige Moeglichkeit."

 

"Und wenn dieser Gang nicht aus dem Berg heraus, sondern immer weiter hineinfuehrt? Was, wenn das der Eingang zu einem riesigen unterirdischen Labyrinth ist, aus dem wir niemals wieder herausfinden?" argumentierte er dagegen.

 

"Ach, Rodney, wo haben Sie denn nur Ihre Abenteuerlust gelassen?"

 

"Zu Hause..." grummelte dieser leise.

 

Ueber Sheppards Gesicht huschte ein leises Laecheln.

Dann versuchte er aufzustehen. Er rollte sich auf die Seite und zog die Knie dabei naeher an seinen Koerper, so konnte er sich ein Stueck weit aufrichten, ohne seinen Oberkoerper zu sehr in die Bewegung mit einzubeziehen. Doch als er endgueltig aufstehen wollte, explodierte der Schmerz in seiner Brust, und mit einem Stoehnen sackte er wieder in sich zusammen.

 

Von weit her drang McKays zornige Stimme an sein Ohr:

 

"Sie wollten sich doch helfen lassen, verdammt nochmal!"

 

Und dann spuerte er, wie sich ein Arm um seine Taille legte und ein zweiter nach seinem Oberarm griff, danach wurde er langsam emporgezogen. Als er endlich auf seinen eigenen Fuessen stand, wurde ihm fuer eine Sekunde schwarz vor Augen. Er taumelte. Doch McKay hatte gluecklicherweise seinen Griff nicht gelockert. Seine Hand hatte sich vielmehr so sehr in seinen Arm verkrallt, dass es schon beinahe schmerzte, aber in diesem Moment war ihm John dankbar dafuer.

Allmaehlich verzogen sich die dunklen Schwaden vor seinen Augen, und auch das Stechen in seiner Brust liess ein wenig nach.

 

"Sie koennen jetzt loslassen, Rodney," sagte er und schaute McKay dabei auffordernd an. Doch dem skeptischen Blick nach, schien dieser nicht im Geringsten davon ueberzeugt zu sein, im Gegenteil, er verstaerkte seinen Griff nur noch.

 

"Rodney! Wenn Sie noch weiter den Blutzufluss zu meinem Arm abschnueren, muessen Sie mir ab morgen die Schuhe zubinden!"

 

"Was? Oh... natuerlich... 'Tschuldigung... " erwiderte der Wissenschaftler verwirrt und schuldbewusst zugleich und liess endlich los.

 

"Danke," meinte John trocken und rieb sich demonstrativ den Oberarm.

"Dann sollten wir uns jetzt mal auf den Weg machen. Allerdings nicht ohne..." suchend schaute er sich um. "Rodney, haben Sie Ihre P-90 noch? Ich fuerchte meine ist unter dem ganzen Geroell hier begraben worden."

 

"Ja, Moment... " sagte McKay und holte das Maschinengewehr, das ein paar Schritte von ihnen entfernt auf dem Boden lag. Als er es Sheppard aushaendigte, fragte er mit einem leichten Zittern in der Stimme:

 

"Glauben Sie denn, dass wir in dieser Hoehle auf irgendwelche Wraiths stossen werden?"

 

"Keine Ahnung, aber ich denke, wir sollten zumindest gewappnet sein. Man kann ja nie wissen..." antwortete John betont beilaeufig. Nicht im Traum dachte er daran, McKay von dem seltsamen Gefuehl zu erzaehlen, das er, seitdem er aufgewacht war, tief in seinem Innern verspuerte. Fremd und vertraut zugleich verursachte es ein seichtes Kribbeln, das unaufhaltsam seine Wirbelsaeule empor kroch.  

 

"Rodney, nehmen Sie den Scanner und bleiben Sie dicht hinter mir!" sagte Sheppard und schaltete das Licht an seiner Waffe ein. Und der ungluecklichen Miene des Kanadiers zufolge, haette letzteres keiner weiteren Aufforderung bedurft.

 

Langsam drangen sie in den tiefschwarzen Gang ein, der in leichten Windungen immer tiefer in den Berg hineinfuehrte. Schon bald war von der Hoehle hinter ihnen nichts mehr zu erkennen. Das karge Sonnenlicht, das zuvor noch fuer ein diffuses Licht gesorgt hatte, war endgueltig erloschen. Jetzt hatten sie nur noch Rodneys Taschenlampe und das Licht der P-90, um ihren Weg zu finden.

Sheppard ging leicht vorne ueber gebeugt, um seinem Brustkorb zu entlasten, doch trotzdem konnte er nicht verhindern, dass ihm der Schmerz kleine Schweissperlen auf die Stirn trieb. Er atmete schwer und ungleichmaessig. Und natuerlich blieb das dem hinter ihm gehenden Mann in der absoluten Stille dieses Ortes nicht verborgen. Tiefe Sorge zeichnete sich auf McKays Gesicht ab.

 

Unvermittelt machte der Gang vor ihnen eine Wendung nach links und oeffnete sich zu einer weiteren Hoehle. Aus dieser fuehrten gleich mehrere sternenfoermig angeordnete Tunnel wieder hinaus.

 

Aber das wirklich Ungewoehnliche an dieser neuen Kammer war eine Art Konsole, die sich genau in der Mitte des Raumes befand. Ihre Bedienelemente waren eindeutig antikischer Bauart und aus ihrem Zentrum entsprangen fuenf Roehren, die bis in die Hoehlendecke hineinragten. Die Durchmesser dieser Roehren waren allesamt verschieden und das glasartige Material, aus dem sie bestanden, war milchig-truebe.

 

"Hallo, hallo? Was haben wir denn hier?" Rodneys Stimme hatte sofort diesen freudig-erregten Tonfall angenommen, der immer dann zum Vorschein kam, wenn es etwas zu erforschen gab, das auch nur im Entferntesten mit den Antikern zu tun hatte.

"Das ist wahrscheinlich das Geraet, dessen Energiesignatur wir empfangen haben," fuegte er erklaerend hinzu und schaute erwartungsvoll auf den Scanner. Doch nachdem sein Blick einige Male zwischen seinem Messgeraet und der Konsole hin und her gewandert war, seufzte er enttaeuscht auf.

 

"Was?" fragte Sheppard irritiert.

 

"Das kann nicht der Ursprung der Energiequelle sein," antwortete er niedergeschlagen, waehrend er langsam das Geraet umrundete. "Dieses Ding hier ist absolut tot. Nichts, was auch nur eine Gluehbirne zum Flackern bringen wuerde. Das ist... " ploetzlich stockte er und liess sich auf die Knie nieder.

 

"Oh, oh!"

 

"Was: 'Oh, oh'..?" hakte der Colonel diesmal schon ein wenig genervter nach und ging nun ebenfalls um die Konsole herum.

 

"Es koennte natuerlich auch sein, dass irgendjemand oder irgendetwas diese Maschine vor gar nicht allzu langer Zeit zerstoert hat..." meinte er und zeigte dabei auf die frisch verschmorten Leitungen, die sich im Fuss der Vorrichtung befanden. In der Luft hing noch ein leichter Hauch von Verbranntem und hier und da stieg etwas Qualm aus dem Inneren hervor. In unmittelbarer Naehe lag eine Metallplatte auf dem Boden, die vermutlich mal als Abdeckung gedient hatte.

 

"Aber das wuerde dann ja bedeuten...." begann McKay mit unsicherer Stimme.

 

"... dass jemand oder etwas in diesem Raum war, nachdem der Hoehleneingang eingestuerzt ist," vollendete John dessen Ueberlegung.

 

Sofort sprang Rodney auf die Fuesse und leuchtete hektisch seine Umgebung ab. Auch Sheppard schwenkte die Lampe seiner Waffe einmal im Kreis, konnte aber nichts Auffaelliges entdecken.

 

"Hoeren Sie, Rodney, glauben Sie, dass Sie dieses Ding wieder zum Laufen kriegen?" fragte John. "Ich meine, egal, was es damit auf sich hat... aber vielleicht koennte es uns helfen, ein Signal abzugeben oder so."

 

Zweifelnd schaute der Wissenschaftler auf die verschmorten Ueberreste.

"Vielleicht... schon moeglich..." erwiderte er und loeste bereits seinen Rucksack, indem er sein Laptop und ein paar elektronische Werkzeuge verstaut hatte.

"Und was machen Sie?"

 

"Ich werde mich ein wenig umsehen."

 

"Sie... Sie wollen mich hier alleine lassen?" entgegnete McKay nervoes.

 

"Ich werde mich nicht weit entfernen. Versprochen. Und fuer den Notfall haben wir ja noch unsere Funkgeraete... also, falls..."

 

".... einer dieser verdammten Wraiths um die Ecke kommt und mich aussaugen will..."

 

"... rufen Sie um Hilfe! Genau!" ein leichtes Laecheln umspielte Johns Lippen, als er sich umdrehte und wahllos einen der Gaenge, die von der Hoehle wegfuehrten, betrat.

McKay hingegen rollte ergeben mit den Augen und machte sich an die Arbeit.

 

~~~

 

Wie schon der erste Gang verlief auch dieser nicht schnurgerade, sondern kruemmte sich mal nach rechts, mal nach links. Sheppard lauschte angestrengt in die Dunkelheit, denn das Licht seiner P-90 vermochte nur ein kleinen Teil des Tunnels vor ihm zu erhellen. Er zaehlte in Gedanken die Schritte, die er machte, um eine ungefaehre Ahnung zu haben, wie weit er sich schon von der Hoehle und von Rodney entfernt hatte. Als er bei dreihundert angekommen war und nichts Ungewoehnliches entdeckt hatte, beschloss er, wieder kehrtzumachen und sich den naechsten Gang vorzunehmen.

 

Er hatte sich gerade umgedreht, als es unvermittelt in seinem Funkgeraet knackte. Vollkommen verzerrt und abgehackt hoerte er die von Panik erfuellte Stimme seines Freundes:

 

".... Shep... *krrr*... Hilf.... *krr*... sie..." darauf folgte ein merkwuerdiges, aber nicht gaenzlich fremdes Zischen.

Dann war die Verbindung tot.

Fuer einen Moment starrte John wie gelaehmt in die Finsternis, bevor er, den stechenden Schmerz in seiner Brust ignorierend, losrannte, um Rodney zu helfen.

Sofern ihm dies ueberhaupt noch moeglich war...

 

 

 

'Verdammt! McKay hatte Recht! Ich haette ihn niemals alleine lassen durfen,' verfluchte er sich im Stillen.

 

Als er endlich um Atem ringend in der Kammer ankam, fehlte von Rodney jede Spur. Nur sein Computer und das Werkzeug lagen um die Konsole herum verteilt auf dem staubigen Boden. Verzweifelt presste er seinen rechten Handballen gegen die Stirn.

Als er dabei genau auf die noch nicht verheilte Wunde traf, stoehnte er gepeinigt auf, aber er zog die Hand nicht zurueck. Tatsaechlich begruesste er den Schmerz. Ob nun bewusst oder unbewusst, glaubte er, dass er es gar nicht anders verdient hatte. Er hatte durch seinen verhaengnisvollen Plan, die Tunnel zu untersuchen, seinen Freund geradewegs diesen Monstern ausgeliefert. Denn dafuer, dass die Wraiths hinter diesem Ueberfall steckten, bestand fuer ihn kein Zweifel. John haette das verraeterische Geraeusch eines ihrer Stunner unter allen Geraeuschen der Galaxis herausgehoert. Eine unbaendige Wut ueberkam ihn.

 

Aber ploetzlich bemerkte er aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Und bevor er wirklich reagieren konnte, traf ihn ein heftiger Schlag, der ihn gegen die Hoehlenwand schleudern liess. Der Aufprall presste schlagartig die Luft aus seinen Lungen, und der allumfassende Schmerz drohte sein Bewusstsein auszuloeschen.

Verzweifelt kaempfte er gegen die drohende Schwaerze an, die versuchte, ihn zu verschlingen. Und zumindest diesen Kampf gewann er. Nach einigen endlos erscheinenden Sekunden setzte sein Atemreflex wieder ein und sofort sog er gierig die stickige Luft in seine Lungen. Keuchend wand er sich am Boden, als ihn eine mit langen und spitzen Fingernaegeln bewehrte Hand am Hals packte und brutal nach oben zog.

Im naechsten Moment blickte er direkt in das fratzenhafte Grinsen seines Peinigers. Fast wie in Zeitlupe hob dieser seinen rechten Arm in die Hoehe. Das grauenerregende Fauchen, das diesen Akt begleitete, klang mehr als siegessicher, fast hoehnisch. Doch so leicht wollte John nicht aufgeben. Er griff mit einer Hand nach dem Messer, das im Rueckenteil seines Guertels steckte, und rammte es dem Wraith mit voller Wucht in die Seite.

Sein Gegner stiess ein ueberraschtes Grunzen aus und sein Griff um Sheppards Hals lockerte sich weit genug, so dass dieser sich befreien konnte. Mit aller Kraft, die er noch aufzubringen vermochte, stiess er den Wraith von sich und taumelte in Richtung des ihm am naechsten gelegenen Tunnels. Doch bevor er diesen betrat, opferte er zwei, drei wertvolle Sekunden, um nach seiner Waffe zu suchen. Ungluecklicherweise jedoch lag diese fast auf der anderen Seite der Hoehle, und zwischen ihr und ihm befand sich immer noch der Wraith, der sich in diesem Augenblick schon langsam wieder aufrichtete und suchend umsah.

 

'Verdammt!' dachte John wuetend und resignierend gleichermassen und verschwand in dem Tunnel.

Schon nach wenigen Schritten wurde es dunkel um ihn.

Eine Dunkelheit, die ihm allein durch ihr Dasein den Atem nahm, die ihn erdrueckte...

Vorsichtig tastete er sich an den kalten Steinwaenden entlang. Sehen konnte er nichts. Die Finsternis hatte sich einem samtenem Tuch gleich auf seine Augen und seine Seele gelegt. Eine tiefe Beklemmung nahm ihn gefangen und drohte die Hoffnung aus seinem Herzen zu verbannen.

Taumelnd und strauchelnd suchte er seinen Weg. Wie kleine Messer zerschnitten ihm die scharfkantigen Auswuechse der Tunnelwand seine Haende, und er spuerte wie das Blut aus den zahlreichen, kleinen Wunden klebrig an seinen Armen hinunterlief.

 

Und er hoerte den Wraith hinter sich.

 

Seines Augenlichtes beraubt, arbeiteten seine restlichen Sinne um ein Vielfaches besser. Er vernahm sein wuetendes Fauchen, das Geifern, das Zischen der Luft, das durch seine spitzen Zaehne pfiff. Er hoerte seine Schritte, die langsam aber unaufhaltsam immer naeher kamen.

Er versuchte, sein Tempo zu beschleunigen, doch dabei geriet er ins Stolpern. Verzweifelt um Halt suchend, rutschte er an der Wand herab und fiel auf die Knie.

 

Abermals erklang in den Schatten hinter ihm das Echo schwerer Schritte.

 

Mit einem letzten Aufbaeumen rappelte er sich muehsam wieder hoch und musste sich schwer atmend an der Wand abstuetzen. Jeder Atemzug wurde zu einer einzigen Qual. Es schien, als habe sich ein bleiernder Guertel um seinen Brustkorb gelegt. Es waren laengst nicht mehr nur seine gebrochenen Rippen, die den ausreichenden Transport von Sauerstoff in seine Lungen verhinderten, sondern vielmehr die verbrauchte, mit Faeulnis geschwaengerte Luft in diesem Teil des Tunnelsystems. Uebelkeit stieg in ihm hoch.

Doch er wollte nicht aufgeben. Noch nicht. Er zwang sich weiterzugehen. Immer weiter. Immer einen Schritt nach dem anderen. Er durfte einfach noch nicht aufgeben. Er musste weiter. Falls Rodney noch am Leben war, musste er es. Um seinetwillen. Er musste versuchen, ihn zu retten.   

Und er draengte die bittere Galle, die sich bereits in seinem Mund gesammelt hatte, wieder zurueck und lief weiter.

Irgendwo musste es einen Ausweg geben aus diesem steinernden Gefaengnis, aus diesem Labyrinth... aus diesem Albtraum.

 

Oh ja, er wusste nur zu gut, wo er sich befand. Er hatte es in dem Augenblick erkannt, als er den Tunnel betreten hatte. Das unheimliche Gefuehl eines Déjà-vu hatte ihn wie ein maechtige Woge ueberschwemmt, als er in die Dunkelheit eingetreten war.

Dies war der Traum. Sein Traum. Sein Albtraum. Er war in seinem eigenen Albtraum gefangen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er versucht, die furchteinflossende Erkenntnis in einen abgeschiedenen Winkel seines Bewusstseines zu verbannen, doch jetzt brach sie wie ein alles vernichtener Sturm ueber ihn herein.

Fuer einen Moment uebermannte ihn die Hoffnungslosigkeit, das Wissen um die Sinnlosigkeit seines Unterfangens...

 

"Nein!"' fluesterte er sich selbst grimmig zu. "Dass es hier aussieht wie in meinem Traum, muss noch lange nicht heissen, dass es auch so endet. Keine Chance, so leicht kriegt Ihr mich nicht!"

Und die fast erloschene Flamme der Hoffnung flackerte in ihm bei diesen Worten wieder auf. Waehrend er sich weiter durch die Dunkelheit tastete, ueberlegte er, ob dies nicht vielleicht wieder nur ein Traum war, aus dem er womoeglich bald erwachen wuerde. Doch leider musste er sich eingestehen, dass der Schmerz in seiner Brust und seine blutueberstroemten Haende die grausame Realitaet waren.

Aber warum passierte das alles? Wie hatte er schon seit Wochen genau dieses Szenario traeumen koennen?

Und da war noch etwas, das ihn verwirrte. Wenn dies seine Vision war, die Vision, die unweigerlich zu seinem Ende fuehrte, woher kam dann das dieses merkwuerdige Gefuehl in seinem Innern? Das Gefuehl der Verbundenheit, des Zusammenfindens? Denn das hatte er definitiv nicht in seinem Albtraum verspuert.

 

Doch bevor er sich darum noch weitere Gedanken machen konnte, stiess er mit seinen Haenden gegen eine Wand. Die dumpfe Vorahnung ignorierend, tastete er sie ab. Aber wie er schon befuerchtet hatte, bewahrheitete sich auch dieser Teil seines Traumes. Dies war tatsaechlich eine Sackgasse. Das Ende des Tunnels, an dem es fuer ihn kein Licht gab. Nur die Gewissheit, dass er letztendlich doch verloren hatte.

Er drehte sich um und liess sich mit dem Ruecken gegen die steinerne Wand fallen. Seine Haende waren zu Faeusten geballt. Und als ein verzweifelter Wutschrei seiner Kehle entwich, schlug er gleichzeitig mit aller Kraft auf den Fels ein. Dann sackte er langsam zu Boden. Jetzt verspuerte er sie. Diese bekannte, ihm nur allzu vertraute Mutlosigkeit. Und jetzt konnte er sich auch die Frage beantworten, warum er sich nicht gegen den Wraith gewehrt hatte, wehren wuerde...

Er konnte einfach nichts ausrichten. Es hatte alles keinen Sinn mehr. Er hatte keine Waffen, kein Licht und seine Kraft reichte kaum, um sich auf den Beinen zu halten.

Und er hatte sein Team verloren. Erst Parker und Stevenson, und dann auch noch McKay. Er machte sich schwere Vorwuerfe. Er haette niemals die Leitung fuer diese verdammte Mission uebernehmen duerfen. Er hatte sich selbst ueberschaetzt, hatte nicht auf seine Freunde hoeren wollen, nicht auf Teyla, nicht auf Elizabeth und auch nicht auf Rodney.

Und das, was ihn jetzt erwartete, war in seinen Augen eine mehr als ausgleichende Gerechtigkeit fuer sein Unvermoegen, sich seine eigene Unzulaenglichkeit einzugestehen.

Es war vorbei.

Er schaute auf und sah dem Wraith fast gelassen in die in der Finsternis bedrohlich gluehenden Augen, als dieser regelrecht triumphierend den rechten Arm hob.

 

Doch ploetzlich lenkte ihn etwas von seinem bevorstehenden Ende ab. Da war es wieder. Dieses Gefuehl. Dieses Gefuehl von etwas ganz und gar Vertrautem. Doch diesmal war es so stark, dass er es nicht weiter ignorieren konnte oder auch wollte. Und es wurde immer heftiger. Verwirrt blinzelte er in die Dunkelheit.

Auch der Wraith ueber ihm schien etwas zu spueren. Er hielt inne und wollte sich gerade umdrehen, als ihn unvermittelt das grelle, blau-weisse Licht eines Stunners traf. Mit einem tiefen Seufzen ging er zu Boden. Doch das schien dem Angreifer nicht zu genuegen, denn er feuerte ein zweites Mal auf den schon bewusstlosen Wraith, wohl um ganz sicher zu gehen.

Und in der Sekunde, als der zweite Strahl den Gang erhellte, konnte John denjenigen erkennen, der ihm allen Anschein nach das Leben gerettet hatte.

Und er riss vor Ueberraschung die Augen auf.

 

"Du?"

Mehr brachte er nicht heraus.

Subscribe
  • Post a new comment

    Error

    Anonymous comments are disabled in this journal

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

  • 0 comments